Ostermarsch 2021 nachgeholt

Friedensbewegung: Stendaler Bundeswehrgegner bei Protest in Magdeburg

Ein Textil mit der Botschaft „Abrüstung jetzt!“ hängt an einer Leine am Domplatz in Magdeburg.
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Nahe dem Landtag haben die Friedensbewegten eine Leine mit politischen Forderungen gespannt. Am Wasserspiel des Domplatzes steht der „Markt der Möglichkeiten“.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Bundeswehr im Visier: Die Friedensbewegung hat am 5. September 2021 in Magdeburg den Ostermarsch nachgeholt. Dabei federführend: Heideaktivisten aus dem Landkreis Stendal.

„Ich schmeiße keine Steine, gesammelt in der Wut ...“ Ein Pärchen will genau das gehört haben und zieht weiter seines Weges. Der Blick fällt schnell noch auf T-Shirts und andere Textilien, die vor einer Leine am Landtag hängen. Von Abrüstung ist die Rede und auch von Klimaschutz und einer Welt ohne Rassismus und Antisemitismus. Obwohl Friedensbewegte und Verbündete mehr denn je ihre Themen finden, bleiben sie doch auch an diesem Sonntagnachmittag in Magdeburg weitestgehend unter sich. Nachgeholt wurde das Programm des Ostermarsches 2021, das wegen der Coronapandemie seinerzeit nicht möglich war. Federführend bei der Veranstaltung unter dem Motto „Bundeswehr giert“ war vornehmlich die nicht zuletzt in der Altmark aktive Bürgerinitiative (BI) Offene Heide.

Afghanistan dient der Argumentation

Die westlichen Demokratien stehen nach dem Einsatz in Afghanistan mit ziemlich leeren Händen da und der Abzug des Militärs geriet zu einem Debakel. Katrin Skirlo von der DGB-Region Altmark-Börde-Harz führte vor Augen, was die Bundesregierung selbst eingestanden hat. Die Gewerkschafterin sprach auf einer kleinen Bühne am „Markt der Möglichkeiten“ zudem von deutschen Rüstungsausgaben in Milliardenhöhe, vom UN-Atomwaffenverbot, das von dem Land noch immer nicht unterzeichnet sei, und von der Nato, die auf Konfrontation mit Russland und China setze. Zu den Rednern dieses Sonntags zählte auch Giselher Quast, Domprediger im Ruhestand. Mehr als 100 Menschen seien auf die Straße und den Domplatz gegangen, heißt es in einer Bilanz der BI Offene Heide.

Der eingebettete 336. Friedensweg für eine ausschließlich zivile Nutzung der Colbitz-Letzlinger Heide hatte zur ersten Hälfte der Veranstaltung zum Karrierezentrum der Bundeswehr in einiger Entfernung vom Dom geführt. Die Bundeswehr giere nach Fläche, giere nach Nachwuchs, verlange für neues Material exorbitante Investitionen. Und natürlich: Die Übungsstadt Schnöggersburg in der Altmark ist der Friedensbewegung ein Dorn im Auge. Das Motto „Bundeswehr giert“ passe nicht ins Bild der im Inland bei der Bewältigung der Hochwasserfolgen und der Coronapandemie helfenden Truppe. So hätten sich die Medien bei der Ankündigung der Veranstaltung in der Landeshauptstadt eben auch zurückgehalten, behaupten die Organisatoren in ihrem Resümee.

„Ein guter Tag in jeglicher Hinsicht“, wird Martin Rühmann in dem Schreiben zitiert. Der Liedermacher hatte mit seiner Band die Kundgebung zum Weltfriedenstag mitgestaltet. Der Musiker ist auch in der Altmark bekannt, unter anderem durch Auftritte in Uchtspringe. Und wer es nicht weiß: Sein Bruder ist der in Osterburg geborene Thomas Rühmann, Schauspieler in der Fernsehserie „In aller Freundschaft“. Der „Markt der Möglichkeiten“ auf dem Domplatz sollte alles bunter machen, mit von der Partie waren beispielsweise ein Biolandwirt, ein Hobby-Imker und der lokale Weltladen. Der Aufruf zum Antikriegstag wurde unter anderem auch unterstützt von der BI Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, dem Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrum und Globalisierungskritikern von Attac Magdeburg.

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