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FCM-Sprayer treten in Uchtspinge nach

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Von: Marco Hertzfeld

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Die Bahnhofstreppe in der Stendal Ortschaft Uchtspringe ist mit FCM-Insignien beschmiert.
Das „Doppelt hält besser“ klingt manchen schon wie Hohn. Die Bahnhofstreppe ist erneut beschmiert worden. © Privat

Die Bahnhofstreppe in der Stendaler Ortschaft Uchtspringe ist erneut von mutmaßlichen FCM-Fans beschmiert worden. Diesmal senden die Täter ein „Doppelt hält besser“ mit.

Uchtspringe – Wer Jürgen Schlafke kennt, weiß, dass sich der altmärkische Ortsbürgermeister nicht so schnell aus der Fassung bringen lässt. Doch hierbei bleibt ihm die Spucke weg. Die großflächige FCM-Schmiererei am Bahnhof von Uchtspringe war erst beseitigt worden, doch schon eine Woche danach am Freitag tauchten sie an derselben Stelle fast deckungsgleich wieder auf. Mit einem größeren Unterschied: „Doppelt hält besser“ steht auf einer unteren Treppenstufe, als wollten sich die Täter auch noch lustig über all jene machen, die derartigen Graffiti nichts abgewinnen können. Dazu setzten sie ein Smiley. SPD-Kommunalpolitiker Schlafke kann momentan nur noch mit dem Kopf schütteln.

Die Aktion mutmaßlicher Anhänger des Fußballklubs aus der Landeshauptstadt passt ins Bild. Allein die jüngste blau-weiße Welle im Sommer bescherte dieser Stendaler Ortschaft samt Ortsteil Börgitz mehr als 200 Sachbeschädigungen, jedenfalls will Schlafke auf diese Zahl gekommen sein (die AZ berichtete). Schaltkästen und andere Flächen sind mit Insignien des Klubs und Fanparolen versehen, Verkehrsschilder mit entsprechenden Aufklebern. Was verstärkt die Ortschaften zu treffen scheint, damit kämpft die Kernstadt Stendal schon seit Längerem. Ganze Straßenzüge sind heimgesucht worden, erinnert sei an eine ganz offensichtlich konzertierte Aktion entlang der Bruchstraße.

Der Schaden allein in Uchtspringe und Umgebung dürfte nicht unerheblich sein. Anzeige erstatten kann oft allein die Stadt Stendal, in einigen Fällen die Bahn. Der Ortsbürgermeister will derweil nicht den Glauben an das Gute im Menschen verlieren, an Recht und Ordnung schon gar nicht. „Die Gesellschaft darf doch nicht einfach wegschauen.“

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Doppelt daneben / Häme kostet mehr Punkte:
Wer sich mit König Fußball anlegt, kann schnell einmal im Abseits stehen. Doch bei aller Liebe für diesen Sport: Kommunalpolitiker wie der Ortsbürgermeister von Uchtspringe haben allemal das Recht, diesen Schmierereien die Rote Karte zu zeigen. Und ja: Gießen die Mehrfachtäter auch noch einen Kübel Häme hinterher, sollten nicht nur Polizei und andere Ordnungsbehörden genauer hinschauen. Doppelt hält besser ist hier mehr als doppelt daneben. Wo Fankultur endet oder nicht, das bestimmen im Übrigen keine politischen Weichspüler oder Scharfmacher. Es sollte in erster Linie die so oft beschworene Zivilgesellschaft sein. Weil genau diese selbst Profikicker bejubelt und massenhaft in den Amateurligen gegen das runde Leder tritt, dürfte genau dort der Hebel zu finden sein. 

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