1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Stendal

Flüchtlingsheim in Stendal braucht Zeit und Geld

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marco Hertzfeld

Kommentare

Die Baustelle der künftigen Landesaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge ist mit Schloss und Kette versperrt.
Wenn die Arbeiten auf der Großbaustelle an der Gardelegener Straße ruhen, mindestens dann ist sie von dieser Seite hinter Schloss und Zaun. Wann die Landesaufnahmeeinrichtung in Stendal fertig ist, muss sich zeigen. © Marco Hertzfeld

Die Landesaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge steht vor weiteren Hürden. Der Um- und Ausbau des früheren Militärkomplexes in Stendal braucht offensichtlich mehr Zeit und Geld.

Stendal – Die heikle Situation an der EU-Außengrenze im Osten seit Wochen dürfte den Behörden von Sachsen-Anhalt nicht entgangen sein. Auch scheinen weitere Umbrüche in dieser Welt jederzeit möglich. Ein Flüchtlingsheim in der Altmark könnte in den Fokus rücken. „Der Zeitplan für das komplexe Bauvorhaben in Stendal kann nach Lage der Dinge nicht beschleunigt werden“, teilt Nancy Eggeling, Sprecherin des Finanzministeriums, auf AZ-Anfrage mit. Bei dem Großprojekt an der Gardelegener Straße selbst scheint das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. „Die Fertigstellung von zwei Funktionsgebäuden ist derzeit noch in Klärung.“ Im Klartext: Ob die Landesaufnahmeeinrichtung (LAE) tatsächlich Ende 2022 für annähernd 36 Millionen Euro übergeben werden kann, muss sich erst noch zeigen.

Fragezeichen bei zwei Gebäuden

Nicht zuletzt Schimmelprobleme hatten 2020 zur Kostenexplosion geführt, sechs Millionen Euro mussten noch einmal draufgelegt werden. Immer wieder einmal sind zudem die Arbeiten ins Stocken geraten. Überhaupt erscheint der Zeitraum für Umbau und Sanierung auf dem früheren Militärgelände recht groß, nach einer längeren Unterbrechung ging es im März 2019 wieder so richtig los. „Aktuell sind alle Bauvorhaben von der starken Baukonjunktur beeinträchtigt. Viele Gewerke haben Lieferschwierigkeiten aufgrund der hohen Nachfrage und der unterbrochenen Lieferketten“, verweist Eggeling auf das große Ganze. „Des Weiteren kam beziehungsweise kommt es zu Personalausfällen in den Firmen, unter anderem infolge von Coronaerkrankungen und Quarantänemaßnahmen.“

Ministerium hält Kostenfrage offen

Nach derzeitigem Stand trägt der Bund von den 36 Millionen Euro circa 27,6 Millionen und das Land 8,4 Millionen. Und noch einmal: „Inwieweit darüber hinaus weitere Kosten bei weiteren Ausschreibungsverfahren entstehen, kann derzeit nicht prognostiziert werden.“ Wachgebäude und Heizhaus sind laut Magdeburger Ministerium fertig. Die beiden Unterkunftsgebäude, Haus 4 und 5, sollen bis Mitte 2022 hergerichtet sein. Das gilt auch für die Freianlagen. Fragezeichen existieren ganz offensichtlich bei den besagten zwei Funktionsgebäuden. Geklärt und unverändert sei die Zahl der Plätze, bis zu 1000 Menschen sollen in dem Komplex untergebracht werden können. Vorwiegend „vulnerable Personen“, also insbesondere Frauen, die allein oder mit Kindern reisen, sowie Familien mit kleineren Kindern.

Die LAE in Stendal, deren Bau in der Region gerade zu Beginn nicht unumstritten war, hat für die Landesregierung Gewicht. „Die Unterbringungskonzeption des Landes Sachsen-Anhalt sieht mittelfristig die Unterbringung an zwei Standorten der Zentralen Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt), Hauptstandort Halberstadt und Nebenstelle Stendal, mit insgesamt rund 2000 regulären Plätzen und rund 400 Reserveplätzen vor.“ Magdeburg habe die allgemeine Lage im Blick, heißt es von Eggeling. „Die Entwicklung der weiteren Asylzugänge ist insgesamt schwer zu prognostizieren, wird vom Ministerium für Inneres und Sport jedoch genau beobachtet.“ Und weiter: „Das Innenministerium prüft vorsorglich, inwieweit sofort verfügbare Kapazitäten im Bedarfsfall angemietet werden können.“

Auch interessant

Kommentare