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Amtschef: „Dörfer sterben nicht“

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Von: Antje Mahrhold

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In der Wische wachsen Misteln. In dem Gebiet gelten für Bauherren besondere Bedingungen.
In der Wische wachsen Misteln. In dem Gebiet gelten für Bauherren besondere Bedingungen. © Antje Mahrhold

Osterburg – Fast sieben Jahre nach dem Votum des Stadtrates zum Erstellen eines Flächennutzungsplans für das Gebiet der Einheitsgemeinde steht das 79 DIN-A4-Seiten dicke Papier kurz vor endgültiger Rechtskraft.

Professionell verfasst vom freischaffenden Stadtplaner Volker Herger erntete der Plan zuletzt Mitte Juni öffentlichen Widerstand, als es vor dem Stadtverwaltungsgebäude zu einer angemeldeten Demonstration besorgter Einwohner aus Dobbrun kam, was eine Szenerie gewesen ist, die für biesestädtische Verhältnisse als relativ selten gelten dürfte.

Der Auftritt der Ortschaftsbewohner um AfD-Fraktionsvorsitzende Sandra Matzat (AZ berichtete) scheint auch Osterburgs Bauamtsleiter nicht egal zu sein. In der jüngsten Sitzung des zuständigen Stadtratsfachgremiums bringt Matthias Köberle das Ereignis von Mitte Juni jedenfalls noch einmal zur Sprache. Anlass für das Vorgehen ist der aktuell zur Debatte stehende, finale „Feststellungsbeschluss zum Flächennutzungsplan“, den der Bau- und Wirtschaftsförderungsausschuss um Vorsitzenden Matthias Lenz (Freie Stadträte) mit viermal Ja und einer Enthaltung (Fabian Rieger, Grüne/FDP) gebilligt hat.

„Hitzige Debatten

im Sommer“

„Nach den hitzigen Debatten im Sommer“, nimmt Köberle Bezug auf Demonstranten und Kritik aus der Bevölkerung, müsse mit dem Papier nun aber „niemand Angst haben, dass wir die Wischedörfer sterben lassen“.

Am 13. Juni protestierten besorgte Dobbruner gegen den Flächennutzungsplan Osterburg.
Am 13. Juni protestierten besorgte Dobbruner gegen den Flächennutzungsplan Osterburg. © Antje Mahrhold

Mit Bezug auf Kreis-Bauordnungsamtsleiter Dirk Michalis, der in der Stadtratssitzung Anfang Juli über mögliche Neubauvorhaben auch in Randlagen etwa durch Abrundungssatzungen gesprochen hatte, stellte Osterburgs Bauamtschef Anfang der Woche betonend klar: „Der Flächennutzungsplan schafft kein Baurecht.“

„Plan schafft

kein Baurecht“

Bei dem Papier handele sich stattdessen um „eine übergeordnete Planung“. Investitionspläne von Bauherren würden durch dieses Regelwerk allein jedenfalls nicht behindert. „Die Sorgen sind unbegründet“, hatte Michaelis darauf verwiesen, dass das Fehlen ausgewiesenen Baulands in dem Plan kein Grund sei, Flaggen auf halbmast zu ziehen.

Bei der Kundgebung im Vorfeld einer Stadtratssitzung hatten Anwohner um Dobbruns frühere Ortsbürgermeisterin Kornelia Matzat nicht nur ein großformatiges Transparent gezeigt, wonach die Osterburger Ortschaft durch den Flächenplan sterben werde. Auch der Vorwurf, dass Grundstückseigentümer „enteignet“ würden, hatte sich Einheitsgemeindebürgermeister Nico Schulz (Freie Wähler) anhören müssen. Der Krumker Familienvater stellte sich den teils heftig wütend agierenden Demonstranten und kritisierte später der AZ gegenüber das Verhalten einiger Dobbruner am besagten Montagabend unter anderem als bedrohlich wirkend.

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