Neuer Flächenplan Arneburg schließt fossile Energie, Müllverbrennung und Tierindustrie aus

Für „gut bezahlte Arbeitsplätze“

Dr. Wolfram Wallraf hat die vierte Aktualisierung des Flächennutzungsplans der Stadt Arneburg verfasst. Das 226 DIN-A4-Seiten starke Papier beinhaltet nun auch die Ortsteile Dalchau und Beelitz.
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Dr. Wolfram Wallraf hat die vierte Aktualisierung des Flächennutzungsplans der Stadt Arneburg verfasst. Das 226 DIN-A4-Seiten starke Papier beinhaltet nun auch die Ortsteile Dalchau und Beelitz.

Arneburg. Keine fossile Energieproduktion im größten Gewerbegebiet Sachsen-Anhalts „war der strittigste Punkt“ der vierten Fassung des Arneburger Flächennutzungsplans (FNP), weiß Dr.  Wolfram Wallraf.

Der Autor des 226 DIN-A4-Seiten starken Papiers hat nicht nur die Wünsche der Arneburger Bürgerwerkstatt in dem Konzept berücksichtigt, sondern auch die „gesellschaftliche Konsensfähigkeit“ im Blick. „Energieerzeugung aus fossilen Energieträgern hat aus heutiger Sicht keine Zukunft“, lautet die Ansage auf Seite 27 im Kapitel „Zukunftsfähiger Industrie- und Gewerbestandort“. Dabei nimmt der Plan Bezug auf Bürgerproteste, die sich gegen ein im Industrie- und Gewerbepark Altmark (IGPA) geplantes Steinkohlekraftwerk richten. Auch „Müllverbrennung“ und „industrielle Tierproduktion“ schließt der Plan kategorisch aus.

Seit Inbetriebnahme des Zellstoffwerks vor zehn Jahren und der Papierfabrik 2006 auf dem 442 Hektar großen, einstigen Kernkraftwerks-Baugelände seien „erhebliche ökologische Belastungen“ zu verzeichnen, attestiert das Papier. Und benennt das Ziel neuer Ansiedlungen: „Entscheidende Kriterien aus Sicht der Gemeinde sind hohe Wertschöpfung und gut bezahlte Arbeitsplätze.“ Zugleich leide die Kommune als „wesentliches Defizit“ unter „anhaltend ungenügender Auslastung“ des IGPA.

Obwohl die Elbestadt Arneburg mit etwa 1 600 Einwohnern rund 17 Prozent der kompletten Verbandsgemeindebewohner stellt, sei sie „eine schrumpfende Stadt“. In elf Jahren werden in Arneburgs Kernzone entsprechend derzeitiger Hochrechnung nur noch zwischen 630 und 830 Haushalte mit wahrscheinlich nicht mehr als 1200 Einwohnern existieren. Arneburg besitzt mit den Ortsteilen Dalchau und Beelitz 35,1 Hektar Wohnbaufläche, was 14 Prozent des Gesamtwohnareals Arneburg-Goldbecks (251 ha) ausmacht. Der „Durchschnittsarneburger“ hat im Vergleich zur Republik üppig Platz zum Wohnen. Er lebt auf 46,2 Quadratmetern und hat so fast dreieinhalb Quadratmeter mehr als der deutschlandweite Durchschnitt (42,8 qm).

Arneburg ist bereits seit der Steinzeit besiedelt. Die Identität der Kleinstadt, die ihren Namen von der einst wichtigsten Festung der „Nordmark“ hat, soll durch den neuen Plan gestärkt werden, indem „Nutzungskonflikte“ ausgeräumt werden. Dazu zählt den Empfehlungen nach auch Pragmatisches – wie der Ausbau von Stellplätzen am Burgberg.

Von Antje Mahrhold

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