„Grandmother came from Dresden“

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Gemütlicher Abschied nach einer Woche Gemeinsamkeit: Mit einem gemütlichen Abendessen bei hochsommerlichen Temperaturen sagten sich die Besucher aus Beverley und deren Gastgeber „auf Wiedersehen“ im nächsten Jahr.

STENDAL. Gäste aus Lemgos Partnerstadt Beveley (England) waren zu Besuch in Stendal. Die 13 Engländer wurden von elf Stendalern auch nach Dresden begleitet, verbrachten erlebnisreiche Tage zusammen. Von Matthias Kuhn

„A lot is lovely in this town“, urteilen Sue und Chris Bond nach ihrem ersten Besuch der Hansestadt Stendal. Bis gestern war eine Gruppe von 13 Teilnehmern der englischen Partnerstadt Lemgos für fünf Tage zu Gast bei den Rolandstädtern. Diese Treffen finden bereits seit den 1990er Jahren fast regelmäßig in einem zweijährigen Wechsel statt, so Steffen Tank, Vorsitzender der Partnerschaftsgesellschaft. In diesem Jahr hießen die Hansestädter die Gruppe bei sich willkommen. „Für dieses Jahr haben wir das Treffen etwas anders organisiert“, so Rüdiger Hell, Vizechef der Partnerschaftsgesellschaft. Nicht Stendal war erster Anlaufpunkt, sondern eine Delegation aus der Rolandstadt empfing am vergangenen Mittwoch die Gäste in Berlin, um von dort nach Dresden zu reisen. Für Chris Bond etwas ganz besonderes, hat er doch deutsche Wurzeln, wie er der AZ erzählte. „My grandmother came from Dresden“, so der 64-Jährige. Bei seinem Besuch der sächsischen Metropole versuchte er sich vorzustellen, wie Dresden um 1900 wohl ausgesehen haben mag – für ihn persönlich eine Art Spurensuche familiären Ursprungs. Seine Großmutter Maria wurde 1882 in Dresden geboren, ging Anfang 1900 als Hausmädchen mit einer Familie nach England. Damals sei es nicht ungewöhnlich gewesen, dass deutsche Familien in England lebten und arbeiteten. Die Dresdner Familie, mit der seine Großmutter die Heimat verließ, ging zwei Jahre später zurück nach Deutschland, sie blieb, heiratete 1914 einen Engländer, wurde so zu Mrs. Turner und blieb für immer.

Begeistert zeigten sich beide auch von Stendal, waren erstaunt über die bewegte Geschichte der Stadt. Als die Reisegruppe am Samstagabend die Hansestadt erreichte, bezog sie Quartier in Hotels oder bei Gastfamilien. Die Bonds erkundeten am Sonntag zusammen mit einem Stendaler Ehepaar die nähere Umgebung. Auf dem Tourprogramm standen Tangermünde mit Besuchen des Heimatmuseums und der Stephanskirche sowie eine ausgedehnte Rundfahrt durch Stendal. Beeindruckt war Chris Bond vom Flugplatz und seiner Geschichte, aber auch über die Historie der Husaren und der ehemalige Kaserne Albrecht der Bär. Er zeigte sich erstaunt, über die zahlreichen ehemaligen Militärbauten, die heute fast alle eine zivile Nutzung haben. Und das Ehepaar war interessiert am Leben in der DDR und die Zeit der Wiedervereinigung – eine Thematik, die für Engländer nur schwer zu verstehen sei, so Chris Bond.

Es war der Reichtum an historischen Bauten, ob Kirchen oder einfache Häuser – aufwändig restauriert, die die beiden beeindruckte. Beide waren sich einig, dass Verantwortliche in England einen solchen Aufwand wohl nicht treiben würden. Und noch etwas beeindruckte die beiden. Wie die Deutschen es geschafft hätten, mit ihrer Geschichte umzugehen, vermeintlich Negatives ins Positive zu wandeln, dabei aber die Geschichte nicht zu vergessen. Und ebenfalls ein positives Erlebnis, insbesondere für Chris Bond, war das deutsche Bier, während seine Frau Sue eher zur Variante des Radlers tendierte.

Vorgestern galt es dann Abschied zu nehmen. Bei einem gemütlichen Beisammensein am Abend trafen sich Gäste und Gastgeber. Bert Cressey, Organisator der Twinning Association Beverley-Lemgo, dankte Tank und Mitstreitern für die schöne Zeit, sprach die Hoffnung aus, möglichst viele der Stendaler im nächsten Jahr in Beverley begrüßen zu können. Wer mehr über die Stendaler Partnerschaftsgesellschaft wissen möchte, findet Informationen im Internet unter http://www.stendal.de.

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