Grüner Unterrichtsraum kämpft mit Randlage / Hochschule plant Lärmschutz

Stendal: Freiluft-Akademie fast durchgefallen

Über das Hochbeet geschaut, sind Wasserstelle und Umrisse des Unterrichtsraums im Grünen zu erkennen.
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Über das Hochbeet geschaut, sind Wasserstelle und Umrisse des Unterrichtsraums im Grünen zu erkennen.

Stendal – Für mindestens 20.000 Euro ist der erste Unterrichtsraum im Grünen der Hochschule in Stendal vor gut acht Jahren geschaffen worden, doch so richtig genutzt wird er offenbar wenig.

Prof. Dr. Volker WiedemerProrektor in Stendal

Dabei steht der Freilufttreffpunkt am Rande des Campus durchaus auch den Bürgern offen und nicht allein den Studenten. „Nach meiner Wahrnehmung befindet sich das klassenzimmerähnliche Areal im Dornröschenschlaf und wacht immer mal wieder auf“, sagt Prof. Dr. Volker Wiedemer, seit April 2018 Prorektor in der Altmark. „Die entscheidende Schwachstelle könnte die Lage direkt an der Straße sein. “ Eine Lärmschutzwand soll helfen. Wann die Barriere gegen den Krach der Osterburger Straße errichtet wird und was sie kosten soll, ist noch offen. „Lange wird es nicht mehr dauern, die Planungen laufen.“

Prorektor: Zahl der Nutzer steigern

Recht angeschlagen zeigt sich hinten das Licht.

Der grüne Lehrort gilt als Symbol der regionalen Zusammenarbeit für den Hochschulstandort. Förderkreis, Stadt, Landkreis und Privatleute hatte für das Projekt an einem Strang gezogen. Kreissparkasse und Gesellschaft für Arbeitsförderung und Sanierung mit Sitz in Uenglingen halfen. Es sollte ein besonderer Ort des Lernens werden, ein Unterrichtsraum aus Granitsteinen im Freien, umgeben von möglichst viel Grün, von Studenten und Professoren gab es Rückenwind. Der Wall aus Erde wuchs und sollte gemeinsam mit Sträuchern und Bäumen darauf den Krach fernhalten. Strom wurde neu verlegt, Laptops und andere Geräte lassen sich nutzen. „Es finden dort tatsächlich Lehrveranstaltungen statt, natürlich vor allem im Sommer, aber nicht viele“, konstatiert der Prorektor im AZ-Gespräch.

Areal steht auch Bürgern offen

Das Sommerfest der Hochschule fand dieses Jahr im Bereich dieser Freiluft-Akademie statt. Randlage und Straßenlärm seien dabei noch einmal offensichtlich geworden, auch wenn sich daran letztendlich nicht jeder Teilnehmer gestört haben dürfte. „Das Potenzial ist vorhanden.“ Mit der Lage müssen die Nutzer leben, beim Lärmschutz soll nachgebessert werden.

Vorzeigeobjekt und der Zusammenhalt

Der Komplex erinnert an ein Amphitheater aus altgriechischer Zeit, die Sitzplätze sind entsprechend angeordnet. Obwohl das Gelände keinen regelrechten Ansturm erlebt haben soll, sind schon einige Gebrauchsspuren zu erkennen. Trotz allem bleibe der Freiluftlernort unter meterhohen alten Bäumen eine gute Sache, wenngleich der durchschlagende Erfolg bislang noch fehle. Studieren im Grünen ist zugleich Motto und Anspruch der Hochschule in Stendal.

Der Standort der Hochschule Magdeburg-Stendal besteht zum Großteil aus Gebäuden einer früheren Kaserne. Ein Gartenbauarchitekt aus der Gegend hatte sich Gedanken gemacht und das Projekt „Grünes Klassenzimmer“ mit den Partnern vorangetrieben.

Ein Blick auf die Baustelle vor etwa acht Jahren. Der Wall aus Erde ist frisch aufgeworfen, Sträucher und zusätzliche kleine Bäume gegen den Straßenlärm fehlen noch.

2011 begannen die Arbeiten so richtig, ein Jahr danach konnte das Areal übergeben werden. Vorher waren dort vor allem Rasen und das Becken eines alten Springbrunnens vorhanden, die Anlage wurde instand gesetzt. Dass das Ensemble auch von Bürgern genutzt werde, hatten sich die Initiatoren gewünscht. Von Lesungen, Theateraufführungen und Diskussionen war die Rede. An der Einladung habe sich nichts geändert, sagt Prof. Dr. Wiedemer. Natürlich würden die normalen Regeln von Ordnung und Sauberkeit gelten. Solange das klappe, sei vieles möglich.

VON MARCO HERTZFELD  

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