Gutshof-Chefin im Stendaler Ortsteil lernt in Pandemie dazu / Leader-Projekt nutzt Alte Schmiede

„Landtourismus entwickelt sich“

Landgut-Chefin Brita von Götz-Mohr vor der Alten Schmiede im Stendaler Ortsteil Welle.
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Landgut-Chefin Brita von Götz-Mohr vor der Alten Schmiede.
  • Antje Mahrhold
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Welle – „Dieses Hintergrundmotiv werden unsere Brautpaare vermissen“, streicht Brita von Götz-Mohr über das gusseiserne Langband am romantisch-verwitterten Doppelflügeltor der früheren Gutsschmiede

Obwohl das Requisit im angesagten Vintage-Stil derzeit, wie so vieles, pandemiebedingt ein fast unbeachtetes Dasein fristet, will Welles Landgut-Chefin das historische Bauteil unbedingt für möglichst bald wieder im Stendaler Ortsteil zelebrierte Ja-Sager-Feste erhalten – denn es stehen erneut Bauarbeiten an auf dem Stück ostaltmärkischer Scholle ihrer Vorfahren.

Mit Ehemann Christoph Mohr, der als Landeskonservator Hessens tätig war und 73-jährig im August 2019 verstorben ist, hat die Kunsthistorikerin die Gutsanlage von 1820 vor 23 Jahren von der Treuhand erworben. Das Areal zählt neun Wirtschaftsbauten, die sich um den riesigen Hof gruppieren, dessen sattes Grün schon den Boden für diverse Familienfeste großer Freude gebildet hat. Zuletzt wurde die mit Leader-Geld grundsanierte Gutsscheune als „Kompetenzzentrum Heimische Birnen“ im September 2017 beim „Altmärker Birnentag“ eröffnet. An der alleeartigen Straße von Dahrenstedt wächst die mehr als 200 Jahre alte Sorte „Köstliche von Charneux“.

Voraussichtlich ab Mai soll die Alte Scheune samt früherer Gutswerkstatt restauriert werden, wobei das Dach des historischen Backsteingemäuers im Mittelpunkt steht. Es wird vom äußerst unpassenden Asbest befreit, damit stilechte Biberschwänze auf der Konstruktion montiert werden können. Erhalten bleibt auch der historische Lastenaufzug. Selbst die originalen Kamine, Fenster und Türen sollen ihr ursprüngliches Antlitz behalten, blickt von Götz-Mohr gespannt auf den Beginn der Arbeiten.

Beauftragt worden seien drei Firmen aus der Region für eine Sanierung, die rund 100 000 Euro koste und zu 45 Prozent mit EU-Geld aus dem Leader-Programm bezuschusst werde. Angesichts der pandemiebedingten Einnahmeausfälle, die das ansonsten übers Jahr gut gebuchte Landgut zu verkraften habe, bereite ihr aber der Eigenanteil bereits schlaflose Nächte, berichtet Welles Gutshof-Chefin der AZ.

„Wir müssen in kleinen Schritten vorwärtsgehen“, bringe die Pandemiezeit aber auch eine Menge neue Erfahrung mit sich. So habe es für den Kurzurlaub in Welle schon im ersten Coronajahr „mindestens doppelt so viele Anfragen“ wie sonst üblich gegeben. Und die Fans von verlängerten Wochenenden an bislang unbekannten Orten hätten anders als bislang auch zu eher unbeliebten Reisezeiten nun fast über das ganze Jahr Lust auf die Region. Sogar Gäste aus Süddeutschland hätten sich in Welle einquartiert, etwa um die Gegend auf dem Fahrrad zu erkunden. Dabei habe von Götz-Mohr aber festgestellt, dass Öffnungszeiten der Radverleiher in Stendal und Tangermünde meist unvereinbar mit den Wünschen ihrer Gäste gewesen seien. „Der Landtourismus wird sich entwickeln“, hofft die Gastgeberin auf bessere Angebote.

„Meine Gäste loben die Weite, die Ruhe und die gelassene Stimmung“, schildert Welles Landgut-Chefin. Eine Pfarrerin aus Hamburg habe sie erfolgreich für das Kloster Jerichow begeistert, da dies ein „magischer Ort“ sei, obwohl die Geistliche gar keine Sehenswürdigkeiten wollte. Die Altmark mit ihrer besonderen historischen Vergangenheit könne künftig noch viel mehr begeistern, ist von Götz-Mohr überzeugt.

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