Buntes Fest gegen rechten Aufmarsch lockt rund 300 Menschen auf den Domvorplatz

„Für Freiheit in jede Richtung“

+
Rund 300 Besucher kamen zum Fest auf den Domvorplatz. Für die musikalische Untermalung war ebenso gesorgt wie für Speis und Trank aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Stadt-Chef Klaus Schmotz betonte, dass in Stendal kein Platz für Gewalt sei.

Stendal. Ein friedliches Miteinander für Freiheit und Demokratie bestimmte am Samstag die Atmosphäre auf dem Vorplatz des Doms St. Nikolaus. Das Stendaler Bündnis „Herz statt Hetze“ hatte mit Verbündeten ein „buntes Fest gegen braunen Aufmarsch“ organisiert.

Hintergrund war die zeitgleich am Sperlingsberg stattfindende Kundgebung der flüchtlingsfeindlichen Gruppe „Thügida“, ein Ableger der Pegida-Bewegung. Als Redner eingeladen waren unter anderem Oberbürgermeister Klaus Schmotz, Theologin und SPD-Politikerin Juliane Kleemann sowie Wulf Gallert, Landtagsmitglied der Partei „Die Linke“. Für die musikalische Untermalung sorgte unter anderem die „Martin Rühmann Band“. „In unserer Stadt demonstrieren heute Besucher von weither für Ziele und Ideen, die ich nicht teile. Die wir nicht teilen, und die wir nicht wollen“, sagt Schmotz und erhält dafür Applaus von den zahlreichen Besuchern. Eine Gesellschaft solle immer Diskussionen führen, „aber der Wettstreit der Meinungen sollte tolerant, offen und frei erfolgen“. Die jüngste Geschichte habe gezeigt, dass es diesbezüglich immer wieder zu schlimmen Auseinandersetzungen gekommen ist.

Schmotz betonte, dass es wichtig sei, nach den Ursachen für solche Konflikte zu suchen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. „Es geht um den Zusammenschluss der Bürgerschaft, losgelöst von politischen oder kulturellen Vorstellungen“, so der Oberbürgermeister. Im Anschluss zitierte der Verwaltungschef noch aus der Rolandhymne: „Wir sind selbstbewusste Bürger und werden es auch bleiben, denn wir lassen uns aus Stendal nicht vertreiben.“ In der Stadt sei kein Platz für Gewalt. „Wir stehen für Freiheit in jedwede Richtung“, resümierte Klaus Schmotz.

„Das ist unsere Stadt! So soll es laut und bunt den ungebetenen Gästen entgegenschallen“, sagt eine Sprecherin des Bündnisses. Pfarrer Joachim Kähler lud alle Besucher in den Dom zu Kaffee und Kuchen ein. Auch SPD-Politikerin Juliane Kleemann appellierte in ihrer Ansprache an den bürgerlichen Zusammenhalt. „Feste wie dieses sind der richtige Weg, um dem Hass entgegenzuwirken“, so die Theologin. Bei den Demonstranten auf dem Sperlingsberg handele es sich um „sogenannte Patrioten“. „Sie marschieren gegen uns, gegen unsere Träume und gegen unsere Zukunft“, sagt Kleemann.

Ein Volk könne nicht als Monokultur existieren, sondern nur als buntes Zusammenleben. „Und nein, sie sind nicht das Volk“, sagt Kleemann in Richtung der Demonstranten auf dem Sperlingsberg. Sie rief dazu auf, weiterhin überlegt und mit Bedacht gegen Fremdenhass vorzugehen. „Das Zentrum jeder Toleranz ist Menschenwürde. Das lassen wir uns nicht wegnehmen.“

Von Mike Höpfner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare