Ziel Nummer eins: Einzug in den Landtag / Wahlkampfstartprobleme für kleine Parteien

Ein Landesministerium für Stendal

Die Direktkandidaten der Freien Wähler Nico Schulz (von links), Carmen Kalkofen und Henning von Katte von Lucke.
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Nico Schulz (links), Carmen Kalkofen und Henning von Katte von Lucke sind bereits in die lokalen Räte eingezogen. Jetzt nehmen sie Kurs auf die Landtagswahl im Juni.
  • Stefan Hartmann
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Gerade kleinere Parteien können in der Pandemie Schwierigkeiten haben, ihre Ideen potenziellen Wählern nahezubringen. Die Freien Wähler wollen sich davon nicht entmutigen lassen und haben ihren Wahlkampf gestartet. 

Stendal – Viel Zeit, um bei potenziellen Wählern um Stimmen zu werben, bleibt nicht mehr: Am 6. Juni ist Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

In einem gewissen Nachteil gegenüber etablierteren Parteien sehen sich auch die Spitzenkandidaten der Freien Wähler, die Cobbelerin Carmen Kalkofen, dem Krumker Nico Schulz und Henning von Katte von Lucke, die für die Wahlkreise Genthin, Havelberg-Osterburg beziehungsweise Stendal antreten. Nachdem sie ihren Wahlkampfauftakt bereits mehrfach verschoben haben, stellten die Kandidaten sich und ihre Positionen zunächst in einer Pressekonferenz am Freitag vor. Öffentliche Versammlungen sollen in Abstimmung mit dem Ordnungsamt und auf Grundlage des Versammlungsrechts stattfinden.

Das erste große Ziel: In den Landtag einziehen, erklärten die Kandidaten. Dass ihre Chancen trotz des Startnachteils nicht schlecht stünden, habe die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz gezeigt. Ihre Stimmen speisten sich zu einem großen Teil aus enttäuschen CDU-Wählern, erklärt Schulz. Während die Christdemokraten in Rheinland-Pfalz einen schweren Stand haben, sind sie in Sachsen-Anhalt stärker – dementsprechend größer sei auch das Wählerpotenzial. Auch die Ergebnisse vergangener Wahlen hätten gezeigt, dass es zunehmend schwieriger werde Mehrheiten für eine Regierung zu finden. Da könne auch eine kleine Gruppe wie ihre „Orangene Option“, wie es von Katte von Lucke ausdrückt, ein großes Gewicht entfalten.

Gerade die Landwirtschaft fühle sich von der CDU massiv verraten, weil diese das Landwirtschaftsministerium den Grünen überlassen habe, erklärt Kalkofen, die selbst Landwirtin ist. Sofern die Freien Wähler nach der kommenden Landtagswahl in diesem Fall mitentscheiden dürfen, werde das nicht wieder passieren.

Die Sorgen der Landwirte sind jedoch nicht das einzige Thema, dem sich die Gruppe widmen will. Ebenfalls auf dem Plan stehen die Gesundheitsversorgung in Genthin, Havelberg und allem dazwischen. Neben der stationären Gesundheitsversorgung, wollen sie sich für einen Rettungshubschrauber in der Altmark starkmachen. Überregional soll die Altmark ihre Stärken besser ausspielen. „Wir müssen unsere Stärken formulieren, statt die Schwächen zu pflegen“, erläutert von Katte von Lucke. Dazu gehöre es auch, Sachsen-Anhalt und die Altmark nicht als Niedriglohnsektor der Bundesrepublik zu begreifen, sondern, auch mit ein wenig Risikobereitschaft, die Wirtschaft anzukurbeln.

Auch wenn das Innovations- und Gründerzentrum BIC Altmark in diesem Punkt gute Arbeit leiste, gebe es großes Potenzial, um Arbeitsplätze zu schaffen. Neben der Einrichtung von Co-Working-Spaces für kleine Unternehmen und Ideen steht dabei auch ein besonders großes Unterfangen: die Umsiedelung eines Ministeriums nach Stendal.

Der ländliche Raum müsse die Wertschätzung erfahren, die ihm zusteht. Mit einem Ministerium in der Hansestadt würde diese ausgedrückt und die regionale Wirtschaft gestärkt. Mit hoch bezahlten Jobs und den Mitarbeitern, die dann, so die Hoffnung, in der Region wohnen, würde eine lokale Wertschöpfung möglich. Welches Ministerium es genau werden könne, sei dabei noch nicht festgelegt. Dafür müsse auch abgewartet werden, wie die einzelnen Ämter auf Landesebene nach der kommenden Wahl aufgestellt werden.

Mit regionalen Kandidaten wollen die Freien Wähler die Probleme der Fläche in die Landeshauptstadt tragen. Oft werde übersehen, dass der ländliche Raum sich von einer Großstadt unterscheidet. Dies reiche von Mindestgrößen für Schulen, über ärztliche Versorgung bis zur allgemeinen Finanzierung. Je größer eine Kommune ist, umso mehr Geld erhält sie, erklärt Schulz. Das liege nicht nur an der größeren Einwohnerzahl, sondern auch daran, dass diese prozentual wohlwollender berechnet werden. Dabei müsste es wenn dann umgekehrt sein. Ein Kilometer Straße, der saniert werden muss, ist immer gleich lang. Bei weniger Einwohnern muss das Geld von Wenigen jedoch weiter gestreckt werden um dasselbe Ergebnis zu erreichen, wählt von Katte von Lucke als Beispiel.

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