Klimaaktivisten und Mitstreiter unter Druck

Frist läuft ab: Farbreste in Stendal gehen ins Geld

Grüne Farbreste eine Demonstration auf dem Marktplatz in Stendal.
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An dieser Stelle sind es grüne Farbreste, an anderen Punkten des Marktplatzes in Stendal finden sich am Vormittag des 29. April 2021 nicht zuletzt blaue.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Was ist normale Kreide und kann Sprühkreide noch normal sein? Unterm Strich könnte das Wortklauberei sein. Offensichtlich ist eines: Die Demonstration von Klimaaktivisten und Mitstreitern hat auf den Marktplatz in Stendal Farbspuren hinterlassen. Eine Frist der Stadt ist am 30. April abgelaufen, nun geht es ums Geld und Justitia.

Stendal – Steine mögen doch bitte nicht ausgetauscht werden müssen.  Einige Stunden vor Ablauf der Frist am heutigen Freitag (30. April 2021) sind immer noch Reste der Kreidefarbe auf dem Marktplatz zu sehen gewesen. Für die Klimaaktivisten von Fridays for Future und Mitstreiter dürfte es nun eng werden. Das Rathaus will noch einmal genau hinschauen und gegebenenfalls eine Fachfirma mit der Reinigung beauftragen. Die Kosten sollen dann als Schadenersatz von der Versammlungsleitung zurückgefordert werden. „Die Hansestadt hat sich in diesem Fall für den zivilrechtlichen Weg entschieden. Dieser ist mit weniger formellen Schritten verbunden und sollte unser Ziel, den Marktplatz schnellstmöglich wieder sauber zu kriegen, damit am schnellsten realisieren“, erläutert Sprecher Armin Fischbach.

„Ein Austausch der Pflastersteine unseres recht frisch sanierten Marktplatzes wäre um ein Vielfaches teurer und mit entsprechenden Bauarbeiten verbunden.“ Mit einer Kostenschätzung für eine Spezialreinigung hält sich die Stadt weiterhin zurück. Die bei einer Demonstration am 19. März aufgetragene Farbe ist zuletzt deutlich weniger geworden, aber eben nicht restlos verschwunden. „Diese verschobene Einholung des Angebotes wurde bewusst gewählt, um eventuelle weitere Reinigungserfolge der Versammlungsleitung entsprechend zu berücksichtigen“, betont Fischbach Mitte der Woche. Eine einfache Rechnung: weniger Farbe, weniger Kosten. Die Fachfirma habe sich den Platz bereits einmal selbst angesehen und versichert, dass mit speziellen Mitteln alles entfernt wäre.

Die Kommunikation zwischen Stadtverwaltung und Versammlungsleitung sei am besagten Tag nicht optimal verlaufen, redet Fischbach sechs Wochen danach und auf weitere Nachfrage der AZ erst gar nicht um den heißen Brei herum. „Zu viele Ansprechpartner auf beiden Seiten“ haben demnach zu Verzögerungen geführt, wodurch die Demonstranten recht kurzfristig mit der Auflage konfrontiert wurden, den Markt nicht zu bemalen, und in der Folge anwaltliche Unterstützung suchten. Wichtig ist dem Stendaler Rathaussprecher aber auch: „Die Zusammenarbeit mit der Versammlungsleitung und den Vertretern von Fridays for Future insbesondere gestaltete sich abseits dessen immer als sehr respektvoll und produktiv. Für die Zukunft hoffen wir auf eine entsprechende Fortführung.“

Fridays for Future, Bündnis Herz statt Hetze, Netzwerk Respekt, Gruppe Keine A 14 und Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club hatten im Herzen der Stadt für Klimaschutz sowie Demokratie, Toleranz und Menschenrechte demonstriert. Weil sich die Farbe vor dem Rathaus als hartnäckig erweist, zeigt man sich hinter den Mauern zunehmend angefressen, der sanierte Markt wurde 2017 freigegeben. Fridays for Future versicherte, normale Kreide verwendet zu haben und keine, die länger hafte. Zwei AfD-Stadträte haben, wie bereits berichtet, vor einigen Tagen nach eigenen Angaben bei der Polizei Strafanzeige gegen unbekannt wegen Sachbeschädigung gestellt. Auch solle die Rolle der Stadt- und der Kreisverwaltung bei der Genehmigung des Farbeinsatzes geprüft werden.

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