Ein Goethe zum Trällern

Christian Georgi (l.) und Detlev Rose schafften es, dass ihr jugendliches Publikum begeistert applaudierte.

Stendal - Von Antje Mahrhold. „Du schrumpliger Lump“ schritt Liedermacher Detlev Rose balladierend durch die voll besetzte Winckelmann-Gymnasiumsaula, während Flötist Christian Georgi von der Bühne für den guten Ton sorgte. Tatsächlich gelang es dem Berliner Duo unterhaltsam überzeugend, superstar-verwöhnte Jugend für historischen Klassikerstoff zu interessieren.

In dieser Deutschstunde der musikalischen Art lernen gestern und heute insgesamt rund 500 Siebt- und Elftklässler der Gymnasien Hildebrand und Winckelmann, dass man Goethes Zauberlehrling eben auch trällern kann. „Walle! walle“ sang sich das Duo fast die Stimmen aus den Kehlen und erntete dafür keinen artig-respektvollen, sondern ziemlich enthusiastischen Beifall. Der Gedichte-Texte-Dialog machte die Schüler auch mit der Ballade in U-Dur Detlev von Liliencrons vertraut, die entwaffnend „knicksknucksknacks“ daherkam und vom seltsamen Lebensleid des Freiherrn Kunz von Karfunkel handelte. Dabei nahm das Ende des 19. Jahrhunderts entstandene Stück Prosa offen Bezug zum Wappen über den Rücken Rose und Georgis, deren Bühnenleinwand noch einen Dolch sowie einen einzelnen Ski beinhaltete. Die metallische Spitzwaffe kam in der Mitte des Programms sinnbildhaft zum Zug, als der auch wunderbar Saxophon spielende Kompagnon des Liedermachers bei Frank Wedekinds Tantenmörder-Gedicht mit Lehrer-Geste aufs Meuchelinstrument zeigte und dabei „Ich habe meine Tante geschlachtet“ rezitierte. Aber auch ein paar Theoriehäppchen kredenzten die musizierenden Kulturpädagogen ihrem Publikum, brachten Germanistikbegriffe wie Paarreim und Versfuß ins Spiel. Adaptierten märchenhafte Botschaften in zeitgenössische Realitäten, hielten den Großmutter-Wolf-Konflikt für „die ideale Lösung der Rentenproblematik“ und brachten den Nutzwert solcher Sagenhaftigkeiten auf den Nenner „Karrieren haben schon immer Opfer verlangt“. Zum Schluss kam mit einer Version des Rolling-Stones-Songs Angie zwar nicht die Bundeskanzlerin zum Zug, dafür aber eine Variante auf Sächsisch. Da war dann der Einzel-Wand-Ski dran, denn „Een Schie – ist viel besser noch als keen Schie“.

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