Land sieht Stendals Großbaustelle wieder in der Spur

Stendaler Flüchtlingsheim obenauf

Ein Teil des Komplexes. Fassaden haben bereits einen frischen Anstrich. Ein Großteil der beteiligten Firmen soll übrigens aus dem direkten Umfeld der Baustelle kommen.
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Ein Teil des Komplexes. Fassaden haben bereits einen frischen Anstrich. Ein Großteil der beteiligten Firmen soll übrigens aus dem direkten Umfeld der Baustelle kommen.

Stendal – Die Großbaustelle an der Gardelegener Straße in Stendal scheint wieder in der Spur. Schimmelprobleme seien vollständig behoben, die Arbeiten allesamt im Plan und die Verantwortlichen sollen selbst die Kosten im Griff haben.

Eine Aufnahme aus dem Frühjahr. Arbeiter stemmen sich in einem Wohngebäude gegen Staub und Schimmel. Inzwischen läuft an vielen Stellen der Innenausbau.

Die Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) für Asylsuchende bekommt immer mehr ein Gesicht, bis zu 1000 hilfsbedürftige Menschen sollen auf dem früheren Areal der DDR-Grenztruppen in der Kreisstadt einmal untergebracht werden können. „Die Gebäude 1, 4 und 5 erstrahlen schon in der neuen Fassadenfarbe“, lässt Sandra Peschke, eine Sprecherin des Ministeriums der Finanzen in Magdeburg, auf AZ-Anfrage wissen. Und ja, wichtig erscheint ihr auch: „Trotz der Corona-Problematik konnten die Arbeiten planmäßig fortgeführt werden. “. In Kürze sind das Heizhaus und das Gebäude 1, in dem Wachschutz und Polizei untergebracht sein werden, fertig. In den Unterkunftsgebäuden 4 und 5 läuft der Innenausbau. Die Arbeiten im Gebäude 6 haben gerade begonnen. „Die Erschließungsarbeiten der Liegenschaft sind abgeschlossen, auch bei den Außenanlagen liegen wir im Plan.“ Die Zeitschiene erschien von Beginn an nicht sonderlich ambitioniert, im März 2019 war offizieller Baubeginn. Ende 2022 soll alles fertig sein, die Türen könnten sich im Frühjahr darauf das erste Mal für Flüchtlinge öffnen. Inwiefern zwischenzeitlich irgendetwas an der geplanten Kapazität verändert wurde, dazu heißt es aus dem Ministerium Anfang der Woche: „Derzeit wird die LAE für 1000 Plätze gebaut.“

Anfangs ging das Land von 20 Millionen Euro Kosten aus, veranschlagt wurden später 30 Millionen Euro. Im Sommer dieses Jahres wurde bekannt, dass die Landesaufnahmeeinrichtung deutlich teurer wird. „Die Bausumme beträgt einschließlich vom Landtag beschlossenen Nachtrag 36 Millionen Euro.“ Gut zwei Drittel der Summe zahlt der Bund, den Rest das Land. Peschke bringt die Ursachen der Preissteigerung noch einmal auf den Punkt: „Verschlechterung der Bausubstanz aufgrund des Baustopps von drei Jahren, zusätzliche Nutzeranforderungen aufgrund Erkenntnisgewinn zum Umgang mit Asylbegehrenden und Flüchtlingen, Baupreissteigerung.“ Die Verhandlungen mit Berlin hatten sich hingezogen, davor hatte es schon Entkernungsarbeiten gegeben.

„Das Schimmelproblem wurde zwischenzeitlich vollständig behoben“, versichert die Ministeriumssprecherin. „Zum Zeitpunkt der Planung befand sich die Bausubstanz in einem guten Zustand, dies hat sich jedoch durch den jahrelangen Baustopp gravierend geändert.“ So sei während der drei Jahre Feuchtigkeit in ein Gebäude eingedrungen. „Dies zeichnete sich zu Anfang mit leichter Schimmelbildung partiell ab, nach Beginn der Baumaßnahme im Gebäude breitete sich der Schimmel sichtbar, innerhalb kürzester Zeit, im dritten und vierten Obergeschoss aus.“ Zu besseren Einordnung: Im September 2015 wurden die Bauabsichten öffentlich bekannt, im März 2016 schlossen Land und Bund einen Vertrag über das knapp 40 Hektar große Gelände, Folgeverhandlungen zogen sich hin.

Nach der politischen Wende in Ostdeutschland diente das Areal, eine Bundesimmobilie, nicht zuletzt Bundeswehr, Polizei und Staatsanwaltschaft. Einige Jahre später ungenutzt, sammelte sich Müll an und es kam zu Zerstörungen an Gebäuden. Eigentlich sollte dort einmal eine Fotovoltaikanlage entstehen. 2015 kamen viele Flüchtlinge nach Deutschland. Der Umbau zu einem Flüchtlingsheim ist in der Region nicht unumstritten. Warum das Land trotz sinkender Asylbewerberzahlen daran festhalte, hatte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) schon Anfang 2018 bei einer Veranstaltung in Stendal gesagt. Es fehle bislang eine wirklich passende Einrichtung, gerade traumatisierte Frauen und Kinder müssten entsprechend untergebracht werden können. Zudem will sich das Land bei Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen künftig mehr oder weniger auf die Standorte Halberstadt und Stendal konzentrieren.

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