„Dann liegen die Lkw im Graben“

Gemeinde Hassel startet erste eigene Protestaktion – Sorge um Schäden

Aus der Gemeindekasse finanziert: Bürgerprotest will auf blauem Grund „Druck machen“.
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Aus der Gemeindekasse finanziert: Bürgerprotest will auf blauem Grund „Druck machen“.

Hassel – Erstmals in ihrer jüngeren Geschichte hat die Gemeinde Hassel eine Protestaktion mit Plakaten gestartet.

Der Ort vor den Toren der Kreisstadt will nach all dem Umleitungszoff, wie es ihn in der Ostaltmark 2019 massiv etwa in Lüderitz oder auch in Dewitz (Altmärkische Höhe) gegeben hat, präventiv aktiv werden – obwohl noch keine einzige Absperrbake steht.

Eine Behelfsbrücke könnte Abhilfe schaffen.

„Wer soll das bezahlen?“, sorgt sich Hassels Bürgermeister bereits um die zu erwartenden Straßenschäden. Wie berichtet, soll im Zuge der Sanierung der Eisenbahnbrücke als Teil der Landesstraße L 16 bei Chausseehaus der Verkehr über Hassel, Wischer und Arneburg umgeleitet werden – inklusive aller Schwerlasttransporte, die zum Industrie- und Gewerbepark „Altmark“ mit den dort ansässigen Zellstoff- und Papiergroßfabriken gelangen wollen. „Wir versuchen Druck zu machen“, begründet Alf Diedrich (CDU) das Anbringen von insgesamt zehn Plakaten in Hassel, Wischer und Sanne – und damit entlang der geplanten Umleitungsstrecke. Die Aktion werde vom Gemeinderat unterstützt und aus der Gemeindekasse finanziert. „Es soll über Alternativen nachgedacht werden“, benennt der Bürgermeister das Ziel.

Gefährlich eng und kurvenreich ist die Kreisstraße 1041.

Derweil sei der bislang für dieses Jahr geplante Baustart nach Wissen des Gemeindechefs auf 2021 vertagt worden. Einen Termin zum weiteren Vorgehen soll es mit Vertretern der zuständigen Behörden im Februar in der Stendaler Kreisverwaltung mit dem Landrat geben, wisse Diedrich. Aus seiner Sicht nach wie vor ungeklärt sei neben der zu erwartenden Lärmbelästigung und Gefahr durch das erhöhte Verkehrsaufkommen für die Anwohner, ob die an der geplanten Strecke vorhandenen, relativ schmalen Straßenbreiten für die Umleitung überhaupt ausreichen würden. Außerhalb der Orte Hassel und Wischer gelte auf den betroffenen Kreisstraßen ja nicht ohne Grund Tempo 70, argumentiert Diedrich. Innerhalb der Ortslage Hassel sind im Durchfahrtsbereich bereits seit Jahren an den gefährlich engen Kurven zwei Konvexspiegel installiert worden. Diese werden von Straßenverkehrsbehörden bekanntlich stets nur für besonders unübersichtliche Knotenpunkte angeordnet. Auch sei nicht abschließend klar, wie Rettungsdienste während der Umleitungszeit, die einige Monate dauern werde, die gesetzlich vorgeschriebenen Hilfszeiten einhalten könnten. Ebenso sei offen, welche Strecke die Schulbusse fahren sollen.

Gegen die geplante Umleitungsstrecke hatte sich 2019 auch Verbandsgemeinde-Bürgermeister René Schernikau (parteilos) im Namen Arneburg-Goldbecks in einem Schreiben an die zuständigen Behörden gewandt (AZ berichtete). Diesem Brief war seinerzeit eine entsprechende Bitte aus der Bürgerschaft eines Hasseler Ortsteils vorangegangen. Und während Alf Diedrich im zweiten Jahr seiner Amtszeit bereits befürchtet, dass in seinem Zuständigkeitsgebiet umleitungsbedingt „dann bald die Lkw im Graben liegen“, setzt die Einwohnerschaft auf den Erfolg des plakativen Protestes. „Bürgerwille nicht ignorieren“ steht dort mit drei Ausrufezeichen auf blauem Grund. Von den Arbeiten, die laut Verkehrsministerium wegen mangelnder Tragfähigkeit der 1975 errichteten Eisenbahnbrücke nötig seien, sind laut aktueller Einwohnerstatistik allein in Hassel 383 Menschen, im Ortsteil Wischer weitere 365 Ostaltmärker sowie 142 Anwohner im Ortsteil Sanne betroffen.

VON ANTJE MAHRHOLD

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