Sperrbezirk umfasst Großteil der Kernstadt

Geflügelpest: Tote Gans in Stendal zieht Kreise

An der Uenglinger Straße in Stendal hängt ein Schild „Wildvogel-Geflügelpest Sperrbezirk“.
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Stendal ist Sperrbezirk. Was ein Großteil der Kernstadt mit der Verfügung vom 15. April ist, lässt sich unter anderem an der Uenglinger Straße auf einem Schild lesen.
  • Marco Hertzfeld
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Die Geflügelpest scheint weiter auf dem Vormarsch. Der Landkreis hat einen Großteil der Kernstadt der Einheitsgemeinde Stendal zum Sperrbezirk ernannt. Nahe dem Stadtsee war eine tote Wildgans gefunden worden. Geflügelhalter müssen nun mit allerhand Einschränkungen klarkommen.

Stendal – Nach dem Fund einer toten Graugans am Dienstag nahe dem Stadtsee will der Landkreis eine weitere Ausbreitung der Geflügelpest in der Einheitsgemeinde Stendal verhindern und hat eine Allgemeinverfügung erlassen. Im Radius von circa einem Kilometer um die Fundstelle ist ein Sperrbezirk eingerichtet worden. Er umfasst somit laut Papier vom Donnerstag (15. April 2021) einen Großteil der Kernstadt. Und: Das Beobachtungsgebiet reicht zwei Kilometer weiter und betrifft auch Bindfelde (ohne Charlottenhof) und Uenglingen. An den Hauptwegen zu den „Restriktionszonen“ sind Hinweisschilder angebracht worden. Proben des verendeten Tieres wurden zur weiteren Spezifizierung in ein Fachlabor gesandt, das endgültige Ergebnis wird in Kürze erwartet.

Im Tiergarten am Stadtsee wird derweil weiter um den eigenen Geflügelbestand gebangt. Enten, Hühner und Fasane sind, wie berichtet, getestet worden, die Ergebnisse stehen noch aus. „Hoffen wir mal auf das Beste“, bringt es Stadtsprecher Armin Fischbach auf den Punkt. Und: „Bislang haben wir keine weiteren toten Gänse oder andere Vögel am Stadtsee finden können.“ Ordnungsamt und insbesondere der Stadtordnungsdienst sollen das Fütterungsverbot am Gewässer in den kommenden Wochen verstärkt kontrollieren. Der Tiergarten bleibt mindestens für 30 Tage geschlossen und so lange wie die Allgemeinverfügung gilt. Sollte sie vorzeitig zurückgenommen werden, wäre auch eine frühere Öffnung des Zoos denkbar.

Bei der Geflügelpest handelt es sich um eine Viruserkrankung. Sie scheint auf dem Vormarsch, ist für Hausgeflügel hochansteckend und verläuft mit schweren allgemeinen Krankheitszeichen und erhöhten Todesfällen. Einige Varianten der Geflügelpest-Viren können laut Landkreis in Einzelfällen auch auf andere Tiere und sogar den Menschen übertragen werden. Bereits Mitte März wurde durch eine in Bittkau (Tangerhütte) verendeten Blessgans der Ausbruch der Geflügelpest bei einem Wildvogel im Landkreis Stendal amtlich festgestellt. Die Kreisverwaltung hat „aufgrund der Gefährdung des Eintrags der Geflügelpest in Hausgeflügelbestände“ bereits seit dem 17. Dezember durch eine Allgemeinverfügung eine Aufstallpflicht für sämtliches gehaltenes Geflügel angeordnet. Diese Verfügung bleibt weiterhin für den gesamten Landkreis in Kraft.

Im Landkreis Stendal wurden innerhalb sogenannter Monitoringuntersuchungen im Jahr 2021 bisher über 30 Proben von Hausgeflügel und Wildvögeln im Landesamt für Verbraucherschutz auf das Influenza-Virus näher betrachtet. Darunter befanden sich vier Bussarde, ein Schwan, mehrere Tauben, ein Kormoran sowie ein Turmfalke. „Hierbei handelte es sich stets um verendet aufgefundene Vögel, die auch dank der Hinweise aufmerksamer Bürger entsprechend untersucht werden konnten“, heißt es vonseiten des Landkreises aktuell weiter.

Das Regelwerk des Landkreises Stendal:
1. Jeder noch nicht registrierte Halter hat seine Tiere beim Landkreis anzuzeigen.
2. Sämtliches Geflügel ist weiterhin in geschlossenen Ställen oder in dicht überdachten Vorrichtungen zu halten.
3. An allen Zugängen zu Geflügelställen sind Desinfektionseinrichtungen aufzustellen.
4. Die Stallungen dürfen nicht von fremden Personen betreten werden.
5. Geflügel und andere Vögel dürfen im Sperrbezirk für die Dauer von 21 Tagen, im Beobachtungsgebiet für 15 Tagen nicht aus einem Bestand verbracht werden.
6. Gehaltene Vögel zur Aufstockung des Wildvogelbestandes dürfen nicht frei gelassen werden.
7. Die Jagd auf Federwild ist untersagt.
8. Wer einen Hund hält, hat sicherzustellen, dass dieser im Sperrbezirk und im Beobachtungsgebiet nicht frei herumläuft.
9. Im Sperrbezirk dürfen frisches Fleisch, Hackfleisch, Fleischerzeugnisse sowie Fleischzubereitungen, gewonnen von gehaltenen Vögeln oder Federwild aus dem Sperrbezirk, nicht verbracht werden.
10. Tierische Nebenprodukte von gehaltenen Vögeln dürfen nur in einen zugelassenen Verarbeitungsbetrieb, Firma SecAnim, Mützel (Genthin), gebracht werden.
Der volle Wortlaut der Verfügung findet sich unter: www.landkreis-stendal.de.

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