Mit Freunden Kunst teilen

Manu Donati stellte die Geschichte zur Geschichte der Wandzeichnungen deutscher Kriegsgefangener in Frankreich vor.

Stendal - Von Alexander Postolache. „Heute gibt‘s Spatzen, so tönt es durchs Lager.“ Dies sei kein Gedicht von Goethe, wie Manu Donati, den Gästen auf Französisch erklärte, die sich am Sonnabend dicht an dicht im Altmärkischen Museum drängten. Jene Zeilen sind nur ein Teil eines Gesamtkunstwerkes, welches aus der Zeit nach Ende des Zweiten Weltkrieges stammt.

„Die Freunde unserer Freunde sind unsere Freunde.“ Mit diesen Worten begrüßte der stellvertretende Oberbürgermeister des Hansestadt Stendal, Axel Kleefeldt, eine französische Delegation aus Vandoeuvre sowie kunst- und geschichtsinteressierte Menschen. Mit den Freunden der Rolandstädter sind die Bürger aus Lemgo gemeint, die seit den 1970er Jahren eine Städtepartnerschaft mit den Menschen des französichen Ortes im Osten Frankreichs pflegen.

1989 wurden in einem Pferdestall des Schlosses „Charmois“ in Vandoeuvre Zeichnungen an den Wänden zufällig gefunden. Jene Zeichnungen und auch Gedichte waren allerdings keine „Graffiti“ von Jugendlichen. Vielmehr stammen sie von Deutschen – von Kriegsgefangenen. „Unter amerikanischer Gefangenschaft waren sie nach 1945 dort“, führte Manu Donati aus, dessen Geschichtsrückblick von zwei Franzosen und auch von Kleefeldt ins Deutsche übersetzt wurden. Über einen Zeitraum von zwei Jahren trugen etwa 300 deutsche Soldaten die Aufschrift „PW“ auf ihrer Kluft, was für „Prisoner of War“, Kriegsgefangener, steht.

Es muss mindestens einen talentierten Zeichner unter ihnen gegeben haben, welcher etwa 50 Gemälde hinterließ. Mit der Ausstellung seien die Franzosen auch auf der Suche. „Vielleicht erkennt jemand den Stil.“

Thematisch lehnen sich die Bilder an drei Hauptbereiche an, die gekonnt umgesetzt wurden. Reisen, Heimweh und die Bedingungen im Lager sind jene Themen. Dabei verbanden sich auch deutsche mit amerikanischen Kultureinflüssen. Schneewittchen, die mit Donald Duck tanzt, Micky Mouse, welcher deutsche Uniformen in Brand setzt. Aber auch Szenen aus Paris, hübsche holländische Mädchen, Venedig, Napoli und Afrika gibt es zu sehen – „wie ein Comic“.

Überdauerten die Zeichnungen die Zeit unter Staub auf den Gipswänden, ist es auch die Zeit, die etwas mehr als 20 Jahre nach der Entdeckung die Bausubstanz mürbe gemacht hat. Die Zeichnungen wurden aus diesem Grund fotografiert, detailliert für kommende Generationen archiviert. Jener Stall in Vandoeuvre soll umgebaut werden. Die Fassade soll dabei erhalten werden. Von Künstlern wurde das Schloss einst erbaut“, sagte Donati abschließend. Gefangene Künstler lebten dort. Nun wird es ein moderner Ort der Kunst.

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