Kreisverband soll Zukunft haben

DGB Stendal bekommt Steuerfrau von außerhalb

Die neue Führungsriege des DGB Stendal hat sich aufgestellt
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Der neue DGB-Kreisverband Stendal, die Führungsriege: Joachim Müller (v.l.), Heinz Lucht, Peter Bollfraß, Manuela Pretzien, Katrin Skirlo, Joachim Ziekau und Herbert Nauck. Die konstituierende Sitzung zählt für vier Jahre.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Eine neue Spitze aus den eigenen Reihen hat sich auch dieses Mal nicht gefunden. Die Magdeburger Gewerkschaftssekretärin Manuela Pretzien übernimmt die Leitung des DGB Stendal kommissarisch.

Stendal – Die Führungsfrage ist erst einmal beantwortet. Damit dürfte auch möglichen Schwarzmalern vorerst klar sein: Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gibt seinen Kreisverband nicht auf, er wird nicht aufgelöst und geht in keiner größeren Einheit auf. Peter Bollfraß, ein Urgestein der Gewerkschaftsbewegung, hatte das Zepter vor einigen Monaten aus gesundheitlichen Gründen abgeben müssen. Ausgerechnet zum für den DGB so symbolträchtigen Ersten Mai standen die Altmärker ohne ordentlichen Vorsitzenden da. Der Staffelstab ist in dieser Woche Manuela Pretzien, der Gewerkschaftssekretärin der DGB-Region Altmark-Börde-Harz, übergeben worden. Ein Nachfolger aus den eigenen Reihen hat sich offensichtlich auch dieses Mal nicht finden lassen. Im Klartext: Pretzien übernimmt den Leitungsjob kommissarisch.

Langjähriger Chef nicht aus der Welt

Für dieses Jahr stehen die regulären Organisationswahlen an, das heißt, nicht allein in Stendal konstituiert sich der Vorstand neu. Die DGB-Region besteht aus insgesamt sechs Kreisverbänden und dem Stadtverband Magdeburg. Die Geschäftsstelle in der Landeshauptstadt hatte schon einiges an Themen und Aufgaben mehr abfangen müssen. Gewerkschaftssekretärin Pretzien werde die Geschäfte des Kreisvorstandes „bis auf Weiteres mit den ehrenamtlichen benannten Kolleginnen und Kollegen“ führen, heißt es in einem Schreiben aus Magdeburg. Und weiter: Bollfraß bleibe Mitglied im Kreisverband Stendal und auch die meisten bisherigen Kollegen seien weiterhin aktiv. Was diese personelle Frischekur für die nächsten vier Jahre wert sein kann, muss sich zeigen.

6800 Mitglieder im Nordosten Sachsen-Anhalts

Bollfraß führte den DGB in Ostaltmark und Elb-Havel-Winkel fast 30 Jahre an, erst hauptamtlich, später ehrenamtlich. Der Mittsiebziger ist das Gesicht des DGB zwischen Seehausen und Tangerhütte. Mit seinem Namen verbunden ist die alljährliche Maifeier im Stendaler Tiergarten, die er federführend aufbaute und nicht allein Mitglieder verschiedenster Gewerkschaften erreicht. Die DGB-Region aus Altmark, Börde und Harz zählt mehr als 86.000 Mitglieder, davon kommen 6800 aus dem Landkreis Stendal. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl um 140 Mitglieder gesunken, das sind gut zwei Prozent. Die Angaben für den Landkreis sind ein Stück weit weg von jenen, die in jüngerer Vergangenheit in Stendal genannt wurden. So oder so, Herausforderungen bleiben.

Gewerkschaften politisch fordernd

„Ziel des Kreisverbandes ist, weiterhin Präsenz in der Fläche zu zeigen und gewerkschaftliche Themen auch auf kommunaler Ebene mit einzubringen.“ Ein Schwerpunkt: Die Tarifbindung von Beschäftigen erhöhen. „Mit einem Tarifvertrag können höhere Gehälter, mehr Urlaubstage und auch flexiblere Arbeitszeiten für Beschäftigte durchgesetzt werden. Hierfür wollen wir auch in Zukunft eintreten“, wird Stendals DGB-Chefin Pretzien in dem Schreiben zitiert. Auch das Thema Rente liege obenauf. „Das gesetzliche Rentenniveau muss stabilisiert und angehoben werden.“ Weitere Forderungen seien der „gesellschaftliche Zusammenhalt“ sowie eine „sozial verträgliche und ökologische Verkehrswende“. Nach dem Landtag Anfang Juni wird nun der Bundestag am 26. September 2021 neu gewählt.

Der neue Kreisverband wolle im sogenannten Zukunftsdialog eine gesellschaftliche Debatte in Form von Informationsständen, Aktionstagen und Diskussionsrunden führen. Der weitere Weg scheint abgesteckt. „Der DGB-Kreisverband Stendal hat sich neu konstituiert.“ Noch kurz zur Erklärung: Die acht Mitgliedsgewerkschaften benennen alle vier Jahre ihre Vertreter für den jeweiligen Verband, und in einer Sitzung wählt der Vorstand eine Vorsitzende oder einen Vorsitzenden. Zum neuen DGB-Kreisverband Stendal gehören neben der neuen Spitze Pretzien, die im Brandenburgischen wohnt, und dem Altvorsitzenden Bollfraß: Joachim Müller, Heinz Lucht, Katrin Skirlo, Joachim Ziekau und Herbert Nauck. Genauere Funktionen und Aufgaben sind in der Mitteilung an die Presse nicht genannt.

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