Jugend-Psychiatrie der Salus geschmückt / Maßregelvollzug an Kaffeetafel

Heiligabend hinter dicken Mauern in Stendal

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Hinter Gittern, oft mit emotionalen Lasten, wird im Maßregelvollzug gefeiert.

Stendal – In Uchtspringe wird in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und im Maßregelvollzug Weihnachten vorbereitet und entgegengefiebert. Dies berichtet Dr. Ute Ebersbach, Chefärztin der Klinik II für Jugendpsychiatrie Salus-Fachklinikum Uchtspringe, auf Anfrage der AZ.

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist weihnachtlich geschmückt.  Fotos: Salus (2) / Hertzfeld (1)

„Die Kinder- und Jugendpsychiatrie Uchtspringe ist überall weihnachtlich geschmückt. In der Adventszeit finden auf den Stationen Weihnachtsfeiern statt, zu denen Eltern und andere Bezugspersonen der Patienten eingeladen werden. Dort präsentieren die Kinder und Jugendlichen kulturelle Programme mit Gedichten, Liedern und Geschichten, die sie zuvor gemeinsam geprobt haben. “ Kinder- und Jugendliche deren Gesundheitszustand es zulässt, werden zu Weihnachtsfeiern in ihrem vertrauten sozialen Umfeld gebracht. Dies können Wohngruppen, Kinderheime, Schulklassen oder Sport- und Freizeitgruppen sein.

„Wenn der Gesundheitszustand schon stabil genug ist, fahren die jungen Patientinnen und Patienten an den Weihnachtstagen nach Hause, wobei der Zeitrahmen je nach Therapiefortschritt individuell vereinbart wird. Die Spanne liegt hier zwischen einigen Stunden und mehreren Tagen“, erklärt die Uchtspringer Leiterin weiter.

Soweit aber die Patienten schwer erkrankt sind und nicht stabil genug, so verbringen sie auch Heiligabend in der Klinik. Das Pflegepersonal gestalte dann den Abend mit Essen und persönlichen Geschenken. Die Wünsche der Kinder und Jugendlichen werden dabei berücksichtigt.

Dr. Ute Ebersbach Chefärztin

Manchmal kommen auch Eltern oder Angehörige zu Besuch. Wichtig sei, dass kein Kind bei der Bescherung leer ausgehe, betont Ebersbach. Soweit alle Stränge reißen, nimmt sich das Personal der Sache an. Die Finanzierung wird dann auch mal von Externen übernommen. Jüngst etwa nahm sich ein Personaldienstleister der Sache an.

Im Maßregelvollzug für psychisch kranke und suchtkranke Straftäter etliche Hundert Meter weiter war der vorweihnachtliche Höhepunkt bereits am 10. Dezember. Ein Weihnachtsmarkt im Innenhof der Klinik lud ein, erklärt Birgit Neufink, Pflegedienstleiterin im Landeskrankenhaus für Forensische Psychiatrie Uchtspringe (Maßregelvollzug).

An den selbst aufgebauten Ständen gab es Soljanka aus der Gulaschkanone, Waffeln und heiße Schokolade. Die Theatergruppe der Patienten begeisterte mit einem Krippenspiel. Am 18. Dezember sei dann mit der musikalischen „Weihnachtsbox“, gestaltet von den Künstlern Martin Rühmann und Sylvia Oswald, ein weiterer Höhepunkt geboten worden.

Die Stationen im Maßregelvollzug sind mit Weihnachtsbäumen geschmückt. Die Zimmer können von den Patienten unter Beachtung der Sicherheitsvorschriften dekoriert werden.

Am Nachmittag des 24. Dezember gebe es kein Ritual, es werde meist beisammengesessen und gemeinsam Kaffee getrunken. Gäste können dann bis um 17 Uhr zu Besuch sein. Nach den Erfahrungen der Pflegedienstleiterin komme jedoch nur wenig Besuch. Die Bindungen zu Familien und Freunden seien meist verloren gegangen. Weihnachten sei für viele eine emotional belastende Zeit. Bei manchen kämen dann Erinnerungen an früher auf und die aktuelle Situation werde als besonders belastend empfunden, schätzt Neufink ein.

VON SIMON GERSTNER

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