Einigung macht Weg für A-14-Lückenschluss frei

„Grünste Autobahn“: BUND will mitbauen

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Noch quält sich der Verkehr von Norden nach Süden und umgekehrt auf der Bundesstraße 189 durch die Altmark.

Magdeburg /Altmark. Wer hätte das vor Jahresfrist gedacht? Die frühere Landtagsfraktionschefin der Grünen, Claudia Dalbert, sitzt mit Erzrivalen, Verkehrsminister Thomas Webel von der CDU, am Kabinettstisch.

Beide verkünden gemeinsam mit dem Landesvorsitzenden der Umweltschutzorganisation BUND, Ralf Meyer, eine Einigung zur A-14-Nordverlängerung. So geschehen am 13. Dezember 2016 in Magdeburg. Ein historischer Tag.

Konkret geht es um den Bauabschnitt 1.4 von Dolle (Anschlussstelle Tangerhütte) bis Lüderitz. Gegen die Planungen dafür hatte der BUND vor vier Jahren geklagt. Nun gab es endlich einen Gerichtstermin. Doch eine Verhandlung war nicht mehr nötig, denn die Kontrahenten hatten sich in letzter Minute geeinigt. Zwei weitere Verfahren von betroffenen Anwohnern waren bereits zuvor gütlich beendet worden.

Umweltministerin Claudia Dalbert, Verkehrsminister Thomas Webel und BUND-Vorsitzender Ralf Meyer verkünden die Einigung.

„Es ist ein Sieg der Vernunft und beide Seiten sind Sieger“, erklärte Webel. Dieses besonders für die Altmark so wichtige Infrastrukturvorhaben stehe beispielhaft für die Vereinbarkeit von modernem Straßenbau und umfassendem Natur- und Artenschutz. Die Gespräche würden fortgesetzt. Beide Seiten verfolgten das Ziel, die „grünste Autobahn Deutschlands“ zum gemeinsamen Referenzprojekt zu entwickeln.

Meyer betonte, dass er nach wie vor keinen Bedarf für die A-14-Nordverlängerung sehe und der Ausbau der B 189 die bessere Lösung gewesen wäre. Allerdings habe man durch den Kompromiss sehr viel für die Umwelt erreicht.

Eckpunkte des Vergleichs: Der BUND verzichtet auf weitere Rechtsmittel gegen Bau und Inbetriebnahme des rund 15 Kilometer langen Streckenabschnittes der A-14-Nordverlängerung Dolle-Lüderitz. Beim Bau des Stücks werden im Gegenzug zusätzliche Naturschutz- und Lärmschutzmaßnahmen realisiert.

Um die Lärmbelästigung der Ortschaft Schleuß zu verringern, wird eine etwa 400 Meter lange Lärmschutzwand gebaut. Der vorgesehene Lärmschutzwall bei Lüderitz wird um je 100 Meter verlängert.

Seit 20. Oktober 2014 ist der erste A-14-Abschnitt fertig. Bisher endet die relativ kurze Strecke nördlich von Colbitz im Landkreis Börde.

Zusätzliche 75 Hektar werden für die Aufwertung bestehender NATURA-2000-Gebiete zur Verfügung gestellt. Für den Fledermausschutz wird teilweise entlang der Autobahn ein dichter Waldmantel angelegt. Wenn es streng geschützte Amphibienarten in diesem Gebiet gibt, das muss noch untersucht werden, gibt es zusätzliche Leiteinrichtungen und Durchlässe. Zusatzkosten für Lärm- und Naturschutz: 3,5 Millionen Euro.

Der BUND, das Landesverwaltungsamt und der Vorhabenträger (Ministerium) wollen sich bei den laufenden Planfeststellungsverfahren für weitere Abschnitte der A-14-Nordverlängerung über zusätzliche Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen verständigen. Im Gegenzug verzichtet der BUND auf Klagen.

Von Christian Wohlt

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Jahrhundertprojekt bis heute unvollendet

Von Mitteldeutschland zur Küste

ct Altmark. Ende der 1920er Jahre keimte die Idee, den wirtschaftsstarken mitteldeutschen Raum durch eine Autobahn mit den Häfen an der Küste zu verbinden. Sie sollte über Halle und Magdeburg nach Hamburg führen. Der Abschnitt von Peißen bis Leipzig-Ost wurde mit dem Autobahnkreuz bei Schkeuditz fertig. 

Schon in den 1930er Jahren war eine Autobahn von Dresden an die Küste geplant. Sie sollte allerdings nach Hamburg führen.

Viele Jahre blieb die A 14 unvollendet, obwohl die Weiterführung über Magdeburg und Lüneburg nach Hamburg bereits projektiert und erste Bauten errichtet waren. Der Krieg unterbrach die Arbeiten. Zu DDR-Zeiten wurde die Strecke von Leipzig (Ost) bis zum Dreieck Nossen (A 4) gebaut und 1970/71 übergeben. Die Verlängerung von Halle nach Magdeburg war vorgesehen. Ein Vorschlag sah die östliche Anbindung an die A 2 bei Burg vor. Auch Pläne für eine Verbindung Magdeburg-Schwerin gab es schon. Diese Projekte blieben aber in der Schublade.

Nach der Wiedervereinigung wurde das Thema A 14 wieder akut. Das neue Bundesland Sachsen-Anhalt drohte im Verkehrschaos zu versinken. Die 90 Kilometer lange Fahrt zwischen Magdeburg und Halle dauerte auf der chronisch überfüllten Bundesstraße 71 bis zu vier Stunden. Auf neu projektierter Linie wurde von 1996 bis 2000 die Strecke von Halle-Peißen bis Dahlenwarsleben als erstes „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit“ gebaut, um die Autobahn später Richtung Hamburg weiter zu führen. Bei Salzwedel sollte sich die A 14 mit der Richtung Schwerin verlängerten A 39 kreuzen. Spätere Planungen ergaben aber einen anderen Trassenverlauf. In der „Verkehrsuntersuchung Nord-Ost“ wurden 1995 verschiedene Varianten geprüft. Die Verlängerung der A 14 von Magdeburg nach Schwerin sowie der A 39 von Wolfsburg nach Lüneburg und die Verbindung beider durch eine neue Bundesstraße 190n (Hosenträger-Variante) sei, laut Studie, am sinnvollsten. Obwohl der Bundestag dieses Konzept mit dem Bundesverkehrswegeplan 2004 bestätigte, tat sich in den Folgejahren nicht viel. Klagen verhinderten den Baubeginn. 

Erst am 30. November 2011 konnte in Sachsen-Anhalt der Startschuss für die A-14-Nordverlängerung gegeben werden. Seit Ende 2014 rollt auf dem ersten sechs Kilometer langen Abschnitt zwischen Wolmirstedt und Colbitz der Verkehr. In Mecklenburg-Vorpommern und im Land Brandenburg sind seitdem mehr als 30 Kilometer der insgesamt 155 Kilometer langen Strecke fertiggestellt. Bis Anfang der 2020er Jahre, so das erklärte Ziel der politisch Verantwortlichen, soll der 1,4 Milliarden Euro teure Lückenschluss fertig und die Autobahn zwischen Dresden und Wismar durchgehend befahrbar sein.


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