Nach 25 Jahren

Frischer Wind weht durch Nahrstedt: Altbürgermeister gibt Amt an Mathias Schmid ab

„Ihr habe ich eine Menge zu verdanken“: Nahrstedts scheidender Ortsbürgermeister Wilhelm Jacob über Ehefrau Ines.
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„Ihr habe ich eine Menge zu verdanken“: Nahrstedts scheidender Ortsbürgermeister Wilhelm Jacob über Ehefrau Ines.

Nahrstedt – „Eigentlich wollte ich nie Bürgermeister werden“, beginnt Wilhelm Jacob zu erzählen. Und dann sind es am Ende doch 25 Jahre Amtszeit geworden. Ex-CDU-Chef Wolfgang Kühnel habe den damals 48-jährigen Nahrstedter gebeten, sich zur Wahl aufstellen zu lassen.

Jacob habe sich widerwillig bereiterklärt – und wurde prompt mit 70 Prozent aller Stimmen gewählt. „Mir blieb nichts anderes übrig als das Mandat anzunehmen“, schmunzelt der heute 73-Jährige. „Und dann wollte ich gar nicht wieder damit aufhören.“

Mathias Schmid, neuer Ortsbürgermeister.

Nun sei aber Schluss, nach 25 Jahren müsse man es auch mal gut sein lassen, frischen Wind zulassen, sagt Jacob der AZ. Rückblickend unterteilt er seine Amtszeit in zwei Phasen: die ersten 15 Jahre, in denen Nahrstedt noch eine eigenständige Gemeinde war, und die letzten zehn Jahre, als es zum Ortsteil der Hansestadt Stendal ernannt wurde. „Früher konnten wir hier viel mehr bewegen“, bedauert Jacob. Heute werde nicht mehr viel Geld in die Ortschaften investiert. Sein Amtsnachfolger Mathias Schmid beschreibt es wie folgt: „Man ist heute als Ortsbürgermeister eher Vermittlungsinstanz zwischen den Bürgern und der Stadt.“

„Wilhelm hat viel für Nahrstedt getan“, weiß Engelbert Weiß zu berichten, der an der Seite Jacobs als Ratsmitglied ebenfalls stolze 25 Jahre aktiv ist. An oberster Stelle zu nennen sei der ländliche Wegebau. Zu den größten Herausforderungen in Jacobs Amtszeit gehörten der Abriss des alten Gutshofes 2004 sowie die Erhaltung des Nahrstedter Kindergartens. Gebaut wurde der 1935 als „Saisonkindergarten“ – zur Erntezeit konnten die Eltern ihre Kinder dort abgeben, um arbeiten zu können.

Doch 1995 gab es in dem 280-Seelen-Dorf nicht genügend Kinder und so wurde die Einrichtung geschlossen. Nach drei Jahren außer Betrieb übernahm ein privater Verein den Kindergarten. Und die Zukunft der Kita „Sonnenschein“ scheint nun auch gesichert: Denn die Stendaler Borghardtstiftung möchte die Einrichtung ab dem 1. September betreiben. „Ein Glücksgriff“, sind sich Ex-Bürgermeister und Ratsmitglied einig, denn der Kindergarten sichere auch die Zukunft der Stendaler Ortschaft.

Bei der Abschiedsveranstaltung am Donnerstag dankte das scheidende Oberhaupt den Nahrstedtern für ihren Rückhalt und Engagement und erhielt im Gegenzug warme Worte und viele Blumen. Seinen Fokus möchte Jacob, der künftig wieder mehr Zeit für Privates haben wird, vermehrt auf die Familie richten: Ehefrau Ines, die Kinder und Enkelkinder. „Aber auch der Garten will gepflegt werden“, erzählt der 73-Jährige der AZ.

Seinen Hobbys kann er in aller Ruhe nachgehen. Denn in Mathias Schmid sieht Jacob einen geeigneten Nachfolger. Der 27-Jährige hat sein Amt zum 1. Juli angetreten. Gebürtig stammt er aus Döbbelin, vergangenes Jahr ist er mit seiner Freundin nach Nahrstedt gezogen. Dort betreibt er einen Ackerbau- und Milchviehbetrieb. Ob es auch bei ihm 25 Jahre Amtszeit werden? „Mal sehen“, lacht der Jungbürgermeister.

VON CHARLOTTA SPÖRING

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