Bewährungsstrafe für 24-jährigen Syrer nach Angriff auf Imam / Günstige Sozialprognose

Gericht sieht keine Tötungsabsicht

Der Richter bekannte den 24-jährigen Ahmad S. unter anderem wegen zweifacher schwerer Körperverletzung für schuldig, setzte die Freiheitsstrafe aber zur Bewährung aus. Das Gericht erkannte keine Tötungsabsicht.
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Der Richter bekannte den 24-jährigen Ahmad S. unter anderem wegen zweifacher schwerer Körperverletzung für schuldig, setzte die Freiheitsstrafe aber zur Bewährung aus. Das Gericht erkannte keine Tötungsabsicht.
  • VonCharlotta Spöring
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Stendal. Der Prozess gegen den 24-jährigen Syrer Ahmad S. wegen versuchten Totschlags hat gestern ein vorzeitiges Ende gefunden.

Der zuständige Richter Ulrich Galler verurteilte den Angeklagten nach Abschluss der Beweisaufnahme im Stendaler Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung.

Aus dem Gericht

Vor Gericht stand der Syrer wegen dreier Taten, die er im Zeitraum von September 2016 bis April 2017 begangen haben soll. Am 20. September letzten Jahres habe der Angeklagte einem anderen Mann ins Gesicht geschlagen. Begründet hatte Ahmad S. den Angriff damit, dass das Opfer schlecht über ihn geredet habe. Vor der Tat soll der Angeklagte eine nicht unerhebliche Menge Alkohol getrunken haben. Am 8. April habe er eine weitere Person zur Rede stellen wollen und deren Wohnung in Stendal aufgesucht. Als niemand öffnete, schlug S. gegen die Tür und brachte dabei auch seine Bierflasche zum Einsatz. An der Tür entstand Sachschaden, die Flasche zerbrach. Mit der Kante des übrig gebliebenen Flaschenhalses verletzte er sich selbst, was in der Vergangenheit mehrfach vorgekommen sein soll. Auch hier soll S. unter Alkoholeinfluss gestanden haben, im Blut wurde im Nachhinein ein Alkoholwert von 1,37 Promille festgestellt.

Hauptgegenstand der Verhandlungen war aber der Angriff des 24-Jährigen auf einen Imam in der Moschee Al Rahma in Stendal am 21. April (AZ berichtete). Dabei habe er dem Prediger während des Freitagsgebets völlig unvermittelt ein Messer an die Kehle gehalten. Das Gericht hatte geprüft, ob eine Tötungsabsicht vonseiten des Angeklagten vorliegt. Der Richter entschied „nein“ und sprach Ahmad S. für gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen, Sachbeschädigung, Nötigung sowie Störung der Religionsausübung schuldig. Ein medizinisches Gutachten besagt, dass Ahmad S. unter einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung leide, dass diese aber nicht sein Handeln bestimme. Auch der Alkoholkonsum habe zwar auf den 24-Jährigen eingewirkt, sei aber nicht ausschlaggebend für die Taten gewesen. Dem Angeklagten wurde zugutegehalten, dass gegen ihn keine Vorstrafen vorliegen. Zudem sitzt Ahmad S. nun bereits seit April in Untersuchungshaft.

„Über S. kann eine gefestigte Sozialprognose gemacht werden“, begründete der Richter seine Entscheidung für die Bewährungsstrafe. „Alle Zeugen haben zudem betont, dass sie dem Angeklagten verzeihen können.“ Teil der Bewährungsauflagen ist unter anderem die Teilnahme an einem Deutschkurs. Außerdem sind Alkohol oder andere berauschende Mittel in der Bewährungszeit tabu. Ahmad S. hat nun eine Woche Zeit, Revision gegen das Urteil einzulegen.

Von Charlotta Spöring

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