Stendaler will Rolandfest beim Sachsen-Anhalt-Tag betonen

„Den Finger am Puls der Zeit“

Hans-Jürgen Fritz in seinem Viertel an der Stadtseeallee. Der Stendaler möchte den Sachsen-Anhalt-Tag entscheidend mitgestalten, und das ehrenamtlich.
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Hans-Jürgen Fritz in seinem Viertel an der Stadtseeallee. Der Stendaler möchte den Sachsen-Anhalt-Tag entscheidend mitgestalten, und das ehrenamtlich.

Stendal – „Wir müssen den Finger am Puls der Zeit haben und damit meine ich nicht allein die aktuellen Popcharts.“ Hans-Jürgen Fritz denkt an Talente und alte Showhasen gleichermaßen.

Uwe Trapp baue im Auftrag der Stadt für den Sachsen-Anhalt-Tag 2022 im Haus der Vereine das „Stendalia-Zentrum“ auf und habe ihn ins Boot geholt.

„Ich musste nicht lange überlegen, wir arbeiten allesamt bereits an einem Konzept. “ Die Ideen sollen sich nicht zuletzt auf einer großen Bühne auf dem Winckelmannplatz niederschlagen. Dafür öffnet Fritz sein Telefonbuch, mehr als 300 Nummern von Künstlern und Schaustellern seien darin zu finden. Der Stendaler, Ende 60, gilt als Kenner der Kulturszene, mindestens der ostdeutschen. „Im Augenblick mache ich alles ehrenamtlich. “ Wie schon öfter.

Ohne die Vereine, ohne die Bürger geht wenig bis nichts. Davon ist Fritz im AZ-Gespräch überzeugt. Feuerwehr, Oldtimergarage und Rolandfest sollen wichtige Themen dieses Organisationsbüros sein. Rolandmusikanten, Stendaler Stadtmusikanten, die Altmärker Sänger, verschiedene Tanzgruppen, der Offene Kanal als Bürgerfernsehen und andere mehr hätten an der Bruchstraße ihr Domizil oder zumindest einen Anlaufpunkt. Trapp fühlt sich auch auf der Bühne wohl, ist den Menschen unter anderem durch den Karneval bekannt. Fritz bleibt dann doch lieber außerhalb des Rampenlichts, zieht Strippen, kennt Stars und Sternchen. „Für Buch und Regie möchte ich gern federführend sein. Der Sachsen-Anhalt-Tag wird das Rolandfest hoch 10. Die Besucher werden uns vielleicht an dieser Formel messen.“

In nicht einmal mehr zwei Jahren sollen auf der Bühne Geschichten erzählt werden, der Schlager könnte der rote Faden sein. Gaby Baginsky, eine westdeutsche Sängerin, musste in den 1970er-Jahren nach ihrem Auftritt durch den Ratskeller in einen Wartburg flüchten, der sie wegbrachte. „So groß war der Andrang, so stark die Begeisterung, so hartnäckig zeigten sich Autogrammjäger.“ Auch TV-Moderator Lutz Hoff („Schätzen Sie mal“) soll in die Rolandstadt zurückkehren und die Rubrik „Geschätzte Gäste“ gestalten. „Wir reden auch mit dem Sänger und Moderator Uwe Jensen über ,Wiedersehen macht Freude’. Wir hoffen auf unsere Cornelia ,Conny’ Walnsch aus Stendal, und Gaby Albrecht, die sich im Tanz- und Unterhaltungsorchester Magdeburg erste Sporen verdienten.“

Auch eine frühere Lehrerin aus Grimma will Fritz beim Landesfest vom 1. bis 3. Juli 2022 in Stendal wiedersehen. Ihr Name: Carmen Nebel. „Sie moderierte irgendwann Mitte der 80er-Jahre das Rolandfest.“ Heute gehört die DDR-Vorzeigefrau zu den bekanntesten Moderatorinnen im deutschen Fernsehen. Und wo bleibt die Jugend, wo sind die versprochenen lokalen Nachwuchsgrößen? Fritz lässt sich auch hier schon in die Karten schauen. Mirjam Miesterfeldt hat es vor einiger Zeit ans Staatstheater Cottbus geschafft, Anna-Louise Weihrauch ist eine gefeierte Musicaldarstellerin (Dirty Dancing) und Judith Zürcher hat sich über ein Ostrock-Musical einen Namen gemacht. „Sie alle sind mit dieser Stadt verbunden. Wir wünschen uns sie und weitere tolle Altmärker auf der Bühne.“

Fritz ist Feuer und Flamme. Der Stendaler ist quasi mit dem Rolandfest aufgewachsen, seine Mutter Elise arbeitete im Rathaus in höherer Position und zeichnete mit für das Stelldichein verantwortlich. Er selbst verdiente seine Brötchen nicht zuletzt beim Landkreis Stendal und mischte bereits 1997 mit, als Stendal schon einmal den Sachsen-Anhalt-Tag ausrichtete. Für den Rentner schließt sich nun ein Kreis, Fritz scheint schon fast ein Getriebener. „Menschen brauchen Unterhaltung und Abwechslung, nach Corona und all den Beschränkungen noch mehr als zuvor.“ Der Altmärker organisierte vor Jahren das Stadt- und Spargelfest in Osterburg. Mit dem aktuellen Ausrichter Lothar Welte, einem Schausteller aus Rostock und gebürtigem Magdeburger, verbindet ihn mittlerweile eine Freundschaft.

55 Jahre Rolandfest soll es möglichst beim Sachsen-Anhalt-Tag 2022 heißen, auch wenn die 53. Auflage dieses Jahr wegen Corona ausfallen musste. Die Arbeitsgruppe um Trapp und Fritz dürfte eine von mehreren sein. „Die Marschroute für uns alle hat Stendal sich selbst gesetzt. 1997 kamen 250 000 Besucher, diese Zahl sollten wir mindestens wieder erreichen, unser Kampfziel liegt darüber, ganz klar.“ Dass der Hauptbahnhof rechtzeitig saniert ist, davon sei er überzeugt. Ein Bahnhofsfest könne zugleich die Begrüßung zum Sachsen-Anhalt-Tag sein. Auch ein Tiergartenfest sollte es geben, die Einrichtung feiert 2022 ein Jubiläum. „Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Stendal in zwei Jahren in den Fokus zu rücken. Wir müssen nur jetzt mit der verstärkten Arbeit an Projekten beginnen.“ VON MARCO HERTZFELD  

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