Ultras fluten Stendals Straßen mit Aufklebern

1. FCM Altmark markiert Revier

Ein Aufkleber an der Bruchstraße in Stendal kündet von einem Bündnis Altmark für den FCM.
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Ein „Bündnis Altmark“ von Fans des Magdeburger Klubs ausgerechnet im Herzen der Altmarkstadt Stendal.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Die blau-weiße Welle erreicht Stendal immer wieder einmal. Nun hat es vor allem die Bruchstraße erwischt. Fans des 1. FC Magdeburg haben Verkehrsschilder, Lichtmasten und Regenrinnen regelrecht mit Aufklebern zugepflastert. Die Stadtverwaltung ist darüber wenig amüsiert, und so mancher Fan von Lok Stendal dürfte es auch nicht sein.

Stendal – Mutmaßlich Anhänger des 1. FC Magdeburg haben Straßen in Stendal regelrecht mit Aufklebern zugepflastert. Eine Leserin, die ihren Namen nicht in der Zeitung sehen will, verweist auf die Bruchstraße, die besonders betroffen sei. Sie vermutet eine gezielte Aktion. Auch sei die blau-weiße Werbewelle nicht erst gestern über Stendal geschwappt. In der Stadtverwaltung bleibt man gelassen, ein Rathaussprecher lässt auf Anfrage der AZ schriftlich wissen: „Aufkleber werden durch Mitarbeiter des Amts für technische Dienste (Bauhof) entfernt, so es die Witterung und die Kapazitäten an Personal zulassen.“

FCM zahlreich: Masten an der Stendaler Bruchstraße wie dieser sind voller Aufkleber.

Hansestadt sieht Sachbeschädigung

Die altmärkische Kreisstadt gilt nicht unbedingt als Pflaster des Fußballvereins aus der gut 60 Kilometer entfernten Landeshauptstadt. Schließlich hat Stendal mit der Lokomotive eine ganz eigene Tradition. Die Aufkleber entlang der Bruchstraße sind unterschiedlich groß und haben offenkundig mindestens auch altmärkische Absender, die Rede ist zum Beispiel von einer Sektion Stendal, auch Gardelegen und Salzwedel kommen unter anderem vor und die Altmark sowieso. Verkehrsschilder, Straßenlaternen, Regenrinnen und anderes mehr sind bis über Kopfhöhe mit den Insignien aus dem Süden zugeklebt.

Ein FCM-Fanklub in Stendal ist nicht bekannt. An der Bruchstraße in Stendal ist von einer Sektion die Rede

„Mengenangaben liegen nicht vor, die Aufkleber werden nicht gezählt“, heißt es aus dem Büro des Oberbürgermeisters auf Nachfrage weiter. Aber natürlich: „Das Bekleben von Ausstattungsgegenständen, Verkehrsschildern und Leuchten der Stadt ist eine Sachbeschädigung und wird als solche zur Anzeige gebracht.“ Da selbst ernannte oder tatsächliche Ultras und Mitstreiter auch nahe dem Hauptbahnhof und an anderen Stellen aktiv gewesen scheinen, könnte die Zahl der illegal aufgebrachten Liebesbekundungen mindestens in die Hunderte gehen. Ultras sind besonders engagierte, mitunter auch fanatische Anhänger eines Vereins.

Mit der Lokomotive eigene Tradition

Zum Nulltarif dürften klassische Aufkleber und sogenannte Spuckies (gibt es auch mit kurzem i geschrieben), anzufeuchtende Teile, nicht zu haben gewesen sein. Auch gab es in der Vergangenheit ähnlich konzertierte Aktionen. Aufs Geld muss bei alldem auch die Stadt schauen. Doch: „Da die Täter überwiegend nicht ermittelt werden können, bleiben die Kosten für die Reinigung bei der Stadt.“ Fußballfans wollen ihr Revier markieren oder in einem fremden Flagge zeigen. Wer es nicht weiß: Der 1. FCM spielt aktuell in der 3. Liga, der 1. FC Lok Stendal zwei Etagen tiefer in der Oberliga Nord, die momentan coronabedingt pausieren muss.

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