Sicherheit: Stadt schaut bei markantem Hohlbaum genau hin

Brandweide am Stendaler Zoo soll leben dürfen

Der Stamm der Weide ist stark ausgehöhlt und weist Brandspuren auf.
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Der Raum in der Weide hat bereits die Ausmaße einer kleinen Räuberhöhle. In irgendeiner Weise wurde dort auch gezündelt. Der Hohlraum reicht bis nach unten zum Boden.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Weil diese Weide nah am Tiergarten steht, schon allein deshalb kennen sie viele Stendaler. Hinzu kommt: Der Stamm ist stark ausgehöhlt und weist dort zudem Brandspuren auf. Die Stadt will beruhigen: Gefällt werden soll die Brandweide vom Stadtsee nicht, jedenfalls momentan nicht.

Stendal – Sie könnte auch im Auenland des Schriftstellers J. R. R. Tolkien stehen oder in irgendeiner anderen fantastischen Welt. In der Arena von Hobbits, Elben, Menschen und Orks ist sie vielleicht zwischen die Fronten geraten. Die einzeln stehende Trauerweide nahe dem Eingang zum Tiergarten in Stendal weist jedenfalls ein riesiges Loch und zusätzlich eine Brandwunde auf. Ungefähr bis in jene Höhe, zu der sich noch ein Halbling bequem strecken könnte. Fiktion und Spinnerei haben in Fachämtern keinen wirklichen Boden, der markante Baum, den manch Einheimischer schon die Brandweide vom Stadtsee nennen soll, ist dort durchaus bekannt. „Die Brandspuren stammen aus einer Brandstiftung an Silvester 2017“, teilt Rathaussprecher Armin Fischbach nach der Rücksprache mit seinen Kollegen mit.

Der Stamm ist über mehr als einen Meter hinweg hohl. Und doch ist die Weide an Taubenhaus und Zooeingang lebensfähig, das frische Grün zeugt davon.

Die Weide in verschiedenen Arten und einige andere Bäume neigen zu Hohlräumen, oft verursacht durch Pilze und Mikroorganismen. Im Internet finden sich auf die Schnelle einige Stellen, in denen der Griff zur Kettensäge kritisiert wird. Bäume seien oft klüger als Behörden glauben wollten und könnten Wind und Wetter in einigen Fällen womöglich sogar besser trotzen als mit voll ausgefülltem Stamm. Die Physik, Knickung und Angriffsfläche, spiele eine Rolle. Kurzum: Verkehrssicherungspflicht und Angst vor Sturmbruch sollten nicht allein entscheidend sein, ein hohler Baum sei standhafter als gedacht. Darauf verlassen darf sich die Stadt nicht. „Nach der Kenntnis unseres Fachamtes bietet ein hohler Baum keine Vorteile bei starkem Wind“, unterstreicht Fischbach.

Feuerspuren bereits aus dem Jahr 2017

Wer die auffällige Weide am Taubenhaus nicht missen möchte, kann dennoch beruhigt sein, vorerst jedenfalls. „Wir wollen den Baum natürlich erhalten, solange wir dessen Verkehrssicherheit gewährleisten können. Durch eine regelmäßige fachgerechte Pflege kann uns das auch noch für viele Jahre lang gelingen“, ist der Stendaler Rathaussprecher auf Nachfrage der AZ überzeugt. Das Alter des Baumes ist mit etwa 86 Jahren angegeben. Weiden allgemein können etwa 100 Jahre alt werden, Silberweiden, zu denen auch die Trauerweiden gehören, sogar bis zu 150 Jahre. „Im Zuge einer Baumkontrolle wurde eingeschätzt, dass ein Kronensicherungsschnitt erforderlich geworden ist. Dieser wird bis Ende Juni durch eine Vertragsfirma der Hansestadt Stendal erfolgen.“

Fachamt: Sicherheit auf dem Schirm

Zukünftig könnten weitere Höhenreduzierungen an der doch so recht auffällig gezeichneten Trauerweide von Stendal erforderlich sein, um ein Umbrechen bei Starkwind zu vermeiden, heißt es noch. Und: „Bei einem hohlen Baum ist es entscheidend, wie mächtig die Krone ist, die getragen werden muss.“ Es gebe wissenschaftliche Untersuchungen, die nachwiesen, dass Höhlungen bis zu einem Drittel des Stammdurchmessers die Stand- und Bruchsicherheit des Baumes nicht nennenswert beeinträchtigten. „Bei noch stärkeren Höhlungen kann die Stand- und Bruchsicherheit durch regelmäßige Kroneneinkürzungen unter Umständen über mehrere Jahrzehnte erhalten bleiben“, erörtert Fischbach in dieser Woche für die Kollegen aus dem grünen Bereich weiter.

Etwa 20.000 Bäume im Kataster geführt

Am und nahe dem Stadtsee stehen mehrere Weiden, sie prägen das Bild des Gewässers, das deutlich älter ist als der gleichnamige Stadtteil an seinem Ufer, ein beachtliches Stück mit. Inwieweit sich die Brandattacke (vermutlich offenes Feuer oder Feuerwerkskörper) von vor vier Jahren auf das eine spezielle Exemplar stärker auswirken könnte, darauf kann nicht weiter eingegangen werden, umgehauen hat sie es ganz offensichtlich auch nicht. Und, wem Zahlen wichtig sind, Rathaussprecher Fischbach hat einige in Erfahrung gebracht: Im elektronischen Kataster der Einheitsgemeinde Stendal sind aktuell insgesamt 19.325 Bäume erfasst, davon 13.201 in der Kernstadt. Weiden machen einen Anteil von 2,3 Prozent aus. Die markante Weide am Zooeingang ist eine von knapp 450 ihrer Art und Gattung.

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