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Oberbürgermeister: „Gibt nur noch wenige Wunden“

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Von: Marco Hertzfeld

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Christdemokrat Klaus Schmotz bleiben noch gut viereinhalb Monate als Rathauschef. Ein Oberbürgermeister oder eine Oberbürgermeisterin in Stendal wird am 27. März neu gewählt. Schmotz’ Abschiedstour beginnt.
Christdemokrat Klaus Schmotz bleiben noch gut viereinhalb Monate als Rathauschef. Ein Oberbürgermeister oder eine Oberbürgermeisterin in Stendal wird am 27. März neu gewählt. Schmotz’ Abschiedstour beginnt. © Boetzer

Drei Wahlperioden und 21 Jahre führte Klaus Schmotz das Zepter in Stendal. Aus Altersgründen tritt der gebürtige Thüringer am 27. März nicht erneut zur Wahl des Oberbürgermeisters an. Sein letzter Arbeitstag wird der 31. Juli sein.

Stendal – Die AZ hat dem 69-Jährigen insgesamt 21 Fragen gestellt, jeweils sieben Fragen zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. 21 Jahre, 21 Fragen und Antworten, die in drei Teilen allesamt in dieser Woche erscheinen. Ein Kommunalpolitiker und Verwaltungschef verlässt die größere Bühne, auf der es mitunter rauer als erlaubt zuging. Erst kürzlich wurde ein Mann wegen übelster Drohungen unter anderem gegen Amtsträger Schmotz verurteilt.

Die DDR hatte Stendals marode Altstadt aufgegeben und wollte sie plattmachen. Wo sehen Sie mehr als 30 Jahre später noch Wunden?

Es gibt nur noch wenige Wunden nach diesen 30 Jahren, wenn man die Jahrzehnte des Stadtumbaus betrachtet, sind ja fast alle Brachflächen verschwunden. Es existieren noch vereinzelt freigeräumte Grundstücke im Innenstadtbereich, die aber eher peripher sind und jetzt für eine künftige Bebauung möglicherweise noch zur Verfügung stehen. Insofern ist die innerstädtische Entwicklung auf das Thema Urbanität gerichtet gewesen und ich glaube erfolgreich zu einem gewissen Abschluss gebracht. Wobei bei solchen Aufgaben immer der Weg das Ziel ist. Man wird nie fertig.

Ganz andere Wunden haben Kritiker bei Ihnen gesehen. Regelmäßig ist Ihnen Ihre Vergangenheit als Finanzoffizier bei den Grenztruppen vorgehalten worden. Für wie ungerecht empfinden Sie das noch immer?

Ich will noch nicht mal ungerecht sagen. Es ist einfach meine Biografie. Ich habe mich nach meinem Ökonomiestudium entschieden, bei der NVA eine Aufgabe zu übernehmen. Ich habe damals einen Befehl bekommen, mich in das Grenzregiment in Kalbe (Milde) zu begeben und danach war ich in Stendal bis 1990 tätig. Wobei in den letzten Monaten der untergehenden DDR waren es dann nicht mehr die Grenztruppen, sondern es hieß dann schon Abrüstungskommando. Es war mein Beruf, man kann darüber trefflich streiten. Dass man mir vorwirft, ich hätte es verschwiegen, das kann ich beim besten Willen nicht bestätigen. Im Gegenteil: Ich habe meine Tätigkeit immer offen benannt und ich erinnere mich noch sehr gut an meine erste Nominierung am 8. Februar 2001. Dort habe ich relativ ausführlich meine berufliche Vergangenheit dargestellt, unüberhörbar für diejenigen, die dieser Versammlung beiwohnten.

Sie galten von Beginn an als Mann der CDU, doch das Parteibuch haben Sie lange Zeit verweigert. Was änderte Ihre Meinung?

Ich bin erst 2008 Mitglied der CDU geworden, richtig. Zweimal von dreimal bin ich von der CDU als Kandidat nominiert worden. In der täglichen Arbeit – etwa zum Stadtumbau – lassen sich die Kontakte beispielsweise zu Ministern und Staatssekretären natürlich über die Jahre mehr und mehr erweitern. Ansonsten geht man den üblichen Weg. Man kann unabhängig von der Partei immer die Mitglieder der Landesregierung und des Landesverwaltungsamtes ansprechen. Wenn man aber in einem Gespräch, aus welchem Anlass auch immer, ein Anliegen einmal locker rüberbringen will, dann erleichtert ein Parteibuch möglicherweise die Kommunikation.

Sie sind als Freund und Förderer der Hochschule bekannt. Wie groß sind die Chancen, dass sich eine anfangs eigenständig geplante Hochschule Stendal doch noch realisieren lässt?

Die Vision haben wir immer noch. Wir sind froh, dass es zu der Kooperation Magdeburg/Stendal gekommen ist, sicherlich. Auch darüber, dass wir einen eigenständigen und schönen Campus haben, der auch nach außen eine gute Wirkung entfaltet. Ich glaube nicht, dass mittelfristig mehr drin sein kann. Gleichwohl lässt sich durchaus an diesem Gedanken festhalten, eine eigenständige Hochschule Altmark, so sollte sie ja einmal heißen. Ich war ab 1995 Mitglied der Gründungskommission dieser Hochschule in Stendal. Das war für mich eine hohe Ehre und ich habe sozusagen das Wachstum dieses Standortes von Anbeginn miterlebt und bin heute immer noch aktiv im Förderkreis. Das wird nach dem 31. Juli 2022 auch so bleiben.

Ein neuer Großflughafen wurde in Berlin und nicht bei Stendal gebaut. Was hat die Altmarkstadt falsch gemacht?

Wir haben nichts falsch gemacht. Es gab in den 1990er-Jahren eine Pro-Initiative Flughafen Berlin International bei Stendal. Im Prinzip unterstützte ein breiter Bereich aus dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben das Vorhaben. Letztendlich ist es daran gescheitert, dass sowohl der Bund als auch die Länder Brandenburg und Berlin gesagt haben, wir haben uns jetzt auf Schönefeld fokussiert, bei aller Diskussion, die seinerzeit schon existierte, es wird an dieser Stelle gemacht. Damit waren wir nahezu chancenlos. Die Initiative lief noch einige Zeit weiter, es gab auch ein Planfeststellungsverfahren und ein Büro der Initiative in Stendal. Letztendlich ohne Erfolg. Aber natürlich: Wir wären hier bei Stendal mit dem Bau 2011 fertig gewesen, Berlin braucht ja noch weitere Zeit. (lacht)

Sie haben so gut wie immer Westdeutsche als Stellvertreter an Ihrer Seite im Rathaus. Inwieweit ist das Zufall oder Kalkül?

Weder Zufall noch Kalkül. Es war einfach so. Es gab keine Berührungsängste. Es sind ausgebildete, aktive Menschen und wir haben eine Aufgabe und an diesem Strick ziehen wir gemeinsam.

Ihre Arbeit ist kein Zuckerschlecken. Gar nicht selten wird es persönlich oder sogar gefährlich. Wie verarbeiten Sie Anfeindungen und Drohungen?

Es gab und gibt immer mal wieder Anfeindungen, jetzt natürlich weniger, weil alle wissen, in meinem konkreten Fall ist das erledigt. Es kamen immer mal wieder Attacken, die einem ziemlich nahe gingen. Da muss man sich schon auf die Familie und auf Freunde stützen können. Was mir auch immer geholfen hat, den Kopf freizukriegen, waren Sport und Musik.

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