Strafkammer hat keine Zweifel am sexuellen Missbrauch eines 41-Jährigen an seinen Töchtern

Fünf Jahre Haft für Vergewaltigung

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Symbolfoto

Stendal/Altmark. Olivgrüner Pullover, Jeans, Turnschuhe und ein akkurater Haarschnitt: Der Angeklagte macht den Eindruck, als ob er kein Wässerchen trüben könnte. Aber offenbar nur scheinbar.

Denn das Stendaler Landgericht verurteilte gestern den 41-jährigen Mann aus der Nähe Salzwedels zu einer fünfjährigen Freiheitsstrafe – wegen sexuellen Missbrauchs seiner beiden Töchter und einer Vergewaltigung.

Im Gericht

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Ulrich Galler hatte keine Zweifel daran, dass der Mann die ihm zur Last gelegten Taten auch begangen hat. Zusätzlich zu der Freiheitsstrafe verurteilte die Kammer den Mann zur Zahlung eines Schmerzensgeldes von 7500 Euro sowie zur Übernahme der Kosten des Verfahrens. Die Opfer seien nicht nur glaubwürdig gewesen, sondern ihre Aussagen waren es ebenfalls. Nicht nur deshalb, sondern auch wegen der von der Verteidigung aufgebotenen „Alibizeugen“ (darunter unter anderem dessen 61-jährige Mutter) sei das Gericht von der Richtigkeit der Anschuldigungen überzeugt. Der Angeklagte habe mehrere Strafgesetze verletzt, unter anderem sei er auch die Gefahr einer Schwangerschaft seiner Opfer eingegangen. Zugunsten des Angeklagten, der bis zuletzt die Taten bestritt, hätte lediglich eine „alkoholische Enthemmung“ gesprochen, wie Richter Galler formulierte. Zum Urteil meinte er: „Es handelt sich dabei um eine Strafe, die der Fall objektiv erfordert.“ Die Opfer hätten ein Trauma erlitten, das sie lange nicht verarbeitet werden.

Mit dem Urteil blieb die Große Strafkammer unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Sie hatte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten gefordert. Noch weiter ging ein Teil der Nebenklage, die sieben Jahre Haft als gerechte Strafe bezeichnete. Als „nicht glaubhaft“ bezeichnete Staatsanwältin Annekathrin Kelm die vom Angeklagten ins Spiel gebrachten Verschwörungstheorien. Er hatte hinter der Anklage ein Komplott seiner Ex-Frauen gewittert. In den Aussagen der Zeugen habe sie keine Widersprüche feststellen können. „Ich hätte mir ein Geständnis gewünscht, damit die Geschädigten durch die Schilderung der Ereignisse nicht noch einmal leiden müssen“, sagte Kelm zum Angeklagten, der nach außen hin deren Plädoyer mehr oder weniger ungerührt verfolgte. Für Kelm stand die Schuld des Angeklagten in insgesamt sieben Fällen fest.

Ähnlich argumentierte eine der beiden Vertreterinnen der Nebenklage. Auch sie bezeichnete die angebliche Verschwörungstheorie der Frauen gegen den 41-Jährigen, weil der Angeklagte nach eigener Aussage „den Geldhahn zugedreht habe“, als nicht überzeugend. „Sie haben ja nie Unterhalt bezahlt“, rief sie dem Mann zu. Ihre Kollegin wies in ihrem Plädoyer darauf hin, dass „wir hier das gesamte Spektrum von Anfassen bis zur Vergewaltigung haben“. Auch sei es für ihre junge Mandantin wegen der Taten kaum möglich, ein eigenes Verhältnis zur Sexualität zu entwickeln. Schließlich sei sie von ihrem eigenen Vater entjungfert worden.

Der Angeklagte hatte bereits am ersten Verhandlungstag die Vorwürfe geleugnet, weil er nichts getan habe. Auch gestern blieb er bei seinem letzten Wort dabei: „Ich habe nichts gemacht.“ So war es wenig verwunderlich, dass sein Verteidiger auf Freispruch plädierte.

Bereits im Jahre 2005 haben die sexuellen Übergriffe begonnen. Es war Dezember und der heute 41-Jährige hatte seine damals sieben Jahre alte Nichte zu Besuch. Er schlich sich in ihr Zimmer, zog sie und sich aus, fasste sie an. In den folgenden sechs Jahren soll er sich dann an zwei seiner Töchter vergangen haben. Eine davon hat er nach Ansicht des Gerichts 2010 vergewaltigt. Zwar hatte sich das Mädchen gewehrt, doch mit Gewalt hat er den Geschlechtsverkehr mit der damals 16-Jährigen erzwungen.

Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

Von Arno Zähringer

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