Katzenschwemme: Ratsfraktion für Kastration und Chip

Futterverbot zielt auf Wildlinge

Ohne eigenes Zuhause: Einer der zahlreichen neuen Schützlinge, um die sich das Tierheim kümmern muss.
+
Ohne eigenes Zuhause: Einer der zahlreichen neuen Schützlinge, um die sich das Tierheim kümmern muss.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
    schließen

Stendal – Frei lebende Katzen schaffen es in Stendal auf die politische Tagesordnung. Linke und Bündnisgrüne wollen ein Fütterungsverbot auf öffentlichen Straßen und Anlagen durchsetzen.

Bislang werden in der Satzung über die öffentliche Ordnung nur Tauben, Wasservögel, Nutrias und Bisame genannt.

Es drohen Geldbußen von bis zu 5000 Euro. Auch die Gefahrenabwehrverordnung soll geändert werden. Katzenhalter sollen ihre Tiere nur noch ins Freie lassen dürfen, wenn diese kastriert oder sterilisiert sind. Auch von einer Kennzeichnung ist im Antrag der Stadtratsfraktion die Rede. Tierschützer sehen eine wachsende Zahl verwilderter Samtpfoten in östlicher Altmark und Elb-Havel-Winkel und fordern seit Kurzem verstärkt eine Kreisverordnung zu frei laufenden Katzen.

Katzenhalter sollen sich den Eingriff bei ihrem Freigänger vom Tierarzt bestätigen lassen, das Schriftstück müsse zudem aufbewahrt werden. Dies Ganze soll erst für mehr als fünf Monate alte Katzen gelten. Das Tier soll auch gleich einen Transponderchip oder eine Tätowierung erhalten. Diese Regelung würde nur für Katzen gelten, die nach dem 1. August 2021 geboren sind. Auch das dürfte einen organisatorischen und rechtlichen Hintergrund haben. Für die Zucht von Rassekatzen soll es auf Antrag Ausnahmen von der Kastrationspflicht geben, „sofern eine Kontrolle und Versorgung der Nachzucht glaubhaft dargelegt wird“, heißt es in dem Beschlussvorschlag. Und außerdem: Eine Kastrationsregelung zu „halterlosen Katzen“ sei in „enger Abstimmung“ mit dem Tierschutz zu erarbeiten.

Seit Oktober fordert die Gruppe Havel-Elbe-Tanger des Bundesverbandes Tierschutz (BVT) eine Kreisverordnung zu frei laufenden Katzen (die AZ berichtete). Auf den Straßen des Landkreises Stendal sollen Hunderte, ja Tausende von ihnen leben, offizielle Zahlen gibt es nicht. Auch das Tierheim in Borstel hat, wie berichtet, erneut Alarm geschlagen, immer mehr Katzenkinder landeten in der Einrichtung. Die Tierschützer sehen vermehrt Hunger, Elend und Tod. Knackpunkt sei die Kastration, und die koste Geld, das der ehrenamtliche Tierschutz allein nicht aufbringen könne. Man stehe zu dem Thema bereits seit einiger Zeit in Kontakt zur genannten Gruppe und zum Tierheim, lässt Fraktionsvorsitzender Joachim Röxe (Linke) in dieser Woche auf Nachfrage der AZ noch wissen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare