Nur die Sonne scheint: Alles in Obi?

Geplatzte Träume und das Schwarzbuch: Das Gewerbegebiet Bindfelde

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Wenn es die Solaranlagen nicht gäbe, sähe es ganz düster aus. Nur deshalb ist das Gewerbegebiet Bindfelde nicht eine einzige Investitionswüste. Was sollte dort nicht alles angesiedelt werden: ein Zentrum für Existenzgründer, ein Fast-Food-Restaurant, ein Möbelgigant und anderes mehr. Stattdessen sind dort immer mehr kaputtes Glas, geborstenes Holz und jede Menge Müll zu sehen.

Bindfelde. Ein Meer aus Fotovoltaik, mehr aber auch nicht. Soll es das wirklich gewesen sein, dürfte sich so mancher Autofahrer fragen, der auf der Tangermünder Chaussee am Gewerbegebiet Bindfelde vorbeirauscht. Unkraut wuchert, wo längst Firmen gedeihen sollten.

Die Natur holt sich das zurück, was ihr einst mit viel Geld abgerungen worden ist. Der frühere Obi-Markt gleicht einer Geisterkulisse. Immerhin haben Mülltouristen das Gelände für sich entdeckt. Seit mehr als zehn Jahren befindet sich das circa 43 000 Quadratmeter große Areal im Dornröschenschlaf, von den üppigen Solarzellen einmal abgesehen. Die Stadt setzt nach wie vor auf den Autobahnbau. „Regelmäßig gehen Anfragen ein. Ob es zur Ansiedlung kommt, muss in erster Linie zwischen Investor und Grundstückseigentümer verhandelt werden“, kann Stadtsprecher Klaus Ortmann der AZ auf Anfrage berichten.

Der Fall hatte es 2007 sogar ins Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler geschafft. Die Geschichte geht für den Verein zurück bis Anfang der 1990er-Jahre. Bindfelde vor den Toren Stendals glaubte, ein Gewerbegebiet haben zu müssen und arbeitete mit einer Planungs- und Vermarktungsgesellschaft zusammen. Der Erfolg blieb überschaubar. Die Stadt soll das Vorhaben von Anfang an zumindest skeptisch gesehen haben. Mit der Kommunalreform 1997 kam das Dorf nach Stendal und das erbte quasi über den Gebietsänderungsvertrag eine Belastung von etwa einer Million Euro. Zudem sollen sich Stadt und Entwicklungsgesellschaft zunehmend in die Wolle bekommen haben.

Mitte 2003 keimte Hoffnung auf, als das Unternehmensnetzwerk Altmark (UNA) und Planungsingenieur Uwe Fenn mit einem Konzept das Gewerbegebiet voranbringen wollten. Der Arneburger sprach gegenüber der AZ von potenziellen Investoren und 30 Millionen Euro, von einem Möbelhaus à la Ikea, einem Sport- und Freizeitzentrum, einer Burger-King-Filiale und anderem mehr. Die Fast-Food-Kette verkauft ihre Brötchen inzwischen an der Arneburger Straße, und Ikea baut in Magdeburg. Im Bindfelder Gewerbegebiet hat eine Tankstelle eröffnet. Für Obi war im Frühjahr 2004 Schluss. Fenn kritisierte daraufhin die Stadt heftig, warf ihr sogar Tatenlosigkeit vor und prophezeite dem Gelände eine wüste Zukunft.

Ortmann gibt das Gewerbegebiet nicht verloren. „Durch die Eingemeindung Bindfeldes ist das Gelände zur Stadt gekommen und mit erheblichem Aufwand entwickelt worden. Mit kurzfristigem Erfolg war nicht zu rechnen.“ Bis auf die Straßen und weitere Erschließungsanlagen befinden sich die Flächen in Privatbesitz. Der Ex-Obi-Markt hat zwei Eigentümer. Das Ordnungsamt habe den Bereich im Auge. „Entdeckt es Schäden, werden die Eigentümer unverzüglich informiert.“ Es existiere ein Bebauungsplan. „Der B-Plan regelt die Zulässigkeit und die Art der Ansiedlung und der Bebauung.“

Noch scheinen UNA und Fenn zumindest im Grundsatz Recht zu behalten. Aus dem Gewerbegebiet Bindefelde im Dornröschenschlaf ist zwar keine wüste Investitionsbrache geworden, viel mehr aber auch nicht. Politik und Verwaltung scheinen sich an eine verlängerte A14 zu klammern. Der Rathaussprecher: „Der Autobahnanschluss ist für alle Stendaler Gewerbegebiete von großer Bedeutung. Wir erhoffen uns natürlich weitere Ansiedlungen, nicht nur in Bindfelde. Das Gewerbegebiet dort ist durch die B 188 und Umgehungsstraße B 189 n schon gut erschlossen, die Autobahn setzt praktisch das i-Tüpfelchen.“

Von Marco Hertzfeld

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