Ortsbeauftragter Gelbke: Dienst eine Chance für junge Leute

Freiwillige beim THW in Stendal bleiben aus

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Beim THW wird ein tragbarer Elektrogenerator vor der Garage geprüft. Die Stimmung bei den Helfern ist gut. Junge Leute die mitmachen werden gesucht.

Stendal – Von den mindestens drei Bundesfreiwilligendienststellen, für die seit 2019 Mittel vom Bund bereitgestellt werden, ist beim Technischen Hilfswerk (THW) in Stendal momentan nicht eine besetzt, berichtet Norman Gelbke THW-Chef in der Kreisstadt.

„Ich freue mich über jeden Bewerber. “ Zu Zeiten des Wehrersatzdienstes seien etwa fünf Dienstleistende jährlich eingesetzt worden. In der Zwischenzeit gab es keinen Ersatz. Es handele sich nun also um eine neue Chance.

„Quereinsteiger“ seien gesucht. Je nach Fähigkeiten werden dann Aufgaben bei der Liegenschaftspflege oder in der Verwaltung vergeben. Neben der Grundausbildung mit den Dienstleistenden aus dem ganzen Bundesgebiet, in einer speziell dafür eingerichteten Schule in Brandenburg an der Havel, sind auch die Kameradschaft und die Verantwortung etwas, was junge Menschen mitnehmen können.

Norman Gelbke, THW-Chef in Stendal

Wie die Feuerwehr leide auch das THW an dem mangelnden Interesse in der Bevölkerung ehrenamtliche Tätigkeiten auszuüben. „Es werden wieder mehr Häuser abbrennen“, bedauert Gelbke. Ein vernünftiger Schutz der Bevölkerung werde, bei weiterer Entwicklung wie in den letzten Jahren, nicht mehr möglich sein. In Deutschland stehe Hilfe schnell bereit. Aber das System müsse mit Menschen gefüllt werden, sonst sei es wertlos. „Die Menschen werden wieder Ledereimerketten bilden und sich daran erinnern, warum vor 150 Jahren die Feuerwehren gegründet wurden“ malt er den Teufel an die Wand.

Er sehe auch die Problematik, dass in der Region viele Pendeln und deswegen wenig Freizeit haben. Aber bei Hochwasser im Sommer seien die Menschen schnell bereit, zu helfen, allein fehle ihnen dann die Ausbildung, um etwa einen Sandsackfüllplatz zu organisieren. Das sei gar nicht ohne und viele unterschätzen die Kenntnisse, die dafür notwendig seien. Er habe den Eindruck es gehe oft mehr um das Selfie in Aktion bei gutem Wetter. „Was ist aber bei einem Winterhochwasser?“, fragt Gelbke. Die Politik sehe er nicht in der Verantwortung. Infrastruktur und Material werde gestellt. Mit hauptamtlichen Stellen sei die Tätigkeit der Ehrenamtlichen schon aus Kostengründen gar nicht zu ersetzen.

Bei einem Treffen am letzten Novemberwochenende des THW Landesverbandes Berlin-Brandenburg-Sachsen-Anhalt, sei in Erfahrung gebracht worden, dass mittlerweile 276 von den 2000 Bundesfreiwilligendienststellen besetzt seien. Damit bleiben Mittel für 1724 Stellen in insgesamt 668 Ortsverbänden offen. Gelbke weiß, dass es in Halberstadt schon zwei Bundesfreiwilligendienstleistende gebe. Dies wünsche er sich auch für Stendal.

Das THW versorgt im Notfall die Bevölkerung unter anderem mit Wärme und Strom. 20   000 Euro seien dabei im letzten Jahr etwa für eine Heizung und einen Stromgenerator ausgegeben worden, so der Ortsbeauftragte. Auch die Halle unterzieht sich derzeit einer Frischekur (AZ berichtete).

22 Mitglieder zähle das THW in der Kreisstadt aktuell. Das Älteste sei schon seit der Gründung vor 25 Jahren dabei und feiere im Sommer Dienstjubiläum. Es sollten aber 44 sein. Er habe allein zwei Lastkraftwagen mit je sieben Sitzplätzen, so Gelbke. Die Grundausbildung sei dabei überschaubar. Etwa neun Monate und acht bis neun Samstage brauche es um die Ausbildung zu absolvieren. Dabei habe jeder, je nach Alter und Fähigkeit einen eigenen Einsatzbereich. Meist kämen Ältere, die Mitglied werden wollen. Es brauche aber auch die Jüngeren, die eben bei gefährlichen Einsätzen direkt vor Ort aktiv sind.

Froh ist der Chef des THW, dass die Feuerwehr in Stendal mit dem THW zusammen arbeite. Leider tun sich dabei viele Ortswehren schwer. Der Stendaler Wehrleiter Michael Geffers aber sei ein „weitsichtiger Mensch“. So sei im letzten Jahr auch bei einem Brand in unzugänglichem Gebiet durch das THW Hilfe geleistet worden. Wichtig sei „das Ergebnis“ meint der Ortsbeauftragte und nicht „die Farbe des Schlauches“ aus der das Wasser gepumpt werde.

VON SIMON GERSTNER

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