Friedhof bekommt Grabfläche für Moslems / Gräber zeigen in Richtung Süd-Südost

Mit dem Gesicht gen Mekka

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Der Städtische Friedhof wird um eine Grabfläche für muslimische Verstorbene erweitert. Diese werden ihrer Religion entsprechend auf der rechten Körperseite mit dem Gesicht in Richtung Mekka beigesetzt. Die übrige Friedhofssatzung bleibt unverändert.

Stendal. „Eine feine Sache“ nennt die Leiterin des Amtes für technische Dienste, Silke Pidun, die Planung für eine muslimische Grabfläche auf dem städtischen Friedhof in der Rolandstadt. Die Islamische Gemeinde hatte die Nutzung für muslimische Bestattungen beantragt.

Das Grabfeld soll auf dem Friedhof 3 an der Rönnefelder Straße eingerichtet werden. Die Einrichtung eines eigenen islamischen Friedhofes ist in Sachsen-Anhalt nicht möglich, weil nur Körperschaften des öffentlichen Rechts wie Gemeinden als Friedhofsträger in Frage kommen.

„Das wird auch nicht riesengroß“, sagt Silke Pidun, „viele Muslime lassen sich nach wie vor in der alten Heimat bestatten.“ Die Einrichtung der Grabfläche ist dennoch nicht ganz einfach, denn die Gräber müssen nach muslimischem Glauben in Richtung Mekka ausgerichtet sein. Zu diesem Zweck kamen Pidun und der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Stendal, Dr. Mohamed Msaik, jüngst zusammen, um ein erstes Grab auszupflocken. Dieses zeigt nun in Richtung Süd-Südost. „Wir haben zur räumlichen Abgrenzung auch eine Hainbuchenhecke drumherum gepflanzt“, fügt die Amtsleiterin hinzu.

Ein verstorbener Moslem könnte dann, auf der rechten Körperseite liegend, mit dem Gesicht in Richtung Mekka beigesetzt werden.

„Weitere Gräber errichten wir nach Bedarf“, so die Amtsleiterin. Platzprobleme befürchtet Silke Pidun in der nahen Zukunft nicht: „Wenn der Platz, den wir momentan ausgewiesen haben, nicht reichen sollte, gibt es noch genügend Erweiterungsflächen.“ Damit sind unter anderem Friedhofsflächen gemeint, auf denen zurzeit keine Gräber errichtet werden.

Auf dem Magdeburger Westfriedhof gibt es seit 2008 eine Grabfläche für muslimische Verstorbene. „Dort werden im Schnitt drei Moslems im Jahr beigesetzt“, sagt Silke Pidun. Mit einigen Gesetzen täten sich die hiesigen Moslems jedoch etwas schwer, etwa mit der Sargpflicht. „Der Koran sieht weiße Tücher zur Beisetzung vor. Aber wir müssen uns an die Vorgaben des Landesrechtes halten“, sagt die Amtsleiterin. Die Gesetzgebung schreibt weiterhin vor, dass Leichname frühestens 48 Stunden nach dem Eintritt des Todes beigesetzt werden dürfen – Moslems würden gerne schon nach 24 Stunden bestatten „Die Zusammenarbeit mit der Islamischen Gemeinde ist aber sehr angenehm“, resümiert Pidun.

Von Mike Höpfner

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