Studenten demonstrieren gegen Rechts / Bürgerbewegungs-Redner spricht von „Genozid“

Zwei politische Lager demonstrieren in Stendal

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Studierende aus Stendal demonstrierten gegen die Veranstaltung – mit Trommeln und so laut sie konnten.

Stendal. Erneut haben zwei politische Lager in Stendal demonstriert: Die „Bürgerbewegung Altmark“ hat gestern auf dem Winckelmannplatz 100 Menschen zusammengebracht, um dem Pegida-Redner Sebastiano Graziani zuzuhören.

Außerdem demonstrierten etwa 40 Stendaler – zumeist Studenten – gegen diesen Aufmarsch.

Etwa 100 Bürger hatten sich in Stendal auf dem Winckelmannplatz zusammengefunden. Sie bekamen markige Worte gegen Flüchtlinge zu hören.

Einige örtliche Politiker – von den Linken sowie Olaf Linke (Piraten) – hatten sich zu den Studenten gesellt. Weitere Vertreter des öffentlichen Lebens waren nicht gekommen. Von Seiten der Veranstaltungsleitung des „Hochschulbündnisses für ein weltoffenes Stendal“ hieß es, dass man sich verantwortlich fühle dafür zu sorgen, dass Deutschland bunt und weltoffen bleibe – und vor allem nicht rechtspopulistisch. Gerade vor dem Hintergrund, dass in Stendal eine weitere Zentrale Anlaufstelle für Flüchtlinge eingerichtet wird, müsse man Bürgern und Flüchtlingen Sicherheit geben. Und die Studenten warnen davor, dass die Bürgerbewegung für populistische Zwecke gefährliches Halbwissen vermittele.

Vor dem Stand der Bürgerbewegung versammelten sich Einheimische. Ihre Sorgen: „Dass man uns vergisst“; „Den Islam wollen wir hier nicht haben“; „Für unsere Kinder und Enkel ist kein Geld da“; „Wir sind nicht verantwortlich für die Kriege dieser Welt“. Man kritisiert, allzu schnell in die rechte Ecke gestellt zu werden, nennt Ausländer aber „Pack“ und „Kanaken“.

Der ausländischstämmige Redner der Bürgerbewegung, Graziani, hatte Mühe, Stendal auf dem Podium nicht mit Rathenow zu verwechseln. Denn er redet bei vielen Demos, sprach laut Presseberichten etwa bei „Pegida“-Ableger-Demos in Braunschweig oder Kassel. Er fordert, dass die Regierung zurücktreten müsse und inszeniert Verschwörungstheorien, darunter: Ein „Genozid“ Deutschlands sei von der Regierung geplant. Man werde sich seine Freiheit wiedererobern müssen und dürfe nicht vor dem Islam kapitulieren, den er als Bedrohung darstellt. Heimischer Redner ist nur Martin Knaak von der Bürgerbewegung. Er meint, dass man durch Handelsabkommen kommunale Rechte verwirkt habe. Knaak zeigt sich als Sprachrohr der Bürger – beim Bürger-Dialog der Stadt und des Kreises war er nicht, zum Bedauern der Stadträte bei der Gegendemo.

Die Ordner der Bürgerbewegung versuchten, die Presse beim Fotografieren zu behindern. Einer der Männer wurde zuvor von der Polizei als Ordner nicht akzeptiert – wegen Vorstrafen.

Von Kai Hasse

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