Selbst der Großverein „Aufbau“ kämpft mit Leerstand / Neu gewählter Vorstand redet Tacheles

Gärtnern fehlen die jungen Triebe

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Der Vereinsvorstand mit Ute Pahl (l.) an der Spitze kurz nach der abendlichen Wahl.

Osterburg. „Der Verein ,Aufbau’ schreibt schwarze Zahlen. Wir müssen also keine Angst haben, Pleite zu gehen. Es gibt viele aktive Mitglieder und einen guten Vorstand“, fasst Lothar Meier, Chef der Revisionskommission, für sich kurz und knackig zusammen.

Und dennoch plagen die Kleingärtner Sorgen. Selbst diese Organisation, mit aktuell 264 Mitgliedern eine der größten im Landkreis Stendal, hat verstärkt mit Leerstand zu kämpfen. Von den 348 Parzellen sind 45 derzeit ungenutzt, Tendenz: steigend. Zudem geht der Altersdurchschnitt weiter nach oben, obgleich es noch nicht so dramatisch aussehe wie anderswo, meint Ute Pahl, die alte und neue Vorsitzende des Vereins.

Eine jährliche Hauptversammlung ist dafür da, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, jedenfalls ist das beim Aufbau-Verein schon Tradition. Missstände werden offen angesprochen. Und so weist Pahl auf altbekannte Probleme mit der Ordnung und Sauberkeit hin, spricht von „Desinteresse einiger“ und „uneinsichtigen Gartenfreunden“, weiß von säumigen Pächtern und Kündigungen durch die Vereinsspitze. Beim alljährlichen Wettbewerb des Kreisverbandes belegten die Biesestädter diesmal einen vierten Platz. Um dieses Jahr mit der Anlage wieder besser abzuschneiden, sei einiges zu tun. Die Jury erscheint voraussichtlich im Juni.

Dass die „Akademie Facultas“ und deren Ein-Euro-Jobber zehn Parzellen bewirtschaften, erscheint der Vorsitzenden als Glücksfall. Das Projekt wird 2016 fortgeführt. Dadurch sieht die Statistik nicht ganz so düster aus. Zudem gibt es Gartenfreunde, die mehr als einen Garten haben. Und der Verein selbst nutzt bestimmte Flächen. Dennoch sei der Leerstand ein wachsendes Problem. Zwar kamen 2015 immerhin 23 neue Mitglieder dazu. Doch die machen den Verlust nicht wett, schon jetzt liegen wieder einige Kündigungen zum Jahresende vor. Pahl redet nicht lange um den heißen Brei herum und bekräftigt: „Was uns einfach fehlt, sind weitere junge Familien, die wieder Freude an einem Kleingarten haben.“ Die Ernte aus den Gärten der Ein-Euro-Jobber geht übrigens nicht zuletzt an örtliche Kindergärten, Altersheime und die „Tafel“, eine Organisation für Menschen, die es nicht so dicke haben.

Das Gartenfest, der Höhepunkt im Vereinsleben, ist für Ende Juli geplant. Der Grillplatz ist bereits vor einigen Monaten um eine frei gewordene Parzelle erweitert worden. „Die Lauben nutzen wir als Verkaufsraum. Uns fehlt nur noch die Stromzuführung“, berichtet die Vorsitzende schon fast zufrieden. Die letzten Handgriffe am Veranstaltungsort sollen innerhalb eines Arbeitseinsatzes erledigt werden. Zudem sollen in nächster Zeit wie gewohnt Wege und Beschilderung überprüft und gegebenenfalls ausgebessert sowie das Feuchtbiotop gesäubert werden.

Die Kleingärtner sind offenkundig mit der Arbeit des Vorstandes zufrieden. Pahl, Dietmar Handzelek, Birgit Brüggemann, Yvonne Schmidt, Mike Hüber, Frank Chiechoradzki und Sabine Schiddel sind einzeln und einstimmig wiedergewählt worden. Die Funktionen werden noch vergeben. Pahl dürfte das Zepter behalten, alles andere wäre eine Überraschung. Sie hat allerdings angekündigt, bei der nächsten Wahl nicht mehr unbedingt antreten zu wollen. Sie führe den Verein seit 15 Jahren und arbeite noch länger im Vorstand. „Irgendwann muss doch einmal ein anderer das Ruder übernehmen“, so die Osterburgerin am Freitagabend. Sie lacht und riecht an einem Strauß Blumen.

Von Marco Hertzfeld

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