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Halbwissen, Misstrauen und schlechte Erfahrungen

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© dpa

ohe Stendal. Seit Sommer geht es mit dem Deutschen Aktienindex (DAX) – der die Entwicklung der 30 größten und umsatzstärksten deutschen Unternehmen an der Frankfurter Börse widerspiegelt – steil bergauf. Dennoch scheint Deutschland das Land der „Aktienmuffel“ zu sein.

Halbwissen, Misstrauen und negative Erfahrungen scheinen unter den Bundesbürgern zu dominieren, wenn es um Geldanlagen an der Börse geht, meint Stendals Commerzbank-Filialdirektor Michael Pohl im Gespräch mit der AZ. „Das Marktumfeld ist derzeit schwierig, dennoch kann ein Einstieg lohnenswert sein“, erklärte der Banker.

Nach Ansicht Pohls ist es wichtig, ein „gesundes Anlageverständnis“ zu entwickeln. Denn daran scheint es aus zum Beispiel fehlender Erfahrung und der zu einem großen Teil auf Sicherheit bedachten deutschen Mentalität zu mangeln. „In vielen Familien fehlt das Wissen, das weitergegeben werden könnte. Zudem haben etliche Bürger nicht nur eine Währungsreform mitgemacht.“ Angst, das verdiente Vermögen zu verlieren, sei also vorhanden.

Schaut man sich allerdings Anlagemöglichkeiten wie zum Beispiel das klassische Sparbuch an, dann kann die Wahl einer alternativen Anlageform durchaus lohnen, sagt Michael Pohl und spielt damit auf das Verhältnis von Verzinsung und Inflationsrate an: „Wir erleben derzeit eine schleichende Entwertung des Geldes“, erklärt Pohl. Man sollte im Vorfeld allerdings gut überlegen was man mit seinem Investment bezweckt, um dann eine sinnvolle Strategie zu entwickeln. Für viele stehe hier die Altersvorsorge klar im Mittelpunkt. Schließlich soll auch im Alter der aktuelle Lebensstandard gehalten werden. Doch gerade in jungen Jahren fällt es schwer, Geld für die Aufbesserung der Rente zurückzulegen. Konsum wiege oft stärker, als Vorsorge, weiß Pohl.

Hat man dann die Entscheidung getroffen, sein sauer verdientes Geld an den Kapitalmärkten zu investieren, ist es oberstes Gebot, nicht mit dem Geld zu spekulieren, das man nicht verlieren darf, rät Bänker Pohl. Denn auch an der Börse ist längst nicht alles eitel Sonnenschein. „Zwar hat der DAX im Jahresschnitt knapp 18 Prozent zugelegt, aber man muss sich fragen, wo das Geld herkommt, das derzeit den Markt in die Höhe schnellen lässt?“ Für Großinvestoren scheinen andere Anlageklassen derzeit unattraktiv, so dass viel Geld in den Aktienmarkt fließt, meint Michael Pohl.

Dennoch bietet der Aktienmarkt nach Ansicht des Bankers wirklich gute Chancen, langfristig „Geld zu verdienen“. Allerdings vorausgesetzt, Gier und Casino-Mentalität gewinnen nicht die Oberhand. „Geduld ist das A und O.“ Auch eher negativ behaftete Beispiele wie den Absturz der Telekom-Aktie lässt er hier nicht gelten. Der Kurs der Papiere des Telekommunikationsanbieters sei nach Ausgabe zwar drastisch gefallen, das Unternehmen zahle aber seit Jahren eine gute Dividende.

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