Archäologe Matthias Lindemann und sein Team fördern rund 2500 Jahre alte Urnen zutage

Gräber unter dem Krankenhaus in Stendal

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Grabungsleiter Matthias Lindemann freut sich, wenn er ein so gut erhaltenes Urnengrab (kleines Bild) finden und sichern kann. Diese Urne stammt aus der vorrömischen Eisenzeit, also frühestens aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus.

Stendal. Besonders tief musste Archäologe Matthias Lindemann nicht graben, um auf ein recht besonderes Fundstück zu stoßen. Nur wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche, dort, wo viele Jahre ein Altbau des Krankenhauses stand, kam ein Urnenfeld zutage.

Torsten Herm und Anna Dahlke graben noch bis zum Ende der Woche am Krankenhaus und suchen nach Urnengräbern.

„Es waren doch soviel, dass es zu einer richtigen Ausgrabung gekommen ist“, sagt Lindemann. Die Funde datieren seiner Ansicht nach auf die vorrömische Eisenzeit, also auf das vierte bis sechste Jahrhundert vor Christus. „Das war eine Zeit, als noch niemand an Stendal gedacht hat“, so Lindemann. Das Krankenhaus an der Wendstraße liegt etwas außerhalb der ehemaligen Stadtmauern. „Ob hier damals Wald oder Wiese gewesen ist, kann man heute nicht mehr sagen“, so der Grabungsleiter. Eine Urne, die noch nicht auf dem Weg zum Landesamt für Denkmalpflege in Halle ist, hat Lindemann vorbereitet. „Das ist eine Urne mit Deckschale. Sie ist ein wenig gestaucht durch das ehemalige Fundament des Krankenhaus-Baus. In der Urne befinden sich die Überreste eines feuerbestatteten Menschen mit Beigaben.“ Was dem Verstorbenen vor rund 2500 Jahren für seine Reise ins Jenseits mitgegeben wurde, kann Lindemann noch nicht sagen. „Die Urne wird ganz vorsichtig freigelegt und dann wie ein gebrochener Arm eingegipst“, sagt Lindemann. Im Anschluss geht die eingegipste Urne auf den Weg zum Landesamt für Denkmalpflege.

Ist es ein schöner Moment für Lindemann, wenn er solche Relikte aus der Vergangenheit findet und sichert? „Da gibt es ein lachendes und ein weinendes Auge. Denn mit allem, was wir aus der Erde holen, machen wir ja auch ein Stück Geschichte kaputt“, so Matthias Lindemann. Das Areal am Krankenhaus kennt er bereits von Grabungen im Jahr 2013. Mittlerweile ist es die fünfte archäologische Grabung dort seit 1990. „Dieser Fundplatz ist interessant, er hieß einmal ,Am Sandplatz’“, erzählt der Archäologe. Mit seinen Mitarbeitern Anna Dahlke und Torsten Herm ist er noch bis zum Ende dieser Woche dort beschäftigt. „Danach beginnt für mich die Büroarbeit.“

Von Mike Höpfner

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