Heimlicher Star Altmark: Magdeburger Marketingexperten führen Touristen in die Irre

+
Die Aussichtsplattform Arneburg, ein Highlight am Elberadweg im Jerichower Land – meinen zumindest die Landestourismusexperten.

Magdeburg/Altmark. „Für die in Magdeburg hört doch Sachsen-Anhalt nördlich der A2 auf“, unterstellen Altmärker gern den Landesbehörden.

Nur ein böses Vorurteil!? Ausgerechnet die Investitions- und Marketinggesellschaft (IMG), also die Werbeagentur des Landes, scheint dies nun zu bestätigen.

„Radwandern im Jerichower Land“, ist eine Pressemitteilung überschrieben, die die Tourismusexperten aus der Landeshauptstadt kürzlich in die Welt verschickt haben. Die touristische Fachpresse, Medien in Sachsen-Anhalt und Pressestellen sollen damit auf touristische Highlights aufmerksam gemacht und so Gäste gelockt werden. Der gut geschriebene Beitrag beschreibt das Kloster Jerichow, schwärmt von der herrlichen Elblandschaft zwischen Tangermünde und Havelberg und stellt eine Radfahrerunterkunft sowie den neuen Aussichtspunkt in Arneburg vor.

Das Problem: Mit „Radwandern im Jerichower Land“ hat das Ganze nichts zu tun, denn der Radler bewegt sich auf der beschriebenen Strecke fast ausschließlich in altmärkischen Gefilden. Die Altmark ist aber auch im Text mit keinem Wort erwähnt.

Orts- und Tourismuskundige reiben sich darüber erstaunt die Augen. „Prima, dass die IMG auch für die nördlichen Teile des Landes wirbt, aber ich hätte mir etwas mehr ´Detailverliebtheit´ gewünscht“, sagt der Vize-Vorsitzende des Landestourismusverbandes, Tilman Tögel, diplomatisch. „Große Teile des Elberadweges verlaufen nunmal durch die Altmark und nicht nur durchs Jerichower Land“, fügt der Stendaler SPD-Landtagsabgeordnete hinzu. Havelberg und Arneburg unter der Überschrift „Radwandern durchs Jerichower Land“ zu verkaufen, führe in die geografische Irre, so Tögel. Vielleicht irrten aber auch einfach nur die Herausgeber der Mitteilung bei der geografischen „Verortung“ ihres Beitrages?

Sowas kommt für die „Marketingexperten“ des Landes wohl nicht infrage. Ivonne Woltersdorf, Tourismussprecherin der IMG, verweist auf Nachfrage darauf, dass mit dem Text das Reisethema „Radwandern“ beworben werden soll. „Der Presseinformationsdienst richtet sich in letzter Konsequenz an kulturaffine Zielgruppen und Aktivtouristen“, erklärt sie. Die interessiert es wohl nicht, in welcher Gegend sie unterwegs sind? „Entscheidend ist explizit der jeweilige Anlass, indirekt die Region. Da sich das Kloster Jerichow, die zertifizierte Radunterkunft und die Aussichtsplattform in der Reiseregion Altmark befinden, ist diese damit auch erwähnt“, meint Wolterdorf.

Eine zumindest interessante Argumentation. Das hieße dann wohl im Umkehrschluss, die Reiseregion Altmark ist so bekannt, dass weltweit jeder Fremde bei den beschriebenen Sehenswürdigkeiten sofort weiß: Das kann nur die Altmark sein, auch wenn Jerichower Land dran steht?! Das wäre ja prima! Man könnte sich teure Imagekampagnen und auch das Landesmarketing sparen.

Von Christian Wohlt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare