750 Kubikmeter pro Sekunde

Flutkatastrophe: Modell kann Pegelstände jetzt 96 Stunden im Voraus berechnen

Landkreis Stendal. Das Modell für die Ausbreitung des Wassers nach einem Deichbruch von der Hochschule Magdeburg-Stendal kann Pegelstände relativ exakt bis zu 96 Stunden vorhersagen. Zuvor war es nur für 48 Stunden möglich.

Vorgestellt wurde es am Dienstag im Umweltausschuss des Landkreises von Stefan Müller, Mitarbeiter im Institut für Wasserwirtschaft und Ökotechnologie. „Mit dem Modell haben wir ein Instrument, mit dem man vorausschauend arbeiten kann“, sagt Ausschussvorsitzender Uwe Klemm (SPD). Er gehe davon aus, dass es dadurch eine Verbesserung bei der Havariebewältigung geben werde. Es gebe eine schnellere Reaktionszeit. Außerdem könnten Schwachpunkte ausgemerzt werden.

Schon kurz nach der Flut haben die Wissenschaftler 2013 die Arbeit daran aufgenommen. Seitdem der Landkreis als Auftraggeber auftritt, wurde das Ziel verfolgt, zehn Deichbrüche an verschiedenen Stellen per Computer zu simulieren. Diese Szenarien zeigen realitätsnah ein Extremhochwasser. Als Beispiel führte Müller den Deichbruch bei Osterholz an. Durch die geringen Höhen sei der Schaden relativ gering.

Die Grundlage für die Berechnung ist eine Lasermessung mit 15 Zentimetern Genauigkeit, die Analyse der Biotop- sowie Nutzungstypen und die Einbeziehung von Sperrbauwerken wie Straßen oder ICE-Trassen sowie der Daten der Wasserstände während der Flut 2013. Vor allem Linienstrukturen scheinen einen großen Einfluss auf die Berechnungsgenauigkeit zu haben. Das Model wurde in eine Software eingearbeitet. Müller geht davon aus, dass nicht viel mehr Wasser über die Elbe kommen könne. Kritisch ist in der Berechnung vor allem die erste Stunde nach dem Deichbruch. Heute glaube man, dass maximal 750 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch einen 100 Meter breiten Deichbruch fließen können. In der Vorhersage weichen nach der 65. Stunde die Ergebnisse immer weiter von real erfassten Daten ab.

Hinsichtlich des Einsatzes beruhigte der Wissenschaftler die Gremiumsmitglieder. Die Bruchgefahr sei äußerst gering, denn viele Deiche haben auch 2013 gehalten, obwohl es vorher andere Prognosen gegeben habe, erklärte Müller. Allein im Landkreis sind es insgesamt über 400 Kilometer, 130 Kilometer davon an der Elbe.

Ob die Daten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, müsse nach einer Prüfung des Datenschutzes entschieden werden, sagte der erste Beigeordnete des Landrates Denis Gruber.

Von Ronny Kauerhof

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