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GfA gehen Erträge aus: Arbeitsförderer im Landkreis Stendal soll ruhen

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Von: Marco Hertzfeld

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Das Gebäude der GfA in Uenglingen soll veräußert werden.
Die Gesellschaft für Arbeitsförderung, kurz GfA, hat ihren Sitz in der Stendaler Ortschaft Uenglingen. Das Gebäude mit den Geschäftsräumen sowie nicht benötigte Wirtschaftsgüter sollen veräußert werden. © Marco Hertzfeld

Die Gesellschaft für Arbeitsförderung, kurz GfA, soll ruhen. Landkreis Stendal und Kommunen wollen sie ruhend stellen. Hintergrund: Das Jobcenter ändert bei Langzeitarbeitslosen den Fokus.

Uenglingen – Die Gesellschaft für Arbeitsförderung des Landkreises Stendal, kurz GfA, soll zum Ende des Jahres oder hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt 2023 ruhend gestellt werden. Hintergrund sind veränderte Förderziele des Jobcenters und die finanziellen Mittel an die GfA. Ein endgültiges Aus der Einrichtung mit Sitz in Uenglingen soll das noch nicht bedeuten, durch Nachwehen der Corona-Pandemie und Ukraine-Flüchtlinge könnte das Instrument Arbeitsgelegenheit den alten Stellenwert bekommen. Und dennoch: Das Gebäude sowie Wirtschaftsgüter sollen veräußert werden. Die Geschäftsführung soll ehrenamtlich erfolgen. Die sogenannte Ruhendstellung ist in eine Beschlussvorlage gegossen, die dem Kreistag für den 17. November vorliegt.

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Der Weg scheint nur konsequent. Bereits Ende 2021 hatte das Jobcenter über den veränderten Fokus informiert. Langzeitarbeitslose sollen verstärkt über andere Maßnahmen und nicht über Arbeitsgelegenheiten (AGH) in den ersten Arbeitsmarkt finden. Die Folge: Wurden 2021 im Monatsdurchschnitt noch circa 110 Menschen in AGH-Maßnahmen mit Gesamterlösen von 580.000 Euro gefördert, werden der GfA in diesem Jahr im Schnitt noch maximal 47 Teilnehmer zugewiesen. Die Förderhöchstsumme für 2022 liegt bei 198.000 Euro. Damit fehlen den Uenglingern im Vergleich zum Vorjahr annähernd 380.000 Euro an Erträgen. Über Sinn und Zweck der Gesellschaft für Arbeitsförderung des Landkreises Stendal mbH ist über die Jahre immer wieder einmal diskutiert worden.

Behörden richtet Fokus neu aus

Der Landkreis hält gut 48,6 Prozent des Stammkapitals, die Stadt Stendal rund 13,7 Prozent, Tangermünde 8,4 Prozent, die Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land 6,3 Prozent und Arneburg 2,1 Prozent. Die GfA selbst besitzt weitere 20,8 Prozent, ohne Stimmrecht. Langzeitarbeitslose werden über bestimmte Projekte gefördert. Nicht zuletzt soll ihnen so „die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“ ermöglicht werden. „Die Teilnehmer sollen wieder Tagesstrukturen vermittelt bekommen und an die Herausforderungen des Lebens in einem Arbeitsumfeld herangeführt werden“, heißt es im Papier der Kreisverwaltung. Die Projekte hatten in der Vergangenheit eine Laufzeit zwischen sechs und zwölf Monaten, der Schwerpunkt lag auf dem grünen Bereich mit einer Dauer von neun Monaten.

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld:
Inwieweit sollten ausgerechnet Landkreis und Kommunen Langzeitarbeitslosen auf die Sprünge helfen und ja, was kommt unterm Strich wirklich dabei heraus? Über diese und ähnliche Fragen ist in Politik und Verwaltung über die Jahre hinweg immer wieder einmal diskutiert worden, zum Teil auch recht energisch. Weil die allgemeinen Arbeitslosenzahlen nicht immer dramatisch hoch waren, hatte der Bürger die GfA vielleicht auch gar nicht mehr auf dem Schirm. Eine veränderte Stoßrichtung des Jobcenters soll nun im Ruhemodus enden, eine Reaktivierung eine Zeit lang möglich bleiben. Wenn die Uenglinger denn zeigen wollten, wie wertvoll sie (irgendwann wieder) sein könnten, eine kritische Bilanz dürfte helfen.

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