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Früheres Gertraudenhospital in Stendal kränkelt an Umfeld

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Von: Marco Hertzfeld

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Musikschüler Maximilian Golz und Lehrer Tilman Frieser spielen im früheren Gertraudenhospital in Stendal.
Musikschüler Maximilian Golz und Lehrer Tilman Frieser eröffnen das Stelldichein in der Kapelle. Die Jubiläumsfeier findet vereinsintern statt. Für den Morgen danach wird ein breiteres Publikum zum Tag des offenen Denkmals erwartet. © Marco Hertzfeld

Das einstige Gertraudenhospital liegt außerhalb der Stendaler Fördergebietes. Der Förderverein kann auch deshalb keine Erfolgsgeschichte zeichnen. Stolz auf das Erreichte ist er dennoch.

Stendal – Eine reine Erfolgsgeschichte kann es nicht sein. 20 Jahre Förderverein Gertraudenhospital Stendal sind reich an Um- und Aufbrüchen. Gründungsmitglieder trennten irgendwann Grundstück und das historisch wertvolle Gebäude. Die beiden Teile wieder zusammenzuführen, ist bis heute nicht gelungen. „Wir gucken etwas hilflos dem Verfall zu“, sagte Vorsitzende Jutta Meinerts und meinte damit die andere Seite. Vereinsfreund Axel Junker sprach wenig später sichtlich angefasst aus, was wohl nicht jeder gern höre: „Wir haben uns damit abgefunden, dass wir nur die Hälfte haben.“ Was in den zwei Jahrzehnten geschafft worden sei, könne sich aber allemal sehen lassen. Gerade einmal 19 Frauen und Männer engagieren sich für das einstige Hospital, und das ehrenamtlich.

Ein Knackpunkt: Gebäude geteilt

Der Komplex am Uenglinger Kreisel atmet Geschichte und kann aus richtiger Perspektive ein wahres Fotomotiv sein. Im 14. Jahrhundert wurde das Gertraudenstift das erste Mal urkundlich erwähnt, bei der Gründung spielte die Familie von Bismarck eine wichtige Rolle. Junker nutzte die vereinsinterne Feier am Sonnabend und nahm sich eine neue Broschüre des Tourismusverbandes mit dem Titel „Bismarcks Land“ vor. Das Gertraudenhospital sei eines der wenigen erhaltenen Bismarck-Gebäude in Stendal. In der Broschüre komme es nicht vor. Einen ordentlichen Tag des offenen Denkmals der Stadt Stendal habe es übrigens dieses Jahr nicht gegeben. Der Verein beteiligte sich an der bundesweiten Aktion und zog gestern die Türen für Besucher auf.

Mitglieder durchaus stolz auf das Erreichte

Aus der Taufe gehoben wurde der Verein unter dem Namen Denkmalpflegehof. Auf Baustellen geborgene wertvolle Ziegel sollten auf dem Gelände gelagert, aufbereitet und verkauft werden. Schnell habe sich gezeigt, dass dies ehrenamtlich nicht zu leisten sei, schätzte Meinerts ein. Vor einigen Jahren wechselte der Name, weil sich damit treffender sagen lasse, was die Mitglieder tun. Ehrenamtliche Arbeit und staatliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen halfen. Die Stadt erlaubte das Abstottern von Straßenausbaubeiträgen, ohne dass der Verein Zinsen zahlen musste. Zuschüsse erhalten die Gertraudenfreunde nach wie vor nicht. Das Gelände liegt außerhalb des Flächendenkmals Altstadt. Auch andere Fördertöpfe scheinen damit unerreichbar.

Fördermittel bislang Fehlanzeige

„Egal, was wir machen, es gibt keine Fördermittel“, brachte es Junker für alle auf den Punkt. Und ja, stattdessen beschäftige die untere Denkmalbehörde den Verein mit teilweise unsinnigen Auflagen, machte der Altmärker aus seinem Herzen keine Mördergrube. Dass die andere Seite des Komplexes verfalle, kümmere das Amt offenbar weniger. Der Verein will Schlaglichter setzen und nicht zuletzt auch der Kultur eine Bühne geben. Vor Corona schauten binnen fünf Jahre mehr als 7000 Besucher bei Veranstaltungen vorbei, die Lichttage in einem Jahr noch nicht einmal mitgezählt. Der Kulturehrenpreis der Stadt Stendal dürfte so etwas wie ein Ritterschlag gewesen sein, jedenfalls zeigte sich Junker an diesem Nachmittag ungebrochen stolz darauf.

Bei der kleinen Feier in der Kapelle wurde auf das Erreichte angestoßen. Mara Hübener (11), Maximilian Golz (12) und Lehrer Tilman Frieser von der Musik- und Kunstschule sorgten für den klangvollen Rahmen. Dr. Felix Engel, Leiter der Volkshochschule, referierte zum Thema „Hospitäler im Mittelalter“. Meinerts hatte da schon einen Anriss von dem gegeben, auf das der Verein stolz sein könne. Das Kapellendach wurde gedeckt, der Anteil des Langdachs ebenfalls. Das Gelände ist entrümpelt worden, Wege wurden angelegt, und so weiter und so fort. Mittelalterliches Erbe soll zukunftsfähig und zugänglich sein. 1945 nutzte die sowjetische Armee den Komplex, später war es die DDR-Volkspolizei. Von 1989 bis 2022 wurde alles sich selbst überlassen, Vandalismus kam hinzu.

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