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Großmutter für Enkel im Einsatz

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Von: Antje Mahrhold

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Gerlinde Schulz Schülerstreik Osterburg 21. Oktober 2022.jpg
Gerlinde Schulz Schülerstreik Osterburg 21. Oktober 2022.jpg © Antje Mahrhold

Osterburg – „Das sollen doch unsere Fachkräfte werden“, mischt sich Gerlinde Schulz an diesem Vormittag aus Sorge und Überzeugung in den ersten Lehrermangel-Schülerstreik der Ostaltmark.

Mit der 63-Jährigen strömen Jugendliche aus vier Sekundar- und Gemeinschaftsschulen der Einheits- und Verbandsgemeinden Osterburg, Bismark, Seehausen und Arneburg-Goldbeck auf den Hilliges-Platz (AZ berichtete). Fast 300 Teilnehmer zählt Cheforganisator Kurt Wohlfahrt.

„Ich gehe für meinen Enkel auf diese Demonstration“, schildert die Osterburgerin der AZ ihre Motivation. Der Achtklässler lebe zwar seit Kurzem nicht mehr in der Biesestadt, sondern in Magdeburg. Aber auch dort seien Stundenausfall, Hybridunterricht und verkürzte Lernzeiten an der Tagesordnung. So habe ihr Enkel in seiner Schule in der Landeshauptstadt „noch nicht eine Chemiestunde“ erteilt bekommen, berichtet sie. Dies sei ungerecht, besonders für die Schüler, die eventuell Chemielaborant werden wollen oder ähnliche Berufe anstreben. Der für die Zukunft der Jugend so missliche Zustand müsse jedenfalls ganz schnell beendet werden, verweist die Großmutter auf ihr Plakat. Es fordert eine bundesweite Bildungsreform, mehr Studienplätze für angehende Lehrer, eine Absicherung der Schulabschlüsse und wendet sich gegen weitere Schulschließungen. Das Engagement betreibe die Osterburgerin auch für ihre beiden jüngeren Enkel. Sie sind noch nicht eingeschult und leben in Sachsen.

Den Schülerstreik am Freitag vor den Herbstferien hat auch Mandy Duske mitbegleitet. Als Mutter von Sohn Marlon (14) wisse die Seehäuserin von den aktuellen Schwierigkeiten in vielen Klassenzimmern der Ostaltmark. Für den Protest hatten Jugendliche zuvor eigens Plakate angefertigt, auf die sie mit voller Absicht Rechtschreib- und Rechenfehler pinselten, um auf Folgen des Lehrermangels aufmerksam zu machen.

Und weil es schon im Vorfeld der Großkundgebung Kritik am Veranstaltungstag, einem Freitagvormittag, gegeben hatte, stellten einige Demonstranten auf Plakaten klar: „Wir schwänzen nicht, wir streiken“.

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