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Großvermieter übergibt 28 Wohnungen für Kriegsflüchtlinge in Stendal

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Von: Stefan Hartmann

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Ein spärlich aber funktional eingerichtetes Zimmer mit zwei Betten.
Die Betten wurden aus der Kaserne in Klietz geliefert. Mit Gardinen ist auch dafür gesorgt, dass bei Bedarf der Schlafbereich verdunkelt werden kann. © Hartmann, Stefan

Die Notunterkunft für Kriegsflüchtlinge an der Bahnhofstraße wird in der kommenden Woche ein wenig leerer. Die SWG hat 28 Wohnungen für Geflüchtete hergerichtet und diese gestern an die Kreisverwaltung übergeben. 

Stendal – Die Unterbringung von Geflüchteten in Wohnungen in Stendal hat einen großen Schritt nach vorne gemacht. Die Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG) hat 28 Wohnungen im Gebiet Stadtsee 3 ausgestattet und an den Landkreis Stendal übergeben. Bei einem Teil der Einrichtung haben die Stendaler Rotarier mit angefasst, wie deren Präsidentin Elisabeth Quick vor Ort erklärt. Sie haben acht Kisten mit Kleinelektrogeräten wie Toastern, Kaffeemaschinen, Wasserkochern, Föhnen und Bügeleisen spendiert, um die neuen Behausungen etwas wohnlicher zu gestalten, sagt Quick.

Die Geflüchteten werden in Stadtsee 3 gut unterkommen: In diesem Punkt sind sich alle bei einer kurzen Besichtigung einig. Denn es macht sich ein wenig Nostalgie breit. „Das war der erste Block, den ich vor 13 Jahren angefasst habe“, sagt Daniel Jircik, Geschäftsführer der SWG. Auch Sebastian Stoll, Erster Beigeordneter, und Susann Schwarzlose, Rotary-Vizepräsidentin, haben gute Erinnerungen an den Bau- und Wohnungstyp. „Genau den Schnitt hatte meine erste eigene Wohnung auch“, sagt Schwarzlose. Das kann Stoll toppen: Er habe die ersten 17 Jahre seines Lebens in so einer Wohnung in Stadtsee 3 gelebt.

Auch Geflüchtete sollen, wenn möglich, ein paar gute Erinnerungen sammeln. Die Wohnungen sind bislang eher spartanisch eingerichtet, bieten aber das, was gebraucht wird. Eine Küche mit Herd, Schränke voller Geschirr, mehrere Betten, Gardinen zur Verdunkelung und Schränke, um persönliche Sachen unterzubringen. Hinzu kommen die Rotary-Spenden. Die Beispielwohnung ist mit vier Betten ausgestattet und soll voraussichtlich in der kommenden Woche bezogen werden, erklärt Stoll. Dabei werde genau geschaut, wie der Wohnraum am besten genutzt werden kann. Gemeinsam mit Sozialarbeitern werden dann die Familienstrukturen Geflüchteter angeschaut. Aber auch andere Konstellationen seien möglich. So seien beispielsweise drei Damen über 60 ursprünglich einzeln in Stendal angekommen, hätten sich aber gefunden und wollten gemeinsam eine Wohnung beziehen, um nicht alleine zu sein.

94 Geflüchtete leben, mit Stand von Donnerstagvormittag, derzeit in der Notunterkunft am Bahnhof. In den kommenden Wochen soll sie leerer, aber nicht aufgegeben werden. Zwar gebe es weiterhin keine Großzuweisungen, aber noch immer einen stetigen Strom Geflüchteter, die ankommen, sagt Stoll. Die vergangenen Wochen ohne große Zuweisung hätten dem Landkreis Stendal die nötige Atempause verschafft, um Wohnungen vorzubereiten, in denen Geflüchtete unterkommen können. Damit könne der Landkreis auch eine etwaige größere Zuteilung in der Zukunft besser bewältigen.

Weitere Wohnungen zu finden, sei im Zweifelsfall nicht das Problem, erklärt auch Jircik. Größere Schwierigkeiten gebe es dabei, sie auszustatten und die Handwerker dafür zu finden.

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