Frischer Wind aus Stendal

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Mit Wahrnehmungsschulung befassten sich Katrin Schild (16, l.) und Cindy Rosenmeyer (17) aus Gardelegen.

Stendal - Von Matthias Kuhn . Was an Ideen und Lösungen in den Köpfen der Jugend steckt, dies bewiesen gestern die 72 Teilnehmer beim diesjährigen Regionalausscheid „Jugend forscht“. Aus 41 eingereichten Projekten musste die Jury die zu Prämierenden auswählen. Besonders erfreut zeigte sich Thomas Barniske, Geschäftsführer des BIC Altmark, das zusammen mit den Stadtwerken Stendal als Partner von Jugend forscht den Regionalwettbewerb organisiert darüber, dass 21 Projektideen aus der Altmark stammen. Und die forschende Kreativität der Schüler reichte von ganz praktischen Dingen, wie einem Topf mit integriertem Rührwerk, einem „gläsernen PC“, bis hin zur Frage, wie Betroffene mit der Diagnose Unterleibskrebs umgehen.

„Ich finde es spannend, auf welche Ideen die Schüler kommen“, so Tilman Tögel, SPD-Landtagsabgeordneter, gegenüber der AZ. Als Beispiel nannte er die „universelle Multitouch-Lösung für jedermann“ von Florian Koch und Tino Starczinsky (beide vom Schüler-Institit, Havelberg). Die von den beiden Jungen entwickelte Technik koste nur ein Zehntel ähnlicher angebotener berührungsempfindlicher Bildschirme. Tögel: „Man wundert sich, dass die Industrie nicht auf diese Ideen kommt.“ Auch bei Vertretern des Industrie- und Handelsclubs Stendal (IHC) stieß der Bildschirm auf Interesse. Sie kamen zur Präsentation, um Ausschau nach zukünftigen Fachkräften zu halten. Was ihnen geboten wurde, überzeugte an vielen Stellen. Doch sei auch offensichtlich, dass vieles mit einfachsten Mitteln konzipiert wurde. Es fehle an einer besseren Verzahnung von Schule und Wirtschaft, insbesondere in der Region. So könnten IHC-Mitgliedsunternehmen sicherlich beim Erstellen von Werkstücken mit Technik und Know-how helfen, zeigten sich im AZ-Gespräch Dag Dreier, Heinz Ziesmann, Wilfried Baller und Klaus Mohnhaupt überzeugt. Dazu müsse zwar erst innerhalb des IHC ein praktikabler Weg gefunden werden, dennoch stünde auch die regionale Wirtschaft in der Verantwortung den Forschernachwuchs zu unterstützen, den Kontakt zu den Schulen, insbesondere auch zu den Sekundarschulen zu suchen.

Ebenfalls die Sekundarschulen hat Barniske im Blick. Bisher seien diese bei den Jugend-forscht-Wettbewerben stark unterrepräsentiert. Im Gespräch mit der ebenfalls anwesenden Kultusministerin Birgitta Wolff erörterte er Möglichkeiten, diese stärker für „Jugend forscht“ zu begeistern. Die Kultusministerin könne sich vorstellen, sogenannte Verfügungsstunden an Sekundarschulen und Gymnasien dafür besser zu nutzen. Dennoch: auch an den Schulen hänge die Betreuung der Schüler oftmals an einem Lehrer. Falle dieser aus, breche auch das Engagement für Jugend forscht weg. Ob auch mehr Geld für derartige Projekte nötig sei, wollte die Kultusministerin nicht bestätigen. Oftmals sei es ja der Mangel, der zu kreativen Lösungen führe.

Dies würden auch die gezeigten Projekte beweisen, die oftmals mit einfachsten Mitteln, viel Fleiß und kreativer Energie umgesetzt wurden. Dennoch – ein Mindestmaß an Finanzausstattung sollte vorhanden sein. Dies könne über regionale Partnerschaften zwischen Schulen und Wirtschaft oder Sponsoren erreicht werden. Anerkennung zollte auch Hardy Peter Güssau, CDU-Landtagsmitglied, den Schülern. Die Eltern könnten stolz darauf sein, was ihre Kinder geleistet hätten. Es sei eine solide Veranstaltung. Daran habe insbesondere Katja Bricke, BIC Altmark, als „gute Seele“ großen Anteil, so Barniske.

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