Wunsch von Gemeinde abgelehnt / Islam sei keine „korporierte Religionsgemeinschaft“

Friedhof für Muslime in Stendal „nicht möglich“

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Auf dem Areal des Städtischen Friedhofes gibt es ein extra für Muslime eingerichtetes Gräberfeld mit einer Kapazität von 250 bis 300 Gräbern. Bislang gab es dort sechs Beerdigungen. Ein islamischer Friedhof in Stendal ist laut Verwaltung nicht möglich.

Stendal. Den Wunsch nach einem eigenen Gräberfeld für Menschen muslimischen Glaubens hatte kürzlich die Islamische Gemeinde der Hansestadt geäußert. 

Beim Besuch von Staatssekretärin Susi Möbbeck sprachen Vorstandsvorsitzender Dr. Mohamed Abolagsem Msaik sowie andere Gemeindemitglieder von einem vorhandenen Bedarf (AZ berichtete).

Es wird diesbezüglich aber wohl beim Wunsch bleiben. Denn die Aussage der Stendaler Stadtverwaltung ist eindeutig: „Die Einrichtung und der Betrieb eigenständiger islamischer Friedhöfe sind in Sachsen-Anhalt nicht möglich, weil nur Körperschaften des öffentlichen Rechts zur Errichtung von Friedhöfen befugt sind“, teilt Sandra Slusarek, Sprecherin des Rathauses auf AZ-Anfrage mit.

Hintergrund der Entscheidung ist neben einem Artikel des Grundgesetzes auch eine knapp 100 Jahre alte Gesetzgebung aus der Weimarer Republik von 1919. Denn der Islam gehört, so Slusarek, nicht zu den „korporierten Religionsgemeinschaften im Sinne von Artikel 140 Grundgesetz“. Das bedeutet, dass der Islam keine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist. Diese Rechtsform haben Religionsgemeinschaften inne, denen bereits zu Beginn der Weimarer Republik oder später dieser Status verliehen wurde. Zu den korporierten Religionsgemeinschaften in Deutschland zählen etwa evangelische Landeskirchen, römisch-katholische Bistümer aber auch die Neuapostolische Kirche oder die Zeugen Jehovas. Lediglich die Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde verfügt in zwei Bundesländern, Hessen und Hamburg, über den Körperschaftsstatus.

Daher können muslimische Religionsgemeinschaften in Sachsen-Anhalt keine eigenen Friedhöfe errichten. „Muslime werden daher als Andersgläubige auf gemeindlichen Friedhöfen oder Friedhöfen von Kirchen beigesetzt“, informiert Slusarek. Da nach dem Koran Muslime nicht unter Nichtmuslimen bestattet werden dürfen, seien eigene Grabfelder für diese Erdbestattungen einzurichten.

Die Hansestadt hat auf Antrag der Islamischen Gemeinde Stendal bereits ein separates Grabfeld auf einem Friedhofsteil an der Rönnefelder Straße für muslimische Bestattungen „unter der Besonderheit der Ausrichtung der Gräber nach Mekka“ eingerichtet. Mit der Islamischen Gemeinde sei eine entsprechende Vereinbarung getroffen und die Friedhofssatzung entsprechend geändert worden (AZ berichtete). Die Satzungsänderung trat vor zweieinhalb Jahren, am 11. Juni 2015, in Kraft. Das Grabfeld hat eine Kapazität von 250 bis 300 Grabstellen. „Bislang fanden auf diesem Grabfeld insgesamt sechs Beerdigungen statt, sodass aus derzeitiger Sicht kein Bedarf an der Einrichtung weiterer Grabfelder besteht“, so die Stadt. Sollte sich zukünftig ein solcher Bedarf ergeben, werde die Rolandstadt ein neues Grabfeld für diese Bestattungen einrichten.

Von Mike Höpfner

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