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Fusion: Stendal verliert ein Gymnasium

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Von: Marco Hertzfeld

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Das Hildebrand-Gymnasium in Stendal ist für Bauarbeiten eingerüstet.
Was wird aus diesem Namen? Der Schriftzug des Hildebrand-Gymnasiums ist momentan hinter einem Gerüst verborgen. Der Landkreis lässt die Bildungsstätte am Mönchskirchhof für mehr als sechs Millionen Euro sanieren. © Marco Hertzfeld

Die Schülerzahlen reichen nicht mehr aus. Der Landkreis will das Winckelmann-Gymnasium und das Gymnasium „Rudolf Hildebrand“ zusammenlegen. Wie der große Lernort einmal heiß, ist noch offen.

Stendal – Der Landkreis will seine beiden Gymnasien in Stendal 2022 zusammenlegen. In einer Beschlussvorlage aus dem Fachamt, die der Kreistag für den 9. Dezember vorliegen hat, ist die Rede von einer „gleichberechtigten Fusion“. Winckelmann-Gymnasium und Gymnasium „Rudolf Hildebrand“ liegen in der Kreisstadt nur einen Steinwurf weit voneinander entfernt. In den vergangenen Jahren hatten Kreissprecher konkrete Pläne für einen Zusammenschluss regelmäßig verneint, nun können ganz offensichtlich die vom Land geforderten Schülerzahlen nicht mehr erfüllt werden. Welchen Namen die fusionierte Bildungsstätte einmal tragen solle, könne später entschieden werden, heißt es im aktuellen Papier. Vorerst läuft das Ganze demnach unter dem Arbeitstitel „Gymnasialer Standort Stendal“.

Auf einem der Gebäude des Gymnasiums in Stendal prangt der Name Winckelmann-Schule.
Der Name Winckelmann hat in der Stendaler Schullandschaft eine gewisse Tradition. Davon zeugt auch dieser Schriftzug an einem der vor Jahren kostspielig erneuerten Gebäude des Winckelmann-Gymnasiums. © Marco Hertzfeld

Doppelstandort länger auf der Kippe

In das Winckelmann-Gymnasium wurde nicht zuletzt vor gut 15 Jahren millionenschwer investiert. Ähnlich tief in die Kasse greift der Landkreis momentan für das Hildebrand-Gymnasium. Ganz überraschend dürfte die geplante Fusion der Einrichtungen am und nahe dem Mönchskirchhof für niemanden sein, im Jahr 2016 hatte der Stendaler Kreistag mit einem Beschluss den Weg vorgezeichnet. Wenn die erforderliche schulische Mindestgröße für zwei eigenständige Gymnasien nicht mehr erreicht werden könne, bleibe nun einmal nur eine Fusion. Inwieweit der Zusammenschluss reibungslos verlaufen kann, bleibt abzuwarten. Die Hansestadt Stendal, die jeweiligen Schülerräte und Elternräte, Lehrervertretungen sowie die beiden Schulleitungen sollen bereits informiert worden sein.

Winckelmann und Hildebrand in eins

Das größere der beiden Gymnasien ist nach Stendaler Johann Joachim Winckelmann, dem Begründer der wissenschaftlichen Archäologie, benannt, das kleinere nach Heinrich Rudolf Hildebrand, einem Lehrer und Sprachwissenschaftler aus Sachsen. In Sachen Fusion zum Schuljahr 2022/23 muss der Kreistag im Dezember zwei weitere Beschlüsse fassen, die beiden eigenständigen Schulstandorte zum Schuljahresende 2021/22 aufheben. Zudem soll die gesamte sogenannte Mittelfristige Schulentwicklungsplanung im Landkreis für die Lernjahre 2022/23 bis 2026/27 unter Dach und Fach gebracht werden. Der Schulausschuss hat allem kürzlich schon einmal einstimmig beziehungsweise mit großer Mehrheit zugestimmt. Staatliche Gymnasien gibt es übrigens weitere zwei im Landkreis Stendal, das Markgraf-Albrecht-Gymnasium in Osterburg und das Diesterweg-Gymnasium in Tangermünde samt einer Außenstelle in Havelberg.

Kreistag setzt Punkt Anfang Dezember

Die jüngste Landesverordnung aus Magdeburg lässt weniger Spielraum, zudem bleiben die Schülerzahlen in den entscheidenden Jahrgängen mindestens überschaubar. Die Klassenstufe 11 beispielsweise kommt im Hildebrand-Gymnasium aktuell auf 57 Mädchen und Jungen, die des Winckelmann-Gymnasiums auf 46, im Schuljahr 2017/18 waren es 47 und 72. Vorgegeben in der Sekundarstufe II (11. und 12. Klasse) sind demnach mindestens 75 Schüler. Zur „Sicherung der Daseinsvorsorge“ dürften es auch 50 Schüler sein. Doch in diesen Fällen könne es für das Land nur ein Gymnasium in einem Ort geben, merkt das Schulverwaltungsamt an. Ein ähnliches Bild zeichnet die Kreisverwaltung für die niedrigste Klassenstufe. Und: Die gesetzlichen Vorgaben ließen sich auch mit veränderten Schuleinzugsbereichen nicht erreichen.

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Es kann nur einen Schulnamen geben
Eine Fusion der staatlichen Gymnasien in Stendal scheint unausweichlich. Ebenso programmiert dürfte damit die Diskussion über den Namen der künftigen Bildungsstätte sein. Sie könnte durchaus emotional ausfallen, schließlich halten beide Schulen ihre Fahne hoch. Ob Winckelmann, der angeblich bedeutendste Sohn der Stadt, gegen Hildebrand das Rennen macht, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Vielleicht läuft es ja auch auf eine ganz andere Persönlichkeit hinaus. Der Landkreis als Schulträger gibt der Namensfrage jedenfalls noch Zeit. Inwiefern das klug ist oder nicht, muss die Zukunft zeigen. Dass Einigkeit und Zustimmung nicht auf Anhieb gelingen können und müssen, belegt die Fusion der zwei städtischen Schulen Goethe und Lindgren vor einigen Jahren. Erst vor Kurzem hat die Namensgebung dort neuen Schwung bekommen. Ein Name ist Schall und Rauch, unterschreiben will das sicher kaum einer.

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