Milde Jahre sollen Winterdienst nicht nachlässig machen

Vom Gespür für den Schnee

Begegnung bei Eis und Schnee vor einigen Jahren. Der Winterdienst muss mit vielem rechnen. Hier trifft ein kleines kommunales Räumfahrzeug in Stendal auf die Müllabfuhr.
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Begegnung bei Eis und Schnee vor einigen Jahren. Der Winterdienst muss mit vielem rechnen. Hier trifft ein kleines kommunales Räumfahrzeug in Stendal auf die Müllabfuhr.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Stendal – Von einer atlantischen Kältezunge oder sibirischen Kältepeitsche in der Altmark dürften Kinder in ihrem Leben bislang kaum gehört haben. Frost und Schnee erreichen die Region immer seltener.

Der Winter 2019/20 soll gar die zweitwärmste und schneeärmste Saison seit Beginn der Wettaufzeichnungen gewesen sein.

Dem Winterdienst in östlicher Altmark und Elb-Havel-Winkel dennoch die nötige Einsatzstärke vorzugeben, könnte die größte Herausforderung sein. Kreissprecherin Angela Vogel macht sich darüber keine Sorgen. Nur eine gut vorbereitete und schlagkräftige Truppe kann auf den Straßen ein immer mögliches Chaos bekämpfen, ja Menschenleben bewahren helfen.

„Der Landkreis bereitet sich wie jedes Jahr auf den Winter vor. Die Wintertechnik wird überprüft, Salz wurde bestellt und wird eingelagert. Personal- und Einsatzpläne wurden erstellt.“ Die Kreisstraßenmeisterei kann von Tangermünde und Osterburg aus jeweils drei Lkw und zwei Unimog in die Spur schicken. Für den Standort Tangermünde wurde ein Lkw vor zwei Jahren neu geleast. Unterm Strich stellen sich zehn Fahrer für zehn Fahrzeuge und zwei Aufklärer den Herausforderungen dieses Winters. „Einsatzpläne werden in der Regel nur geringfügig geändert. Sie basieren auf den Erfahrungen der Vorjahre und haben sich bewährt“, zeigt sich die Kreissprecherin auf AZ-Nachfrage überzeugt.

In diesem Jahr sind 350 Tonnen Streusalz nachbestellt worden. Mit den Altbeständen lagern damit mehr als 1000 Tonnen in den beiden Hallen der Kreisstraßenmeisterei. In der jüngeren Vergangenheit blieb der Landkreis mitunter regelrecht auf dem Salz sitzen, die Verwaltung will sich mittlerweile darauf eingestellt haben. „Die Masse unterscheidet sich nicht von den Vorjahren. Für den Härtefall ist eine Nachlieferung im Winter vertraglich gebunden“, weiß Vogel. Ganz unumstritten dürfte der Einsatz von Salz und den verschiedensten Gemischen sowieso nie und fast nirgends in der Republik gewesen sein. Um Umwelt und Straßenbelag möglichst zu schonen, scheint nicht zuletzt Erfahrung wichtig.

Salz in Massen auch über den Sommer einzulagern, scheint übrigens nicht ganz ohne. Es liege in den Hallen aus Holz auf Asphalt, Metall und Beton. Den Böden können die aggressiven Salzkristalle durchaus zusetzen, wie die Kreissprecherin schon einmal vor zwei Wintern erläutere. Im harten Winter 2009/10 beispielsweise wurden 1900 Tonnen Salz verbraucht, im Winter 2010/11 immerhin noch 1000 Tonnen und schon 2016/17 nur noch 565 Tonnen. Betreut werden durch die Straßenwärter 474 Kilometer Kreisstraßen und etwa 13 Kilometer Gemeindestraßen. Der Landkreis ist in Streubezirke aufgeteilt. Neben dem Landkreis haben auch das Land und Kommunen Mitarbeiter im Einsatz.

Die Kosten für den Winterdienst werden nach Kalenderjahren erfasst. Das Jahr 2019 mit den Winterdienstmonaten Januar bis März und Dezember kostete laut Vogel mehr als 144 000 Euro. Enthalten sind in der Rechnung alle Ausgaben für Lohn, Material und Technik. Im Jahr 2018 waren es rund 220 000 Euro, 2017 in etwa genauso viel und 2016 an die 264000 Euro. Diese Jahre und auch die Jahre davor hatten einen milden Winter. Im Vergleich dazu: Im Winter 2010 mit ungewöhnlich viel Schnee waren es mehr als 700 000 Euro. Sollten Schnee und Eis in dieser Saison mit Macht ins altmärkische Land vorrücken und sich festsetzen, muss die Straßenmeisterei vorbereitet sein. „Bei Bedarf werden zwei Schichten besetzt.“

Durch gezielte Wetterbeobachtung werden die Einsätze koordiniert, zwei Mitarbeiter schauen genauer hin, sind sogenannte Aufklärer. Dadurch sei es dem Landkreis möglich, prompt zu reagieren, heißt es in einer allgemeinen Mitteilung aus dem Landratsamt. „Der morgendliche Berufs- und Personennahverkehr, einschließlich der Schülerbeförderung, kann zeitnah abgesichert werden.“ Drei Tage vor einem zu erwartenden Kälteeintritt wird eine Rufbereitschaft angeordnet. Ab 3 Uhr wird in der Regel mit dem Räum- und Streudienst begonnen. Mit drei Stunden Einsatzzeit sei zu rechnen bei Glätte, komme Schneefall hinzu, benötige man fünf Stunden. „Zu Beginn des Berufsverkehrs sind die Kreisstraßen im Regelfall befahrbar.“

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