Gastspiel des Nordharzer Städtebundtheaters zeigt Lehàrs Erfolgsstück

Genuss mit Operettenschmalz

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Xiaotong Han gestaltete als Prinz Sou-Chong unsterbliche Lieder und Duette, wie „Dein ist mein ganzes Herz“ mit viel innerer Überzeugung.

hh Stendal. 1929 – die Weltwirtschaftskrise bringt Unruhe nach dem Chaos der Inflation. In Berlin aber feiert eine Operette Triumphe: Franz Lehár steht im Zenit seines Erfolgs, „Das Land des Lächelns“ wird zum Welterfolg.

Traumillusion und schwärmerisches Entsagen, das trifft den Zeitgeschmack. Man will der trüben Umwelt für ein paar Stunden entfliehen. Das Nordharzer Städtebundtheater hat den Lehár-Erfolg in sein Repertoire genommen. Dank traumhaft melodischer und genial komponierter Musik noch immer ein Erfolgsgarant – auch im Theater der Altmark (TdA).

Das Orchester unter Symeon Ioannidis hat die opernhaft anmutenden Melodien gekonnt umgesetzt. Der Zauber fernöstlicher Fantasielandschaft mischt sich mit Wiener Operettenwalzercharme. Rhythmik und Melodik des fernen Landes werden grotesk puppenhaft zum Klingen gebracht. Die unsterblichen Lieder und Duette von Prinz Sou-Chong „Von Apfelblüten einen Kranz“, „Dein ist mein ganzes Herz“ oder das Entsagungslied „Immer nur Lächeln“ gestaltete Xiaotong Han mit innerer Überzeugung. Gabriele Rösel als Grafentochter Lisa stand dem nicht nach.

Im Liebesduett „Bei einem Tee a deux“ fanden beide Darsteller, brillant vom Orchester unterstützt, vom ersten Takt an die Zuneigung der Besucher. Auch die von Buffopaar Schwester Sou-Chongs (Amrei Wasikowski) und Gustav von Pottenstein (Ingo Wassikowski) bekannte „Meine Liebe, deine Liebe“ fand gleiche Zustimmung.

Die Handlung wurde bei der Musik nebenrangig. Im Chinesenbild des zweiten Aktes marschierte eine dezimierte Terrakotta-Armee auf und „Gustl“ musste als Militärattaché in einem Gummiboot auf die Bühne stürzen, damit auch jeder die Metapher vom „Traumboot der Liebe“ richtig versteht. Warum der fast tölpelhaft übertriebene Operettenoffizier mit viel Ordengeklimper so Frauen im Sturm nehmen kann, bleibt Geheimnis der Regie oder weil es das Libretto so vorschreibt.

Gleichviel: Lehárs Musik siegte auf ganzer Linie, wen ärgert da noch Operettenschmalz in der Handlung? Der ist gewollt und wem das nicht passt, der kann ja die Augen schließen und hat einen durchschlagenden Hörgenuss erlebt.

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