Feuerwehr-Führung setzt auf „professionelle Mitgliederwerbung“

Fundiert für die Zukunft

Minus 35 Prozent: Innerhalb von zwei Jahren sank der Mitgliederbestand in den Stendaler Jugendwehren von 144 auf 109.

tje Stendal. Wegen zunehmender Nachwuchssorgen in der Kinder- und Jugendabteilung und der „grenzwertigen“ personellen Einsatzbereitschaft der aktiven Truppe alltags zur Hauptarbeitszeit fordert Stendals oberste Feuerwehr-Führung eine „professionelle Mitgliederwerbung“ ein.

Als Stadtwehrleiter Michael Geffers und Stadtjugendwart Ronny List Montagabend dem Stadtrats-Ausschuss für Jugend, Frauen, Familie und Soziales die Lage in den 26 zur Hansestadt zählenden Ortsfeuerwehren mit ihren derzeit 998 Mitgliedern schilderten, rannte das Duo besonders bei Vorsitzendem Marcus Schober (CDU/Landgemeinden) offene Türen ein.

„Früher auf dem Dorf musste von jedem Gehöft einer in die Feuerwehr“, berichtete Schober, der als Ortswehrleiter in Uchtspringe ein fachkundiger Kollege von Geffers ist. Dass besonders im Jugendbereich der Nachwuchs fehle und es in den Einsatztruppen an Personal mangele, liege auch an den „Lebensumständen, die sich geändert haben“, sagte Schober. Außerdem handele sich bei dem Dienst in den Wehren „um ein recht gefährliches Ehrenamt“, verlangte der Ausschussvorsitzende künftig eine stärke Förderung der Tätigkeit der Brandbekämpfer.

So schlug Geffers vor, Aktive beispielsweise durch die Anstellung in kommunalen Unternehmen, wie der Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG), an die Truppe zu binden. Und für Jugendfeuerwehr-Mitglieder könnten Anreize etwa durch vergünstigte Eintrittskarten oder Rabatt-Aktionen in Einrichtungen der Region geboten werden. Diesen Weg gingen Feuerwehren etwa in Mecklenburg-Vorpommern, erklärte Geffers mit einigem Zweifel an der Wirksamkeit. Und setzt stattdessen auf eine fundierte Öffentlichkeitsarbeit, die die Feuerwehren allein allerdings nicht leisten könnten. Er sei schon froh, wenn beispielsweise in Borstel beim Kaffeekränzchen darüber geredet werde, wie wichtig der ehrenamtliche Einsatz der Damen und Herren Brandbekämpfer sei, weil in der Öffentlichkeit allgemein die Ansicht vorherrsche, dass die Wehren schon so vor sich her funktionierten. „Aber wir brauchen Ehrenamtliche“, appellierte der Stadtwehrleiter. Und nannte eine nackte Tatsache: „2012 hat sich kein einziger Bürger für das Ehrenamt in der Feuerwehr Stendal beworben“.

Auch an der jüngsten Basis ist die Situation alarmierend. Innerhalb von zwei Jahren ist die Anzahl der Jugendwehrmitglieder um 38 Prozent zurückgegangen. Aktuell 109 Mädchen und Jungen sind in zwölf Ortsabteilungen im Einsatz. Seit 2013 neu dabei ist die Jugendfeuerwehr Vinzelberg mit derzeit fünf Mitgliedern. Größte Jugend-Truppe bleibt Stendal mit 29 Aktiven. 2011 waren es in der größten Stadt des Bereiches aber noch 45 Jugendwehrlinge. Daran habe auch der Leistungsdruck in den Schulen seinen Anteil, vermutet Stendals Stadtwehrleiter. Und sein Kollege Stadtjugendwart managt bei den Jüngsten aktuell 78 Mädchen und Jungen in den insgesamt fünf Kinderfeuerwehren Stendal (27 Mitglieder), Heeren (16), Uenglingen (14), Jarchau (13) und Vinzelberg (8).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare