Raubkatze zieht es in die Altmark

Harzer Luchs auf dem Sprung – Landesamt sicher: Region bietet genügend Wald

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Im Stendaler Zoo lässt sich wie hier vor gut drei Jahren immer wieder einmal Nachwuchs bei Familie Luchs betrachten.

Stendal / Wernigerode. Dass die größte wilde Katze Europas irgendwann die Altmark erreicht und sich dort dauerhaft niederlässt, scheint immer wahrscheinlicher. „Der Luchs könnte vom Harz aus die Altmark erreichen und besiedeln“, glaubt Harald Friesel.

Aus Telemetriestudien, bei denen einzelne Tiere mit Sendern versehen werden, sei bekannt, dass Luchse durchaus auch waldarme Gegenden durchwandern und dabei so manches Hindernis überwinden. Im nördlichen Sachsen-Anhalt fände das Raubtier recht gute Bedingungen vor. „Die großen Waldbestände der Altmark dürften dem Luchs ausreichende Lebensmöglichkeiten bieten“, meint der Sprecher des Landesamtes für Umweltschutz in Halle. Zwischen Harz und Altmark liegen vielleicht 150 Kilometer.

Der Eurasische Luchs oder auch Nordluchs ist lange Zeit scharf verfolgt worden und war Mitte des 20. Jahrhunderts in Westeuropa so gut wie ausgerottet. Nach und nach wanderten einzelne Exemplare gerade von Osten her wieder ein, andere wurden gezielt neu angesiedelt. Das Luchsprojekt im Harz gilt unter Naturschützern als Erfolgsgeschichte. 80 Luchse und mehr sollen inzwischen wieder das Mittelgebirge durchstreifen und auch bereits Reviere außerhalb besetzen. Aus der Nationalparkverwaltung in Wernigerode heißt es: „Ein alter Harzer ist zurück!“ Dass dies ähnlich irgendwann auch für die Altmark gilt, möchte niemand ausschließen, wenngleich der Luchs auf der Suche nach neuem Lebensraum momentan eher nach Süden denn nach Norden wandere.

Einige Katzen sollen es bereits in jüngster Vergangenheit in die Altmark geschafft haben. Aus dem westlichen Teil der Region hat es immer wieder einmal einzelne Meldungen gegeben, Jäger wollten einen Luchs gesehen haben. Stammten die Tiere aus dem Harz oder aus Osteuropa, haben sie die Altmark nur durchwandert, was ist mit ihnen geschehen, war es womöglich ein und derselbe? Fragen über Fragen, die bislang unbeantwortet geblieben sind. Letzten Endes zählten Fakten. Dem Landesamt sind für die Altmark keine Luchsnachweise bekannt. „Ein Einzeltier des Luchses konnte über mehrere Jahre am westlichen Flämingrand nachgewiesen werden“, weiß Friesel auf Nachfrage der AZ. Der Höhenzug erstreckt sich östlich von Magdeburg über mehr als 100 Kilometer bis zum Fluss Dahme, in der Mitte Brandenburgs.

In der Altmark befinden sich Luchse in Menschenhand. Im Wildpark in Weißewarte und im Stendaler Tiergarten leben Luchse im Gehege. In freier Wildbahn soll es europaweit schätzungsweise wieder circa 7000 Exemplare geben. Inwieweit die Raubkatze dauerhaft in altmärkischen Revieren willkommen wäre, müsste sich zeigen. Angesichts der heftig geführten Diskussion um einen anderen Rückkehrer, den Wolf, dürfte der Luchs in ähnlicher Weise die Meinungen spalten. Der Luchs gehört in Deutschland zu den streng geschützten Arten.

Von Marco Hertzfeld

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