Auslandserfahrung im Austauschjahr nutzt nicht nur der Karriere, sondern stärkt auch den Charakter

„Gewinnst eine neue Familie dazu“

Finnland:

Stendal. „Wer den kulturellen Austausch erleben will, der muss auch die Sprache können“, ist Niklas Kaul überzeugt. Der 21-Jährige lebte ein Jahr lang in Finnland.

2008 kam er aus dem skandinavischen Land zurück, besuchte seine Gastfamilie und Freunde seitdem bereits sieben Mal wieder.

„Wenn du mit den Menschen in ihrer Sprache kommunizieren kannst, dann hast du auch einen viel besseren Zugang zu ihnen.“ Auch wenn die Finnen sehr gut Englisch sprechen würden, seien sie offener zu Niklas gewesen, als er begann Finnisch mit seinen damals „neuen Mitmenschen“ zu sprechen.

Diese Erfahrung kann auch Stefanie Brüser bestätigen, welche diese Woche ebenfalls am Treffen ehemaliger Austauschschüler des Stendaler Komitees des Vereines „AFS (American Field Service) Interkulturelle Begegnungen“ teilnahm. Die 25-Jährige erlebte ihr Jahr in den USA und kam 2004 nach Deutschland zurück. Auch sie zog es wieder in die Ferne. Sechs Mal reiste sie seitdem wieder in die Vereinigten Staaten. Doch nicht nur das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zog sie an.

„Mein Freiwilliges Soziales Jahr habe ich in Kolumbien absolviert.“ Dort engagierte sich Brüser nicht nur in Sachen Vogelschutz. Sie betreute auch Kinder und half bei einem Gewaltpräventionsprojekt des Deutschen Roten Kreuzes. Ein Zwischenfazit ihrerseits lautet: „Du machst ein Austauschjahr nicht nur für den Lebenslauf. Vielmehr lernst du neue Menschen kennen, gewinnst eine neue Familie dazu und machst Erfahrungen, die dir niemand mehr nehmen kann.“

Man könne auch Klischees auf den Grund gehen und diese dann auch widerlegen, findet Erik Lindemann. Der Abiturient aus Wischer (18) war 2010 in Australien, lebte in Finly. „Meine schönste Erfahrung war es, in die Australian Rules-Mannschaft aufgenommen worden zu sein.“ Bei dieser australischen Ballsportart durfte er auch bei einer Meisterschaft mit aufs Feld – wahrer Teamgeist kam auf. Für Erik war das „Luft schnuppern“ in einer fremden Kultur das Interessante. So möchte der junge Mann auch nach dem Abitur in andere Kulturkreise eintauchen und weiteren Klischees möglichst auf den Grund gehen.

Anna Blümner hingegen ist bereits dabei, auch beruflich andere Kulturen kennenzulernen. Von Bismark aus verschlug es die heute 23-Jährige 2004 nach Brasilien. Leider war sie nicht noch einmal dort. Doch ist sie fremden Ländern treu geblieben. „Ich wollte Portugiesisch studieren. Es ist dann aber Spanisch geworden.“ Während ihres Studiums erlebte Anna ihr Auslandssemester auf Teneriffa. Danach arbeitete sie für die Deutsche Botschaft in der Dominikanischen Republik. Trotz ihres Sprachstudiums stellt sie die kulturellen Erfahrungen in den Vordergrund. So kam es auch, dass sie nun ihr Studium mit einem Master in Kulturwissenschaften in Koblenz abschließen wird. Wo soll es dann hingehen? Anna würde gern ein Praktikum in Südamerika machen, beim Goethe-Institut.

Auch Niklas Kaul möchte seine Auslandserfahrung in seine berufliche Zukunftsplanung einbringen. „Ich beginne eine Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann in Hamburg. Finnland und die anderen skandinavischen Länder interessieren mich weiterhin. Sie sind wichtige Handelspartner zur See“, so der gebürtige Stendaler.

Erik Lindemann möchte nach dem Abitur studieren. Welche Richtung es werden soll, weiß der Schüler der 11. Klasse noch nicht. Stefanie Brüser, die ursprünglich aus Hohengöhren stammt, ist zur Zeit in Freiberg. Dort studiert sie Geo-Ökologie. Sie will danach in der Ökotourismus-Branche Fuß fassen.

Alle vier ehemaligen Austauschschüler haben mehr oder weniger viel Fernweh. Doch sind sie sich in einem Punkt einig, dass die Erfahrung sich gelohnt hat. Wer sich für ein Jahr im Ausland interessiert oder auch einen jungen Menschen aus einem fremden Land bei sich aufnehmen möchte, der kann sich im Internet unter www.afs.de informieren.

Von Alexander Postolache

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