Außengastronomie am Marktplatz / Landkreis Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Seyer: Streit hätte nicht sein müssen

Hansestadt Stendal verspricht neuen Behindertenparkplatz am Markt

Stühle und Trennwände stehen auf ehemaligen Behindertenparkplätzen am Stendaler Marktplatz.
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Zwei Behindertenparkplätze am Marktplatz sind innerhalb weniger Tage verschwunden. Auf der gegenüberliegenden Seite soll jedoch Ersatz geschaffen werden.
  • Stefan Hartmann
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Mit einer neuen außengastronomischen Einrichtung wurden zwei Behindertenparkplätze am Marktplatz überbaut. Nach mehreren Beschwerden verspricht die Stadt: Ersatz wird kommen. 

Stendal – Lange hat es nicht gedauert. Erst kürzlich sind an der südlichen Seite des Marktplatzes Stellwände aufgetaucht – genau an dem Ort, an dem eigentlich Behindertenparkplätze vorgesehen waren. Damit sank deren Zahl am Marktplatz von drei auf eins. Nicht nur die Bürger machten ihrem Unmut in den sozialen Medien Luft. Auch die Stadtratsfraktion SPD/FDP/Ortsteile hat gegen den Vorgang Stellung bezogen und fordert die Stadtverwaltung auf, den Vorgang zu prüfen und zu klären, wieso niemand aus dem Stadtrat darüber informiert worden sei. Während es am Dienstag aus der Pressestelle der Verwaltung noch hieß, dass die weitere Einrichtung von Behindertenparkplätzen geprüft und ermöglicht werden könne, wurde es am Mittwoch schon konkreter: Zu dem verbleibenden Behindertenparkplatz an der Nordseite soll sich ein zweiter gesellen, informiert Stadtsprecher Philipp Krüger auf AZ-Anfrage.

All diesen Stress und Streit hätte sich die Hansestadt sparen können, erklärt Elisabeth Seyer, Gleichstellungsbeauftragte und Beauftragte für Menschen mit Behinderung des Landkreises Stendal. Einen schwarzen Peter wolle sie jedoch keiner der beteiligten Gruppen zuschieben. Natürlich hätte die Gastronomie, auch in Anbetracht der schwierigen Corona-Lage, ein Recht darauf Außenanlagen einzurichten. Allerdings sei es traurig, dass es auf Kosten der Menschen mit Behinderung ginge. Menschen mit Behinderung, die nun weniger Parkmöglichkeiten haben, hätten in die Entscheidung einbezogen werden sollen. Diese fühlten sich sicher wegen der Nichtbeachtung auf die Füße getreten. Dass jetzt neue Parkflächen entstehen sollen, begrüße sie jedoch. „Ich hätte mir aber gewünscht, dass das gleichzeitig passiert“, sagt Seyer. „Da hätte man sich viel Ärger sparen können.“

Überhaupt eine Genehmigung zu bekommen, einen Behindertenparkplatz in Anspruch nehmen zu dürfen, sei komplizierter, als die meisten vermutlich denken. Diese Vorgänge könnten teilweise Jahre dauern.

Das zuständige Fachamt sei gerade dabei, neue Plätze zu suchen, informiert Krüger aus der Stadtverwaltung. Für ein Jahr werde sich an dem Aufbau aber voraussichtlich nichts ändern. Derartige Anlagen würden immer für ein Jahr genehmigt. Ob diese im kommenden Jahr angepasst oder in derselben Form wieder entstehen würden, müsse sich zeigen. Möglicherweise würde dann davor oder dahinter wieder ein Platz eingerichtet. Trotz seiner scheinbar guten Lage zwischen den Stadthäusern 1 und 2 sowie in relativer Nähe zum Rathauseingang war der Standort nicht optimal, erklärt Krüger weiter. Oft hätten Personen dort geparkt, die keine Berechtigung dazu haben. „Das war immer ein Problem und ist nicht ganz einfach gewesen. Das führt natürlich nicht dazu, dass es keine Behindertenparkplätze mehr geben wird“, stellt Krüger klar.

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