Terrorismus und Kopftuch: Zwei Stendaler Schüler sehen Unklarheiten, verteilen kostenlos Bücher und setzen auf Gespräche

Sie frieren für den Islam und wollen überzeugen

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Ayham Al Rajeh (l.) und Ayman Hassanein suchen das Gespräch an der Breiten Straße. 

Stendal. Nein, sie seien natürlich keineswegs Fundamentalisten und schon gar keine Salafisten, die in Fußgängerzonen missionieren und den Koran offensiv unters Volk bringen wollen.

Die heilige Schrift des Islam bieten Ayman Hassanein und Ayham Al Rajeh den Passanten nahe der Marienkirche zwar auch kostenfrei zum Mitnehmen an, dazu aber auch andere Literatur, etwa zur Lebensgeschichte des Propheten Mohammed und zur Stellung der Frau im Islam. 

„Wir wollen mit den Leuten ins Gespräch kommen, Unklarheiten beseitigen und aufzeigen, dass die islamische Welt vielfältig ist und nicht zwingend etwas mit Terrorismus zu tun hat“, erzählt Hassanein der AZ.

Der 19-Jährige hat ägyptische Wurzeln und dazu die spanische Staatsbürgerschaft. Der Arbeit wegen lebt die Familie in Deutschland, er selbst besucht das Fachgymnasium in Stendal. Sein Freund Al Rajeh (18), der 2016 als Flüchtling aus Syrien in die Altmark kam und aufs Winckelmann-Gymnasium geht, muss sich erst einmal die Hände reiben. Es ist kalt, minus zwei Grad, der Wind pfeift. Die jungen Männer frieren freiwillig und, wie sie betonen, ohne Auftrag der Islamischen Gemeinde. „Es ist allein unsere Initiative. Die Bücher haben wir mit Spendengeld aus unserem Bekanntenkreis gekauft“, sagt der Jüngere.

Den Stand hätten sie von einem Mann übernommen, eine Stange sei gebrochen. Deshalb erreicht der Pavillon nicht die richtige Höhe. Sie kämpfen an diesem Samstagvormittag um jeden Bürger. Die meisten hasten vorbei, wollen einkaufen. Einige Menschen bleiben stehen. „Das Kopftuch ist kein Symbol der Unterdrückung, sondern eines der Reinheit“, ist Hassanein überzeugt. Dass dies auch anders gesehen wird, ist ihm bewusst. Auch auf Kritik und böse Worte hat sich der Fachgymnasiast eingestellt. „Wichtig ist das Miteinander“, sagt er in ziemlich gutem Deutsch. Vom Streit um eine Staatssekretärin, die mit einem Kopftuch die Stendaler Moschee besucht hatte, wissen die zwei. Groß äußern wollen sie sich dazu in diesem Moment nicht.

Nur so viel: Muslime und der Islam gehörten zu Deutschland, glauben die jungen Männer. Sie seien doch der beste Beweis dafür. „Wir sind recht gut integriert und achten andere Menschen“, beteuert Hassa-nein. Einmal im Monat wollen sie in der Altstadt für eine bessere Sicht auf den Islam werben. Die Premiere, die knapp vier Stunden gedauert haben soll, sei geglückt. Auch wenn nun wirklich nicht jeder Passant stehen geblieben ist.

Von Marco Hertzfeld

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